Türkei greift Kurden frontal an

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Wie seit Trumps Verrat an den Kurden erwartet, greift die Türkei kurdische Stellungen in Nordsyrien an. Die türkische Armee eröffnete die dritte Phase ihres Vernichtungskampfes gegen die Kurden mit Luftüberfällen auf Ortschaften an der Grenze und schweren Artillerieschlägen. Die Operation trägt den schönfärberischen Code „FRIEDENSQUELL“.

Euphrat und Mittelabschnitt

Ebenfalls wie erwartet konzentriert sich das Kriegsgeschehen auf den seit 2016 umkämpften Frontabschnitt westlich des Euphrat und den Mittelabschnitt bei Ras-al-Ain—Tal-Abyad—Abcakale.

Die Attacken gegen Ras-al-Ain und Tal-Abyad sind kein Zufall. Exakt dort, weg von den beiden Grenzorten, zogen die USA ihre Spezialkräfte zurück. Schneller und direkter könnte Trumps verräterischer Entschluss nicht Folgen zeitigen!

Und wie wie im Drehbuch begründet Präsident Erdogan die Offensive mit der Schaffung einer Schutzzone für rund zwei Millionen syrische Flüchtlinge, die derzeit in Südanatolien unter türkischem Schutz leben. Insgesamt nahm die Türkei seit 2011 rund 3,5 Millionen Syrer auf — eine gewaltige Last.

899 Kilometer Grenze

Vom Mittelmeer an den Tigris misst die türkisch-syrische Grenze 899 Kilometer. Erdogans Ziel ist ein 20—30 Kilometer tiefer Streifen in der Hand der türkischen Streitkräfte, dessen Länge er offiziell mit 480 Kilometern angibt.

Gemäss dem Verteidigungsminister, dem ehem. Generalstabschef Hulusi Akar, will die Türkei dieses ehrgeizige Ziel in drei Phasen erreichen:

  • Die Phase 1, Operation „EUPHRAT SCHILD“, wurde 2016 mit der Eroberung des Landstreifens zwischen dem Euphrat und dem westlichen Grenzpunkt zur Provinz Alexandrette abgeschlossen.
  • Die Phase 2, Operation „OLIVENZWEIG“, galt dem Sektor um die Provinzhauptstadt Afrin und den Ort Manbish weiter östlich in Richtung Euphrat. Afrin wurde eingenommen. In Manbish verhinderten amerikanische Spezialkräfte den Durchstoss — bisher!
  • Die Phase 3, die genannte Operation „FRIEDENSQUELL“, setzt jetzt ein.

Erste militärische Einschätzung

Militärisch sind die Türken den Kurden überlegen, was die Luftwaffe und die schweren Mittel betrifft. Ihr Waffenarsenal umfasst F-16-Kampfjets, Leopard-A4- und M-60-A1-Kampfpanzer, die T-155-Panzerhaubitze Firtina, einen Nachbau der südkoreanischen K9 Thunder, und die T-122-Raketenartillerie Sakarya,

Die Leopard-Panzer haben den Nachteil, dass sie aus dem Kalten Krieg stammen und nur vorne, aber nicht seitlich stark gepanzert sind.

In der Operation „OLIVENZWEIG“ begingen junge türkische Offiziere taktische Fehler, die zu erheblichen Verlusten führten, auch an Panzern. Die Säuberungen auch im mittleren und unteren Heereskader wirkten sich negativ aus.

Die Stärke der Kurden liegt in ihrer Guerilla-Taktik, ihrer enormen Kriegserfahrungen und im angestammten Peshmerga-Kampfgeist. Peshmerga heisst: „Die dem Tod ins Auge sehen“. Die Peshmerga wurden vom legendären General Mullah Mustapha Barzani zu einer schlagkräftigen Armee erzogen.

Die türkischen Heeresoperationen werden von Murad- und Hamza-Divisionen getragen.

Gefangene ISIS-Kämpfer

Massiv unterlegen sind die Kurden nummerisch. Im Hinterland bewachen sie ein Lager mit gut 10‘000 Gefangenen ISIS-Kämpfern. Schon schwächten sie die Wachtgarde, um Soldaten an die Front zu werfen. Ein Ausbruch der ISIS-Verbrecher, unter ihnen etwa 2‘000 Europäer (!), hätte katastrophale Folgen — überall.

In einem zweiten Lager halten die Kurden mehrere 10‘000 Frauen und Kindern von ISIS-Kämpfern gefangen.