Seuchen-Warnung – Wo war das BAG?

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Die Lektüre der Risiko-Analyse 2020 des BABS gemahnt mittlere und ältere Semester an grosse “Übungen” auf Stufe Armee:

  • Die Gesamtverteidigungsübungen GVU, die im Kalten Krieg jedes vierte Jahr alles versammelte, was in Armee, Politik und Wirtschaft Rang und Namen hatte.
  • Die letzten GVU, beides grandiose militärische “Manöver”, wurden von Divisionär Gustav Däniker gestaltet. Däniker, Dr. phil., ex Rgt Kdt und Stabschef Operative Schulung, erfand jeweils realistische Lagen und Szenarien, so 1988 den versuchten roten Durchmarsch entlang der Bodensee-Rhein-Achse.
  • Dann die Strategischen Führungsübungen SFU. Herausragend in jeder Hinsicht war 1997 “THE DAY AFTER” – ein einleuchtendes Szenarium, das die Rand Corporation mitgestaltet hatte. Vieles, was der Anlass vorausnahm, trat später ein – und scheint heute auch in der neuen BABS-Analyse auf.

Von 1984 an erlebte ich mehrere GVU und SFU bis tief in die 2000er-Jahre hautnah. Wenn ich die Unterlagen lese und die Erinnerung “strapaziere”, dann muss ich ehr- und redlich festhalten:

Vor Pandemien, vor dem B- und C-Krieg, vor Seuchen, Engpässen und Attacken aus dem Cyberspace wurde von 1992 an eindringlich gewarnt, am schärfsten 1997.

Zur Seuchengefahr füge ich zwei persönliche Erlebnisse ausserhalb der Armee-Übungen an:

  • In Fürigen tagte ein grosser Verbund internationaler Geschäftsfrauen. Thema: Bedrohungen der Zukunft. Auf dem Podium ein Basler Professor, der sozusagen die zivilen Gefahren vertrat. Als Nummer 1 aller Risiken hob er eine weltweite Seuche hervor – ob “natur- oder von Menschen gemacht”.
  • Sein eindringlicher Appell, gegen Pandemien vorzusorgen, stiess bei den Frauen auf Raunen – und Zustimmung. Nie vernahm ich hernach einen plastischeren, kompetenter Warnruf. Ende November 2020 mutet er aktueller an denn je.
  • Als Kdt Info Rgt 1 nahm ich an einem spannenden BABS-Rapport teil. Mein Sitznachbar, ein hoher Experte des Labor Spiezes, schilderte mir am Beispiel Genf–Lausanne einen B-Angriff auf die Schweiz. Zuerst hörte ich staunend zu.
  • Dann griff der Fachmann für  biologische Kampfstoffe zum Brillenetui: “Sehen Sie, mit dem Inhalt dieses Etuis kann ich den ganzen lemanischen Bogen vergiften – oder wenn Sie wollen, halb Tel Aviv.” Das leuchtete mir dann ein; nie vergass ich den klugen Sitznachbarn.

Wo war das BAG? Und wo die Kriegsvorsorge?

Zu den Armee-Anlässen ist ein Vorbehalt anzumerken: Je nach politischen Chefs – lies: Bundesräten – nahmen nicht immer alle Departemente teil, die hätten teilnehmen müssen. Eine Übung wurde gleich von zwei Dikasterien boykottiert. Welche beiden? Da schweigt des Sängers Höflichkeit. Die Chefin des einen Departements ist noch im Amt und wendet sich jetzt gern mit hohlen Aufrufen ans Volk (“Der Bundesrat denkt an euch. Der Bundesrat sorgt für euch”).

Dennoch: Vor Seuchen und Engpässen aller Art wurde seit dem Ende des Kalten Kriegs unzählige Male gewarnt; und zu allen Warnungen gab es Anträge zur Vorsorge. Darum sind die Fragen erlaubt:

  • Wo war das BAG, das Bundesamt für Gesundheit? Warum überraschte Corona das BAG derart heftig auf dem falschen Fuss? Weshalb operierte die alte BAG-Führung derart hilflos? Wieso verstrickten sich ihre Sprecher derart peinlich in Widersprüche und falsche Meldungen (“Die jungen Toten von Bern”).
  • Genau so das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), das Stabsorgan der wirtschaftlichen Vorsorge: Warum wurden die Grundstoffe für Desinfektionsmittel noch 2018 verkauft? Was zu Beginn der Phase I zu einem regelrechten Engpass führte? Weshalb sorgte das BWL nicht für einen Vorrat an brauchbaren Masken? Was dann – wiederum im BAG – zur absurden Behauptung führte, Masken schützten nur ungenügend.