Slaviansk von Norden bedroht – noch 18 km

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17. Juni 2022. Interactive map: Raum Slaviansk–Europastrasse E-40 (M03)

In zähen, beidseits verlustreichen Gefechten rücken russische Panzer- und Motschützenverbände auf ihr operatives Zwischenziel Slaviansk vor. Wie die neutrale Lagekarte vom 17. Juni 2022 zeigt, bedrohen sie Slaviansk (rechts am unteren Kartenrand) namentlich von Norden her. Dort stehen sie 12 Kilometer von der Schnellstrasse E-40 (M03) entfernt und 18 Kilometer vom nordöstlichen Stadtrand von Slaviansk.

Ursprünglich drei Achsen

Mit Beginn der Donbass-Offensive am 25. April 2022 nahmen die Russen Slaviansk aus drei Richtungen in Visier:

  • Zu Beginn galt das Augenmerk der Achse von Izjum im Nordwesten der Europastrasse E-40 entlang nach Slaviansk im Südosten. In der Tat setzten die Angreifer dort starke Verbände der 1. Gardepanzerarmee, der 35. und der 6. Feldarmee an. Allerdings hatten die ukrainischen Verteidiger den Angriff durch das Engnis von Izjum und an der E-40 (M03) erwartet. Sie verteidigten die Schnellstrasse aus starken Befestigungen und liessen Vorstösse nur im Nebengelände zu. Wohl rückten die Russen auch an der Izjum-Front vor, doch standen sie am 17. Juni 2022 an der E-40 immer noch gut 40 Kilometer von Slaviansk entfernt.
  • Vorstösse meldeten die 5. und die 49. Feldarmee auch von Südosten her. Von der Anhöhe Popasna aus richten sie ihre Angriffe jedoch primär auf die Regionalstrassen nach Lysychansk–Sewerodonezk aus. Denn die Hauptschlacht tobt noch immer um die Stadt Sewerodonezk, die trotz der ukrainischen Teilkapitulation im Asot-Chemiewerk noch nicht gefallen ist. Von Poposna aus suchen die Russen namentlich die Strasse T-1302 zu erreichen, womit sie der Ukraine den Nachschub nach Lysychansk–Sewerodonezk abschneiden könnten.
  • Auf der dritten Achse, von Norden, rücken Formationen der 20. und der 8. Feldarmee vor.

Schwergewicht von Norden

  • Exakt an diesem dritten Stosskeil nimmt sich die Lage für die ukrainischen Stellungen bedrohlich aus. Von Norden her stiessen die Russen fast zur Ortschaft Donezke. Sie kommen der operativ wertvollen Schnellstrasse E-40 (M03) quer durch das Gefechtsfeld näher. Sie haben mit einer Kriegslist den Siversky Donezk westlich Svyatogorsk auf zwei Pontonbrücken überquert und etliche Dörfer südlich des Flusses eingenommen. Wie die Karte belegt, öffnen sich die Wälder für die Angreifer gegen Süden. Sieht man von Gehölzen und Weihern ab, liegt die Achse an die E-40 (M03) offen vor ihnen.
  • Zwischen der Strasse und Slaviasnk bleibt das Gelände panzergängig. Was die Russen dann in der Stadt erwarten würde, steht auf einem anderen Blatt – die Häuserschlachten von Charkow, Mariupol und Sewerodonezk lassen grüssen.