Shoigu: 33 Feldhaubitzen M777 zerstört?

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Ukrainische Feldhaubitze M777.

Am 160. Kriegstag, am 2. August 2022, schaltete sich in Moskau der Verteidigungsminister Sergej Shoigu persönlich in den Propagandakampf ein.

  • An einem militärischen Rapport berichtete er, die russische Konterbatterie habe bereits 33 der gut 100 Feldhaubitzen M777 zerstört, welche die USA der Ukraine bisher lieferten.
  • Ebenso hätte die russische Armee allein in den letzten Wochen fast 396 Javelin- und NLAW-Panzerabwehrraketen abgewehrt und sowie 125 Stinger-Fliegerabwehrraketen abgeschossen.
  • Zahlreiche Wappendepots seien zerschlagen worden, darunter Lager mit M142-HIMARS-Mehrfachraketenwerfern. Zerstört hätten die Russen im Raum Odessa auch fünf Harpoon-Schiffsabwehrsysteme.
Dann holte General Shoigu gegen die westlichen Waffenlieferungen aus: Diese stellten eine Gefahr für die Region dar. Grund dafür sei der Verkauf von solchen Waffen durch korrupte Ukrainer auf dem Schwarzen Markt. Viele solcher Fakten würden im Netzwerk aufgezeichnet. Ukrainer versuchten, buchstäblich alles zu verkaufen: von kugelsicheren Westen und Munition bis hin zu Maschinengewehren und tragbaren Flugabwehrraketen. Damit nimmt Shoigu die “Begründung” auf, mit der Russland auf auslaufenden Getreidefrachtern scharfe Kontrollen durchsetzt.
Für alle seine Aussagen fehlt die neutrale Bestätigung.
Warum 33 Feldhaubitzen?
Dass Shoigu ausgerechnet die Feldhaubitzen M777 aufgreift, hat Gründe:
  • Erstens erhielt die Ukraine bisher von keiner anderen Artilleriewaffe derart viele Systeme.
  • Zweitens handelt es sich unter den Feldhaubitzen weltweit um eines der gefürchteten Geschütze. Das britische Erzeugnis von BAE Land Systems reicht bis zu 70 Kilometer weit. Damit fällt es in Sachen Einsatzdistanz in die M142-HIMARS-Kategorie (was die kürzer einsetzbaren M142-Raketen betrifft).
  • Vor allem aber verschiesst die M777 die teure, GPS-gelenkte Granate M982 Excalibur und Geschosse mit dem raffinierten Kurskorrekturzünder M1156. Damit eignet sich auch die Feldhaubitze zur Zerschlagung russischer Ziele mit hoher Präzision (man denke nur an die punktgenauen Feuer auf Brücken an der Dnjepr-Mündung).

Anderseits ist und bleibt die M777 ein gezogenes Geschütz, wenn auch eines der Sonderklasse. Doch der Charkow-, Donbass- und Cherson-Krieg ist längst zum Kampf der Konterbatterien mutiert. Gezogene Rohre verlassen nach den ersten Salven die Stellung nicht so schnell wie Panzerhaubitzen. Das mag – neben der Tatsache, dass die USA schon mehr als 100 M777 lieferten – zur relativ hohen Zahl verlorener Geschütze beitragen, ohne dass sich Shoigus 33 Systeme verifizieren lassen.