Su-35 schoss Su-30 ab

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Die Flugrevue meldet:

Die Suchoi Su-35S ist der Top-Jet der Flanker-Familie. Das in den Vorfall involvierte Flugzeug gehörte zum 790. Jagdregiment in Chotilowo.

Wer trägt die Schuld am “friendly fire”?

Bei einer Trainingsmission über der Region Twer in Russland schoss der Pilot einer Suchoi Su-35S Salven scharfer Munition aus seiner Bordkanone – und traf damit eine Su-30SM. Der getroffene Jet stürzte ab. Der Su-35-Pilot, ein Major des 790. Jagdregimentes, steht vor Gericht. Nun stellt sich die Frage: Wie konnte das passieren?

Der Vorfall selbst liegt anderthalb Jahre zurück, doch die Ermittlungen laufen immer noch auf Hochtouren: Im September 2020 ging eine mit zwei Mann besetzte Suchoi Su-30SM über der Region Twer, 170 Kilometer nordwestlich von Moskau, durch Absturz verloren.

Beide Piloten konnten sich per Schleudersitz retten. Ihr Trainingsflug endete damit zwar abrupt und unplanmäßig, aber immerhin glimpflich. Was die Absturzursache angeht, schwelte bereits damals ein böser Verdacht. Am 23. September 2020 meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass: “Die in der Nähe von Twer abgestürzte Su-30 könnte während der Übungen versehentlich von einem anderen Flugzeug abgeschossen worden sein.”

Eine Su-30SM bei einer Vorführung in Schukowski 2019.

Auch Bodenpersonal muss sich verantworten

Allerdings ließ der Pilot während der Verhandlung über seinen Anwalt verlauten, dass er sich “im vollen Vertrauen darauf” in den Luftkampf begab, “dass alle scharfen Waffen aus seinem Kampfjet entfernt und seine Geschütze deaktiviert waren”. Schließlich sei es im Vorfeld derartiger Trainigsflüge üblich, dass die Techniker am Boden die Flugzeuge entsprechend präparierten.

Mit der Flanker-Familie hat Suchoi dem Konkurrenten MiG in Russland die Spitzenstellung abgenommen.

Offensichtlich taten die beiden mit der Su-35S betrauten Männer dies nicht, weshalb auch gegen sie zunächst wegen Fahrlässigkeit ermittelt wurde. Dass diese Ermittlungen später eingestellt wurden, bezeichnete die Staatsanwaltschaft inzwischen, nach den Eingebungen der Verteidigung, als “Ermittlungsfehler”.

Selbstverständlich habe der Pilot “gegen die Regeln” verstoßen, aber, so die Sicht der Staatsanwaltschaft, “Vertreter der Bodendienste, die die Su-35 für die Übung vorbereitet hatten, sollen die Verantwortung für den Vorfall mit ihm teilen.” Der zuständige Richter sieht dies offenbar ähnlich und ordnete eine Prüfung an: “Die Hauptdirektion für militärische Ermittlungen des russischen Ermittlungskomitees wurde mit der Aufgabe betraut, die Fehler bei den Ermittlungen in der Garnison zu korrigieren”, schreibt Kommersant.

Urteil Ende März?

Wie der Anwalt das Su-35S-Piloten weiter ausführte, habe sein Mandant direkt im Vorfeld des “friendly fire”-Zwischenfalls bereits einen simulierten Raketenangriff auf ein fliegendes Ziel vollführt. Dieser sei “recht gut” verlaufen, “was was dem Major zusätzliches Vertrauen in die Sicherheit seiner Aktionen gab”, so Kommersant weiter.

Die von der Aufsichtsbehörde eingeleitete “Aufteilung der Verantwortung” auf drei möglicherweise an dem Vorfall beteiligte Soldaten sehe daher auch der Verteidiger als “durchaus gerechtfertigt” an. Ende März soll das Gericht den überprüften Fall erneut zugewiesen bekommen – und ein Urteil darüber fällen, wer und wie viele Personen die Verantwortung dafür tragen, dass die russische Luftwaffe an diesem Tag “ein Kampfflugzeug im Wert von 1,14 Milliarden Rubel” (rund 13 Millionen Euro) in einem Wald bei Twer verlor.