Slaviansk > 8. und 58. Feldarmee, 2. Panzerarmee

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ISW-Lage vom 5. Juli 2022.

Am 133. Kriegstag, am 6. Juli 2022, suchen die Russen den Schwung aus der Lugansk-Operation in den Oblast Donezk mitzunehmen. Die ISW-Karte vom 5. Juli zeigt das operative Ziel Kramatorsk und drei Teilziele unterschiedlicher Tragweite:

  • Slaviansk, das Tor nach Kramatorsk,
  • den Raum Siversk, wo die Ukrainer nach dem Rückzug aus Lysychansk ihre Kräfte sammeln und neu bündeln,
  • Bakhmut im Südosten des ukrainisch beherrschten Gebietes.

Den härtesten Stoss führen die Russen auf Slaviansk. Interessanterweise kamen sie dieser Schlüsselstadt nicht von Izjum her entlang der Schnellstrasse E-40 (M03) am nächsten, sondern von Nordosten aus. Dort bezwangen sie den Siversky Donezk, das dominierende Wasserhindernis, früh über zwei unbemerkte Pontonbrücken.

Nordöstlich stehen die Angreifer noch sechs Kilometer vom Strassenknoten bei Slaviansk entfernt. Bis zur Schnellstrasse ist das Donbassgelände relativ offen. Zwischen der Kreuzung und der Stadt versperrt aber ein langgestrecktes, tückisches Reservoir den Weg. Wie ernst es den Russen mit Slaviansk–Kramatorsk ist, belegt die a.o. Ballung von Kampfverbänden auf dieser Achse:

  • 58. Feldarmee. Sie war am 24. Februar 2022 auf der Krim stationiert, errichtete die Landbrücke nach Rostow am Don, bestritt in Teilen die Schlacht um Mariupol, wurde in den Osten verlegt und kämpft jetzt um den Donbass. Sie gehört zum Militärbezirk Süd.
  • 8. Feldarmee. Offenbar rekuperieren im Raum Sewerodonezk–Lysychansk nur Teile der Armee, die im Kampf um die Schwesterstädte die Hauptlast trug. Bereits stossen Formationen der 8. Armee auf Slaviansk.
  • Elemente der 2. Garde-Panzerarmee. Sie wurde vor der Donbassoffensive wieder aufgefüllt.
  • Elemente der 41. Feldarmee.
  • Elemente der 90. Panzerdivision.
  • Elemente des 58. Armeekorps.
  • Luftlandetruppen.
  • Von der Miliz der illegalen “Volksrepublik” Donezk das 1. Korps und von der Miliz der “Volksrepublik” Lugansk das 2. Korps. Beide kommen aus den Schlachten um Sewerodonezk und Lysychansk. Sie sind in die russische Armee integriert.

Sowohl die Ukrainer als auch die Russen melden schwere russische Artillerieschläge am ganzen ukrainischen Frontbogen. Der russische Generalstab zog die Artillerie schwergewichtig an der Donbassfront zusammen. Kiew berichtet von gegnerischen Fernwaffen. Deren Geschosse schlügen im ganzen Oblast ein, auch auf zivile Ziele.

Fazit: “ein langer Weg zu gehn”

Übergangslos ist nach dem Ringen um die Region Lugansk die Schlacht um den Oblast Donezk entbrannt. Die folgende aktuelle FAZ-Karte zeigt grau die Oblast-Grenzen. Unschwer ist zu erkennen:

  • Im östlichen Oblast Lugansk hat die russische Armee ihren Auftrag erfüllt.
  • Im westlichen Oblast Donezk dagegen fehlen noch rund 40% des Territoriums. Im Ersten Weltkrieg sangen die Briten den irischen Musicalsong: It’s a long way to Tipperary, It’s a long way to go. 

Niemand kennt den Verlauf der Donbassschlacht. Gewiss ist nur: Zur Oblastgrenze von Donezk ist es für die Russen “ein langer Weg, ein langer Weg zu gehn.” Sieben Wochen brauchten sie allein für die Doppelschlacht von Sewerodonezk und Lysychansk; übrigens nicht das erste Doppelringen in dieser Weltgegend, siehe den Zweiten Weltkrieg (Brjansk/Wjasma 1941).