Studenten gegen Sprachverhunzung

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Die Schweizerische Schüler- und Studenteninitiative (SSI) eröffnet ihren Internet-Auftritt wie folgt: “Vieles in unserem Land läuft nicht mehr gut. Ein linksliberal-sozialistischer Mainstream macht sich breit!” und tritt entschlossen gegen diesen Mainstream an. Wir bringen als Beispiel der dezidierten SSI-Stellungnahmen die Position gegen die Verhunzung und Zerstörung der deutschen Sprache – ein längerer Lesestoff, der bezeugt, dass es in der Schweiz nicht nur linke Schüler und Studenten gibt. Es folgt der SSI-Originaltext:

Die Schweiz, wie wir sie uns wünschen!

Unsere Schweiz, unsere Heimat ist seit Gründung des Bundesstaates ein sprachlich und kulturell wunderbar vielfältiges und weltweit einmaliges Land. Vier verschiedene Sprach- und Kulturgruppen – die Rätoromanen, das Tessin, die Deutschschweiz und die Romandie – schlossen sich 1848 zu einer Willensnation zusammen. Gleichzeitig wurden zwei praktisch gleich grosse Religionsgruppen eingebunden – Katholiken und Protestanten.

All dies bildet seither ein fragiles Gleichgewicht und verlangt bis heute nach einem sorgfältig ausbalancierten, föderalistischen System mit ausgeprägtem Gespür für die Minderheiten und für die Interessen der Kantone. Hierfür wird unser Land – verbunden mit der Neutralität – von vielen bewundert und beneidet.

Hinzu kommt die direkte Demokratie: Nirgendwo sonst auf der Welt sind Bürgerinnen und Bürger derart stark einbezogen. Anders als in den repräsentativen Demokratien werden bei uns auch Sachentscheide direktdemokratisch gefällt.

Viele Menschen in unserem Land sind aufrechte Patrioten und lieben ihre «Schweizerische Eidgenossenschaft», so wie sie in ihrer Vielfalt über Jahrhunderte historisch gewachsen ist.

Rechtsregeln unterlaufen

Daneben gibt es allerdings auch jene, die sich von der Kleinräumigkeit unseres Landes beengt fühlen. Sie plagt das «Unbehagen im Kleinstaat» und sie träumen vom Aufgehen in einem oft nicht näher definierten «Grösseren», «Weltoffenen».

Die praktische Vertrautheit und Nähe des föderalistischen Kleinstaates möchten diese linksliberal-sozialistischen Dogmatiker durch grosse, auf dem Reissbrett entstandene Entwürfe ersetzen: Am liebsten wäre ihnen ein Aufgehen in der „Weltgemeinschaft“. Auch der EU-Beitritt ist natürlich ein wichtiges Ziel. Dass diese EU inzwischen dabei ist, sich selber zu demontieren, stört sie wenig: Die Realität hat sich der Utopie unterzuordnen.

Die historisch gewachsene, viersprachige und direktdemokratische Schweiz stört diese Leute. Die bestehende, kleinräumige Schweiz ist für sie ein Hindernis auf dem Weg zum „Aufgehen im Grösseren“ – in der EU, der UNO, der „Weltgemeinschaft“. Sie setzen deshalb alles daran, die natürlich gewachsenen Traditionen und Rechtsregeln unseres Landes zu unterlaufen, auszuhebeln oder gar zu zerstören.

Uns liegt daran, dieser verhängnisvollen Entwicklung entschieden entgegen zu treten!  

Die Schweiz als Ort, wo Werte bewahrt werden!

Das traditionelle Wertbewusstsein der Gesellschaft ist heute in Auflösung begriffen und wir erfahren eine sanfte Umgestaltung des Denkens. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die von der 68er Generation nachhaltig inszenierte Umprägung der Begriffe.

Die Zahl der Menschen in unserem Land und im gesamten Europa, die sich noch an den christlich-abendländischen Werten orientieren, wird immer kleiner. Dies liegt nicht nur an Masseneinwanderung und Masseneinbürgerungen, sondern auch am schleichenden Zerfall des grundlegenden Bewusstseins für jene zentralen Werte, die unser kulturelles und religiöses Erbe geprägt haben. Im Kern geht es darum, wieviel des christlich-abendländischen Erbes heute überhaupt noch kommuniziert und politisch vermittelt werden kann. Die Atheisten und Agnostiker sind im Vormarsch. Politische Symbole und Zeichen sollen aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Gipfelkreuze werden abmontiert.

Gutmenschentum als säkulärer Religionsersatz

Das agnostisch-atheistische Gutmenschentum ist zum säkulären Religionsersatz geworden. «Mainstream» heisst die Devise und wird flächendeckend organisiert. Individuell verbunden ist damit ein archaisches Wonnegefühl, in der gleichdenkenden Masse geborgen zu sein.

Auch die Medien sind fast flächendeckend auf linksliberalem Kurs. Auf den öffentlichrechtlichen, sog. „Service public“-Kanälen bringt ein seichtes Infotainment sanft auf den richtigen Weg – konkrete Abstimmungsempfehlungen inbegriffen. Gezielt werden auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens fertig gemacht, die sich noch mit nichtkonformen Positionen zu melden wagen. Über geeignete Sendegefässe für den „Abschuss“ solcher Personen verfügen auch die Staatsfernsehkanäle. Ergänzt wird die Ausgrenzung unliebsamer Persönlichkeiten durch Zeitungskolumnen selbsternannter „Sektenexperten“ und „Antirassismusspezialisten“. Und die rechtliche Basis bieten Anti-Rassismus-Artikel oder Anti-Homophobiebestimmungen.

Herrschaft über die Sprache

Die 68er sind mit ihrer Ideologie voll durchmarschiert. Es begann mit einer Umprägung der Begriffe und der Herrschaft über die Sprache. Herrschaft durch Sprache bedeutet, dass einzelne Gruppen über die Macht verfügen, Worte und Begriffe zu prägen oder zu ächten und auf diese Weise ihre Ansichten und Ideologien in der Masse durchzusetzen.

Konkret gemeint ist damit, dass Worte das Denken und damit das Handeln prägen und deshalb zuallererst der Wortgebrauch verändert werden muss. In der Annahme einer engen Verbindung von Sprache, Denken und Handeln entstanden ideologische Sprachreglementierungen, die zum einen bestimmte Ausdrücke ächten, zum anderen (da die Dinge nun einmal benannt werden müssen) eine neue, „feinfühligere“ Terminologie vorschreiben.

Dass „Neger“ und „Mohr“ nicht mehr erlaubt sind, war schon lange klar.  Aber auch Eskimos sind heute nicht mehr Eskimos, sondern Métis oder Inuit (Einzahl: Inuk). Und Zigeuner wurden zu Sinti und Roma – oder (höchstenfalls) zu „Fahrenden“. Man spricht auch nicht mehr von Indianern, denn Amerikas Ureinwohner wurden zu „Angehörigen der indigenen Bevölkerung“. Die negativen Begriffe der „Penner“ oder „Bettler“ gibt es nicht mehr: Sie wurden zu „Randständigen“, betreut von Sozial„arbeitern“ – wobei nicht ersichtlich ist, wieso diese Sozial„arbeiter“ mit ihrer Bürofunktion der „Arbeiterschaft“ irgendwie näher stünden, als andere Büroangestellte.

Euphemismusketten

Aber auch die „politisch korrekten“ Ersatzausdrücke nutzen sich nach einer gewissen Zeit ab. Wenn sich dann eine negative Konnotation auf die Neubildung überträgt, so kann zu einer fortwährenden Neuschöpfung (sog. Euphemismusketten) führen. So wurden beispielsweise „schwer erziehbare Kinder“ erst zu „verhaltensgestörten Kindern“, dann zu „verhaltensauffälligen Kindern“ und schliesslich zu „verhaltensoriginellen“ Kindern – nun explizit positiv.

Weiteres Beispiel ist der „Schulversager“, der zum „Bildungsfernen“ wurde. Da dies jedoch ein Selbstverschulden suggeriert, darf er sich neustens „der vom Bildungssystem nicht Erreichte“ nennen. Dies signalisiert, dass er an seinem Status nicht schuld ist. Auf „Ausländer“ folgt „Migrant“, auf „Migrant“ die „Person mit Migrationshintergrund“. Schlecht Integrierte der zweiten Generation sind „Personen mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung“. Behinderte sind nicht mehr „Behinderte“, sondern „Menschen mit anderen Bedürfnissen“, beziehungsweise „anders Befähigte“.

Angewandter Sprachfeminismus

Absurditäten besonderer Art zeigen sich beim sog. generischen Sprachfeminismus, der die „männerdominierte Sprache“ bekämpft.

Ursprünglich waren maskuline Derivative wie „Mitarbeiter“ auch für gemischtgeschlechtliche Gruppen üblich. Diese wurden schrittweise ersetzt durch „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Schliesslich folgten „Mitarbeiter/-innen“ Mitarbeiter/innen“ und „MitarbeiterInnen“. Weil man/frau diese Endlosschlaufen nicht durchzuhalten vermag, flüchtete sich der Sprachfeminismus schliesslich ins geschlechtlose Neutrum wie „Verkaufsperson“, „Lehrkraft“ oder „Arbeitnehmende“. Putzfrau und Putzmann wurden zur „Raumpflegekraft“. Die feministische Theologie spricht statt von „Gottvater“ oder „Gottmutter“ schlicht von „Gottheit“. Eine Spitze findet die politische korrekte Sprachzerstümmelung in der Vorgabe, statt „Vater“ und „Mutter“ das „Elter“ zu verwenden („Leitfaden geschlechtergerechte Sprache“, Eidg. Bundeskanzlei, 2009, S.26).

Schwerwiegende politische Konsequenzen

Der Sprachwandel hatte schwerwiegende Auswirkungen. Wenn aus dem „Selbstmörder“ der „Freitodwählende“ wird, dann ist das gesamtgesellschaftlich relevant. Der „Freitodwählende“ übt eine Option aus (mit oder ohne Druck). Fristen“lösung“ suggeriert euphemistisch die Lösung eines Problems, wie auch die End„lösung“ eine solche suggerierte.

Die ideologische Sprachsäuberung der letzten Jahrzehnte hatte aber auch enorme politische Konsequenzen. Ein erstes Opfer war der Begriff „konservativ“. Von Chateaubriand (1768-1848) geprägt, war damit ursprünglich ein vernünftiges Bewahren zwischenmenschlicher Grundregeln („conserver les sains principes“) gemeint. Der neuen Linken und den Liberalen gelang es innert kürzester Zeit, „konservativ“ mit „reaktionär“ gleichzusetzen. „Konservativ“ wurde zum Schimpfwort, während alles „Progressive“ als fortschrittlich-positiv galt. Auch der Begriff „liberal“ erfuhr – im Unterschied zu den USA (wo er mit links gleichgesetzt wird) – in Europa eine positive Konnotation. Mittlerweile ist in unseren Landen jede/r „liberal“, am besten sogar „total liberal“.

Liberalsein wurde zur Ideologie und der Einheitsbrei der Tageszeitungen belegt es. Liberal sind die „Weltoffenen“, die „Toleranten“, die „Mitfühlenden“. Verklemmt sind die „Konservativen“, die „Fremdenfeindlichen“, die „Rückständigen“, die „EU-Gegner“. Auch „Evangelikale“ und „Katholiken“ sind vorbelastet. Erstere sind „Fundamentalisten“ und letztere gehören zu einer homophoben Sekte aus Rom. Demgegenüber gilt es offen zu sein für „neue religiöse Bewegungen“ (am besten buddhistischen Ursprungs).

Sprache als Herrschaftsinstrument des Linksliberalismus

Sprache ist immer ein Instrument zur Lenkung der öffentlichen Meinung und damit ein Herrschaftsinstrument. Dies gilt auch für die Sprache des heutigen Linksliberalismus.

Die bisher tragenden christlich-abendländischen Werte kommen damit unter Druck. Statt intakten Familien wird plötzlich die Regenbogenfamilie propagiert. Flüchtlingshilfe ist cool. „Diskriminierung“ wird zum Totschlagargument jeder intellektuellen Auseinandersetzung. Ursprünglich das konservative Anliegen der natürlichen „Vielfalt“ verkörpernd, wir der Begriff heute inflationär verwendet. Von der Rassendiskriminierung über die Geschlechterdiskriminierung bis hin zur sexuellen Diskriminierung wird damit eine linksliberale Ideologie des „Alles ist erlaubt“ verkauft. Wer sich ganz bewusst ausserhalb jedes gesellschaftlich verbindlichen Wertrahmens stellt, kann sich auf das Diskriminierungsverbot berufen. Alles darf in Frage gestellt, jede Droge genommen, jedes Tabu gebrochen werden – bloss das Diskriminierungsverbot ist heilig.

Verhängnisvolle Auswirkungen

Für jede Gesellschaft ist es verhängnisvoll, ihr eigenes Wertesystem derart gezielt und bewusst zu zerstören. Das von den 68ern geprägte „Mainstream“-Europa hat nicht nur jahrzehntelang wirtschaftlich und finanziell (zu Lasten künftiger Generationen) über die Verhältnisse gelebt. Es hat auch seine eigenen, soziokulturellen Grundlagen demontiert, auf welchen das abendländische Erfolgsmodell jahrhundertelang beruhte. Die laufende Masseneinwanderung aus Afrika und aus islamischen Ländern ist unter diesem Gesichtspunkt nur noch eine Folgeerscheinung.

Die Perspektiven für uns Junge sind unter diesen Umständen schwierig. Die Kirchen sind zu – von Kirchenfunktionären verwalteten – Hohlräumen geworden. Der vorherrschende Horizontaldruck lässt – abgesehen vom Sport – kaum Raum für eine kollektive positive Lebensgestaltung.

Dringend nötig wäre statt dem grünsozialistischen „Mainstream“ eine Rückbesinnung auf Werte wie Pflicht- und Leistungsbewusstsein, Treue, Sorgfalt, Anstand – sowohl im Privaten, als auch beispielsweise gegenüber dem Arbeitgeber. Es sind diese Werte, die entscheidend zu wirtschaftlicher Eigenverantwortung beigetragen haben – bevor sich der Sozialstaat mit seiner Konsum- und Totalversicherungsmentalität breit machte.

Sich in diese Richtung zu äussern braucht allerdings ziemlich viel Mut. Denn man schwimmt da so ziemlich einsam in die Gegenrichtung des ach so schön dahinfliessenden „Mainstream“.