Trödel-Kantone? Stotter-WM?

Standard

 

Cortina, 9. Februar 2021. Unten klar, oben am Start dichter Nebel. Berechtigt das den Boulevard, die “Stotter-WM”auszurufen?

Worten können töten. In der zivilen Welt erinnerten wir schon an die “Blutdiamanten”, an die “Schlapphüte” (für ehrbare Geheimdienst-Mitarbeiter) oder an jenen “Prügel-Türken”, der sich, in einer Bar tätlich angegriffen, gegen prügelnde Angreifer gewehrt hatte.

“Der Chancentod”, “der Fliegenfänger”

“Der Chancentod” – wenn der Boulevard einem Mittelstürmer dieses Etikett anhängt, dann ist Besagter so gut wie erledigt; es sei denn, er straft Journalisten mit einem Hattrick Lügen, wie kürzlich ein Schweizer Nationalspieler. Das Pendant zum “Chancentod” ist für den Torhüter, der daneben greift, der “Fliegenfänger”; auch kein Kompliment.

Neu im Vokabular des Schreckens sind die Trödel-Kantone. Um die Jahreswende 2020/21 entspann sich in der Schweiz ein richtiges Wettrennen um den Titel “Schnellster Schweizer Impf-Kanton”. Den Spitzenplatz belegte eine Nordwestschweizer Stadt; die “rote Laterne” trugen Kantone, die bei den Vakzinen darauf achteten, dass sie ganz sicher die zweite Impfung gewährleisten konnten.

Und wie endet jetzt der Wettlauf? Der vermeintliche Spitzenkanton impfte auf Teufel vom raus, ohne an das zweite Vakzin zu denken. So musste er die freundeidgenössische Hilfe anderer in Anspruch nehmen, weil die früh Geimpften dringend Impfstoff brauchten, die der Spitzenreiter schlicht nicht mehr hatte.

Organisatoren nehmen Verantwortung wahr

Topaktuell ist die Kampagne gegen die Organisatoren der alpinen Ski-WM in Cortina d’Ampezzo. Regen, Schnee und Nebel zwangen die Verantwortlichen, Rennen zu verschieben. Sie taten das im Interesse der Athletinnen und Athleten; und auch, um allen eine faire Konkurrenz zu garantieren. Doch welches Schimpfwort erfindet sogleich der Boulevard – die “Stotter-WM”. No commment, kein Kommentar.