Transparenz zerstört Sicherheit

Standard

 

Lange Zeit, im Kalten Krieg, erstickte die Sicherheit fast in der Geheimhaltung. Zynisch scherzten Soldaten, ihre Einheit sei bei Mobilmachung wehrlos, weil der Feldweibel, der den alles entscheidenden Schlüssel zu Dokumenten, Munition und all den anderen Schlüsseln habe, nicht zum Organisationsplatz durchgedrungen sei – ein böser Scherz.

Jetzt schwingt das Pendel ins andere Extrem aus. Die heute überbordende Transparenz zerstört Sicherheit.

Neuestes Beispiel 1: Der dreiste Einbruch von Dresden (25. Nov. 2019)

Spurensicherung in der dunklen Einbruchsecke (drp).

  • Die Einbrecher konnten den Zugang zum Grünen Gewölbe und die Juwelenkammer auf dem Internet erkunden; sie mussten im Schloss, wo alle Besucher gefilmt werden (wenn auch mehr schlecht als recht) nicht einmal persönlich rekognoszieren > das Dresdner Stadtbauamt veröffentlicht genaue Grundbuchpläne.
  • Ebenso war die Bruchstärke der Vitrinen genau bekannt. Das Schloss veröffentlichte den Namen der Glaserei, und diese wiederum brüstet sich auf dem Netz mit der Qualität ihrer Gläser > “Verbundsicherheitsglas 5-5-2 extraweiss” und “ESG-Glas 8-8-4 extraweiss” > die professionellen Gangster wussten, dass eine Axt genügte, das Glas zu zerschlagen.
  • Bekannt waren ebenso die Beschaffenheit der schmiedeisernen Gitter und die dunkle Ecke, wo der Einbruch nicht auffiel > acht “saubere” Schnitte genügten.

 

Neuestes Beispiel 2: Netanyahus Geschwätzigkeit

30. April 2018: Netanyahu prahlt mit Irans geheimem Atom-Archiv (gov).

Ein ganz anderes, ebenso aktuelles Beispiel aus einer fremden Welt, einem Staat, der seit seiner Gründung mit Nachbarn und jetzt auch mit Iran im Kriegszustand lebt: In Israel warnten am 2. Dezember 2019 die ex-Chefs der drei Geheimdienste Mossad (Ausland), Shin Bet (Inland, Abwehr) und AMAN (Armee) vor Premier Netanyahus Geschwätzigkeit.

Immer wieder schade der amtierende Regierungschef Israels Sicherheit, indem er geheimes Material ausbreite und Israels Feinden laufend sensible Informationen liefere, die alle seine Vorgänger geschützt hätten.

Als Beleg nannten sie etwa Netanyahus “triumphierenden” Auftritt, nachdem der Mossad in Teheran das iranische Atom-Archiv geraubt und unbemerkt ausser Lande geschafft hatte. Irans Geheimdienst habe sich über den Raub geärgert, aber durch Netanyahus plumpe Pressekonferenz viel erfahren.

Fazit

  • Falsch verstandene Transparenz zerstört Sicherheit.
  • Die vernünftige Balance von Transparenz und Sicherheit ging verloren. Sie ist wiederherzustellen.

Netanyahu verrät Details zu Irans Atomrüstung.