“Stochern wir alle im Kaffeesatz?”

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Gestochen scharfe Satellitenbilder befeuern die Analytiker: Der Hafen Sewastopol mit zwei Gruppen von Kriegsschiffen.

Ein junger Zuger Offizier schreibt uns: “Stochern wir eigentlich zur Ukraine alle im Kaffeesatz?”

Gute Frage! Bald schon, im April, jährt sich das tägliche Stochern im Kaffeesatz zum ersten Mal. Im Frühjahr 2021 baute Präsident Putin seine Drohkulisse gegen Kiew erstmals auf.

Unser junger Leser hat partiell Recht. Namentlich die Biden-Regierung in Washington bombardiert uns seit gut zehn Monaten mit Prognosen – stets mit demselben Sound: Putin rasselt mit dem Säbel, Russland greift an, Moskau zerquetscht die Ukraine. Langsam, aber sicher nutzt sich das ab.

Neutral wollen wir dem Zuger Offizier antworten: Nein und Ja.

  •  Einerseits erlangen die vielen Regierungen, Geheimdienste und Institute oft einen gewissen Konsens – mit Nuancen: siehe die kontroverse Beurteilung der russischen Truppen in Transnistrien: bei den einen stossen in Richtung Kiew, bei den anderen verharren sie am Dnjestr. Die Nachrichtendienste und privaten Analytiker arbeiten in der Regel nach ihrer militärisch-geostrategischen, manchmal auch operativen Logik, was ihren Texten und Karten den Stempel der Seriosität verleiht.
  • Anderseits weiss nur einer, was in den kommenden Tagen und Wochen noch geschieht. Es ist im Kreml der in Russland derzeit allmächtige Zar, der seine Getreuen im Katharinensaal teils wie Schulbuben antraben und ihre Verslein rezitieren lässt – nicht alle, einzelne respektiert er wie die Minister Lawrow und Shoigu, die ihm seit Jahrzehnten dienen. Aber was die Zukunft bringt, weiss nur Wladimir Putin; wenn überhaupt.

Putin mit zwei Generalen, die er achtet: Links Generalstabschef Gerassimow, recht der Minister Shoigu. Sie erfüllen seit mehr als einem Jahrzehnte Putins Aufträge und geniessen – derzeit – sein Vertrauen.