Stalingrad: Drei Faktoren zum Sieg

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Robuste sowjetische Führung (rar).

VON ALEXEJ TIMOFEJTSCHEW, WOLGOGRAD

Vor 77 Jahren endete die blutigste Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Der Ausgang der Schlacht um Stalingrad war der Wendepunkt im Kriegsverlauf, der die Chancen des Deutschen Reiches auf einen Sieg beerdigte. Drei Faktoren führten zum Sieg der Roten Armee in Stalingrad.

Der Angriff der Deutschen auf Stalingrad im Sommer 1942 war nahezu unmöglich aufzuhalten. Berlin hatte befohlen, die Stadt ohne Rücksicht auf Kosten und Menschenleben einzunehmen. Ziel war es, die Wolga zu kontrollieren, um Moskau von den Ölvorkommen im Kaukasus abzuschneiden.

Sieben Sowjetarmeen (rot) schlossen die Wehrmacht ein.

Faktor 1: Beharrlicher Widerstand 

Um sich der Wehrmacht widersetzen zu können, mussten die Sowjets all ihre verfügbaren Kräfte und Ressourcen sammeln. Um die Moral und Disziplin seiner Truppen zu erhalten, erließ Josef Stalin den berüchtigten Befehl Nummer 227: „Kein Schritt zurück! Das ist unsere Parole!“ wurde zum Durchhalte-Mantra der Roten Armee. Die Stadt hielt ihre Einwohner an, „jeden Wohnblock, jedes Viertel, jede Straße in eine uneinnehmbare Festung“ zu verwandeln. Und so hielten Zivilisten und Soldaten tatsächlich durch.

Deutsches Bombardement.

Der deutsche Offizier Helmut Welz erinnert sich an die Kampfhandlungen am 11. November 1942: „Der Feind hält mit starken Kräften einzelne Teile des Fabrikgeländes Roter Oktober. Der Kern des Widerstandes befand sich am Martin-Ofen. Die Einnahme dieses Werkes hätte den Fall Stalingrads bedeutet. Die Luftwaffe bombardierte es wochenlang. Kein einziger Platz ist noch übrig. Drei Stunden vergehen, aber wir kamen nur 70 Meter voran! In diesem Moment erscheinen über dem Werk erst eine rote, dann eine grüne Rakete. Das bedeutete: Die Russen gehen zum Gegenangriff über. Ich verstehe nicht, woher die Russen diese Kraft nehmen. Zum ersten Mal stehe ich vor einer unlösbaren Aufgabe. Jetzt ist das Werk schon wieder völlig in russischer Hand.“

Faktor 2: Helden

Rotarmisten im Januar 1943

Der beharrliche Widerstand der sowjetischen Bevölkerung und Armee wäre ohne den Mut vieler Helden in Stalingrad nicht möglich gewesen. Allein die Medaille „Für die Verteidigung Stalingrads“ erhielten 7600’000 Rotarmisten. 120 wurden sogar mit dem höchsten sowjetischen Orden als „Helden der Sowjetunion“ ausgezeichnet.

Der Stalingrad-Orden.

  • Das Pawlow-Haus in Stalingrad wurde zum Symbol des Heldentums bei der Verteidigung der Stadt. Das gewöhnliche vierstöckige Wohnhaus verteidigten nur 24 Soldaten. Dennoch konnten es die Deutschen die ganzen drei Monate lang nicht einnehmen. Laut dem sowjetischen General Wassilij Tschujkow erlitten die Deutschen mehr Verluste beim Versuch, das Pawlow-Haus einzunehmen, als beim Überfall auf Paris.
  • Ein weiteres Symbol für die Helden von Stalingrad ist der Hügel Mamajew Kurgan. Wer den Hügel beherrschte, kontrollierte praktisch auch die Stadt. Und so wurden besonders brutale Kämpfe um die Erhebung geführt, von der aus man die ganze Stadt im Blick hatte. Die Rote Armee verteidigte ihn die ganze Schlacht um Stalingrad hindurch. Zehntausende Soldaten aber gaben ihr Leben allein im Kampf um den Hügel.

Faktor 3: Deutsche Fehler  

Graue Pfeile: Sowjetarmee. Deutsche Front rot 19.11.42, gelb 12.12.42, grün 24.12.42.

Einen Teil des Erfolgs hatte die sowjetische Offensive den Fehlern der Deutschen zu verdanken. Die Wehrmacht überschätzte ihr eigenes Potential und musste darum mit voller Kraft an zwei Kriegsschauplätzen kämpfen: Im Kaukasus um das aserbaidschanische Öl und eben in Stalingrad. Die Deutschen zersplitterten ihre Kräfte.

Generalmajor Hans Doerr schrieb: „Stalingrad sollte als der grösste Fehler in die Geschichte eingehen, als die grösste Missachtung des lebendigen Organismus einer Armee, die jemals eine Staatsführung an den Tag legte.“

Im November 1942 beging die Wehrmacht einen schweren operativen Fehler. Um Stalingrad einzunehmen, erweiterte sie ihre Flanken über Hunderte Kilometer. Die Führung war überzeugt, dass die Rote Armee nicht über die nötigen Ressourcen für einen Gegenangriff verfüge. Dabei lagen an den langen Flanken verbündete Truppen – Italiener, Ungarn und Rumänen, die der Wehrmacht stark unterlegen waren.

General Paulus kapituliert.

Der Chef des Generalstabs der Wehrmacht, Kurt Zeitzler, erinnert sich, dass er Hitler noch vor einem „ernsthaften Risiko“ gewarnt habe, das „besser liquidiert werden sollte.“ Hitler bezeichnete ihn dafür dann als „hoffnungslosen Pessimisten“.

Und Zeitzler erinnert sich weiter daran, dass die sowjetischen Truppen ab Herbst 1942 immer effektivere Kampftechniken anwendeten und auch das Kommando der Roten Armee sich verbesserte.

Durchbruch in vier Tagen

Und so brauchten die sowjetischen Truppen, nachdem sie dann alle nötigen und möglichen Kräfte zusammengezogen hatten, auch nur vier Tage, um die deutschen Flankenachsen zu durchbrechen und rund 300’000 deutsche Soldaten einzukesseln. Damit war die Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad besiegelt.

Deutsche gehen in Gefangenschaft.