T-62-Bataillon an der Front?

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Ja, Sie lesen richtig: T-62. Beachten Sie auch das Fragezeichen. Die Meldung, die Russen hätten ein T-62-Panzerbataillon reaktiviert, kommt von zwei Quellen aus dem Graubereich. Die beiden Dienste Top Gun und Defense Express berichten, Russland greife auf der Krim auf kawestierte T-62-Kampfpanzer zurück und führe diese in Bataillonsstärke per Eisenbahn an die Donbassfront. Als Beleg wird das folgende undatierte Bild angeführt:

In der Tat zeigt die Aufnahme einen T-62 auf freiem Feld irgendwo. Die zurückgeschobene Mündungsbremse und die versetzten Räder unterscheiden ihn vom noch älteren T-54/55. Letztlich mutet die doppelte Nachricht von Top Gun und Defense Express eigenartig an. Beide Quellen gelten als parteiisch, Top Gun als eher prorussisch. Sie bewegen sich oft im Dunstkreis der Desinformation.

Gegen die T-62-Nachricht spricht das Alter der T-62-Kampfwagen:

  • Im Yom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973 bildeten T-62-Regimenter das Rückgrat der arabischen Panzerflotten. Obwhl sie, damals modern, mit Infrarot und Distanzmessern ausgerüstet waren, verloren sie auf dem Golan und am Suezkanal die Panzerschlachten gegen die israelischen Centurion und M-60 Patton.
  • Die Sowjetunion zog Konsequenzen. Uralwagonsawod baute zügig den T-72, der die T-54/55 und T-62 ablöste. Den Syrern drehten die Russen überzählige T-62 an, die im Libanonkrieg 1982 von Israels neuen Merkawa reihenweise abgeschossen wurden.

Dass Russland jetzt derart geschwächt ist, dass der T-62 mit seiner 115-mm-Kanone reaktiviert werden muss, ist wenig glaubwürdig. Die Panzer sollen aus einem Depot auf der Halbinsel Krim kommen. Das zuverlässige IISS in London nennt in seiner Military Balance 10’200 Kampfpanzer in store, was man mit “eingemottet”, “eingelagert” übersetzen kann. Aufgezählt werden aber nur 7’000 T-72, 3’000 T-80 und 200 T-90. Von T-62 keine Spur!