Stimmt das, Herr Strahm?

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23 Jets sollen 30 F/A-18 und Dutzende F-5 ersetzen? Nicht vergessen: Am 27. September geht es um eine doppelte Ersatzinvestition (Bild Knuchel).

  • In einer grossen Tageszeitung schreibt der Ex-Preisüberwacher Rudof Strahm: “Als Flab-Offizier habe ich gelernt: In einem kriegerischen Ernstfall wären alle Kampfflugzeuge nach wenigen Tagen ohnehin ausgeschaltet.”

Stimmt das, Herr Strahm? Um bei Kleinstaaten zu bleiben: Redeten Sie je mit Piloten in Finnland, Schweden, Israel oder der Schweiz? Ist doch barer Unsinn, den Sie da verbreiten. Kanoniere erinnert ihr Spruch an den Mist, den Nicht-Artilleristen über Schiesskommandanten in die Welt setzten: dass nämlich kein Schiesskommandant je den ersten Kriegstag überlebe. Nonsens.

  • Strahm weiter: “Diese Abstimmunsvorlage sieht 6 Milliarden Franken für die Anschaffung von 23 bis 30 Kampffliegern vor.”

Ist das Ihr Ernst, Herr Strahm? Kennen Sie den Nicollier-Bericht, der 40 Jets fordert? Oder die Armasuisse-Anordung, es seien 36 vollaugerüstete Flugzeuge zu offerieren plus vier ohne Zubehör? Oder die Aussage des Armeechefs, es geht um 32 Maschinen?

Und nur am Rande: Mit der Zahl 23 widersprechen Sie sich in einem Satz. Kennen Sie einen Kampfjet, der 260 Millionen Franken kostet? Das wäre der Stückpreis, wenn Sie 6 Milliarden durch 23  Flugzeuge dividiert hätten.

  • Sodann Strahm: “Die Milliarden, die für Kampfflugzeuge investiert werden, fehlen dann beim anderweitigen, dringenderen Bevölkerungsschutz.”

Sie wissen doch auch, dass es sich bei den sechs Milliarden um eine Ersatzinvestition handelt. Die dringend notwendige Beschaffung von 40 Kampfjets geht niemand anderem ab. Die Flugzeuge werden aus dem regulären Armeebudget finanziert. Sie, Herr Strahm, führen die Stimmbürger in die Irre.

  • Hernach der propagandistische Clou: “Experten sagen, dass mit einem System von mobilen Boden-Luft-Raketen, kombiniert mit Drohnen, der militärische Bevölkerungsschutz fünfmal effizienter respektive günstiger wäre.”

Reiner Stuss! Haben Sie Hptm Chollet, der F/A-18-Pilotin, nicht zugehört? den Nicollier-Bericht nicht gelesen? Es sieht ganz danach aus. Sonst wüssten Sie, dass die Luftwaffe ohne Kampfjets keinen einzigen Auftrag erfüllen kann: Weder Luftpolizei noch Luftkampf noch Aufklärung noch Erdkampf (close air support).

  • Ganz zu schweigen vom Grundtenor ihres Elaborats: “Kampfflugzeuge schützen nicht vor Viren.”

Als ob das ihr Auftrag wäre! Sie wissen doch auch, dass man Cyber, Katastrophenvorsorge, Pandemien nicht gegen Kampfjets, Panzer und Geschütze ausspielen kann. Die Schweiz muss sich umfassend schützen. Dazu gehört gewiss auch das, was sie so phantasievoll anmahnen; aber wir brauchen ebenso die harte, robuste Verteidigung von Volk und Land; und dazu zählen moderne, leistungsfähige Flugzeuge.

PS. Ihr Schreckensszenarium ist auch in der Schweiz Schnee von gestern. Schon am 12. November 1997 basierte die gesamte Strategische Führungsübung vom 12. November 1997 auf der Sequenz “The Day After in Cyberspace” der RAND-Corporation. All das, was Sie am 14. Juli 2020 aus dem Elsberg-Roman ellenlang auswalzen, wurde damals bereits 1:1 durchgespielt.