BISS – Schwerer Heli für die Schweiz?

Standard

 

 

 

Gegenwart: Cougar der Schweizer Luftwaffe über der Axalp.

Zukunft 1: CH-53 King Stallion von Sikorski?

Zukunft 2: CH-47 von Boeing (Luftwaffe Italien).

 

  • In der Ausgabe 7/2021 von SkyHeli setzt der kundige Militäraviatiker Eugen Bürgler den Titel: “Grosses am Horizont.” Und sagt, was er damit meint: “Schweizer Luftwaffe prüft Einführung schwerer Transporthelikopter.” Das ist eine markante Meldung.
  • 1987 nahm unsere Luftwaffe den Super Puma in Dienst; fortan konnte sie 18 und nur fünf Passagiere wie die Alouette III transportieren. Die Nutzlast vervierfachte sich und betrug nun maximal vier Tonnen.
  • Wie Eugen Bürgler berichtet, haben die 15 AS332M1 Super Puma ihre Werterhaltung abgeschlossen. Die ersten als TH06 modernisierten Super Puma wurden 2012 für weitere zwei Jahrzehnte der Truppe übergeben.
  • Neun der zehn AS532UL Mk.I Cougar (erkennbar als an den Nimmern von T-330 an aufwärts) durchlaufen ihre Werterhaltung bis 2023. Nur beim VIP-Cougar T-331  wird auf das entsprechende Programm verzichtet.
  • Aber eines ist klar: Die insgesamt 27 Super Puma und Cougar sind mittlere Helikopter. Die Anschaffung schwerer Heli wäre demnach ein gewaltiger Schritt für die Schweiz und ihre Luftwaffe.

Kommentar

Man darf gespannt sein, wie sich das Projekt Grossheli in der Armee und der Politik entwickelt. In Erinnerung bleibt das Scheitern zweier Transportflugzeuge in den 2000er-Jahren. Das Vorhaben lag pfannenfertig vor, wurde dann aber im Parlament mit dem RP gebodigt. Die enttäuschten Verlierer – die damalige CVP und die FDP – sprachen von einer “unheiligen Allianz”. Die SP stimmte dagegen, weil sie grundsätzlich gegen teure Transportmaschinen war. Die SVP dagegen lehnte den Kredit ab, weil die Flugzeuge vor allem für den Einsatz im Ausland gedacht waren.

In Eugen Bürglers Text fällt eine Passage auf. In der Schweiz selber könnten “grosse Truppenteile und schweres Material über alle Hindernisse hinweg verschoben werden.” Insofern scheint man im VBS gelernt zu haben. Die Begründung für die sehr teure Anschaffung ist nicht mehr so einseitig auf das Ausland ausgerichtet wie seinerzeit die Legitimation für die beiden spanischen Flugzeuge. Auch für Katastrophen im eigenen Land nennt Bürgler mögliche Einsatzformen.

Erforderlich ist ein Blick auf die Zeitachse. Gemäss Divisionär Bernhard Müller beträgt der Zeithorizont für die Einführung 2030. Will heissen: Die Beschaffung fällt in die 2020er-Jahre – in eine Phase mithin, in der auch das Heer zwingend der Erneuerung. Die unsägliche “Friedensdividende” richtete bei den Bodentruppen Schäden an; diese müssen jetzt behoben werden, damit die Armee auf lange Sicht Volk und Land verteidigen kann. 

Sollte es für das Heer bei den knappen sieben Milliarden bleiben, die gegenwärtig im Raum stehen, wird es unweigerlich zu Verteilkämpfen innerhalb der terrestrischen Waffengattungen kommen. Wie liegt da das Projekt Schwerlastheli in der militärpolitischen Landschaft? Wenn wir Eugen Bürgler folgen, kämen sechs CH-47 oder CH-53 auf mindestens eine halbe Milliarde Franken zu stehen, wenn nicht deutlich mehr (denken wir auch an die Infrastruktur). Wie wäre das im RP 2027 mit den Ansprüchen des Heeres vereinbar?

Im langen und am Schluss hauchdünn erfolgreichen Ringen pro Kampfjet schloss die Armee die Reihen für die sechs Milliarden. Auch das Heer, dem in unserer Landesverteidigung nach wie vor eine zentrale Rolle zukommt, verhielt sich – völlig zu Recht – komplett loyal. Das war, sieht man den Pro-Saldo von gut 8’000 Stimmen an, dringend nötig. Es muss vermieden werden, dass in den kommenden Jahren ein Konflikt innerhalb der Armee aufbricht. as können wir uns politisch nicht mehr leisten.

Bleibt Bürglers Feststellung, in den nächsten Jahren kämen nur Boeing und Sikorski (das heisst: Lockheed Martin) in Frage > also wieder zwei Amerikaner! Nun behauptet ja PSG, die Ober-Super-Aviatik-Fachexpertin Priska Seiler Graf, mit dem Kauf amerikanischer Produkte werde die Schweiz total von den USA abhängig. Das Pentagon bestimme dann, wer unsere Waffen wo, wann, wie einsetze. Sollte der Bundesrat einen amerikanischen Jet wählen, dann droht die Linke mit einer Volksinitiative.

Letztere darf nicht überschätzt werden. Dennoch: Wenn wir die rot-grüne Drohung zu Ende denken, dann müsste ein Bundesrats- und Parlamentsbeschluss pro amerikanische Heli zum Referendum gegen das entsprechende RP führen. Denn auch bei ihm hätte die bösen Geister im Pentagon die Finger im Spiel. Gewiss ist das alles Humbug! Sollte sich die Anschaffung eines halben Dutzends Schwerlastheli aufdrängen, was abschliessend noch abzuklären ist, dann darf uns das fadenscheinige Anti-Amerika-Argument nicht davon abhalten.

Der Stuss von PSG zeigt nur, wie verlogen und bar jeder Sachkenntnis sie politisiert.

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Doch folgen wir nun den Gedanken von Eugen Bürgler.

Dreiflotten-Strategie

Laut Divisionär Bernhard Müller, dem Kommandanten der Luftwaffe, geht es um den Planungshorizont 2030. Für gewisse militärische und zivile Einsatzformen, so bei einem KKW-Störfall, im Ausland oder bei Evakuationen im Kampf brauche es eine andere Kategorie Helikopter als Super Puma und Cougar. Im Zentrum der Überlegungen stünde eine Dreiflotten-Strategie:

  • Grosshelikopter.
  • Mittlerer Transporthelikopter in der Super-Puma-Kategorie.
  • Leichter Schul- und Transporthelikopter, heute der EC635.

Verlegung grosser Truppenteile

Im Abschnitt über mögliche Einsatzformen nennt Eugen Bürgler spezifisch:

  • In der Schweiz Verschiebung grosser Truppenteile und schweren Materials über alle Hindernisse hinweg.
  • Katastrophen, wie grossflächige Waldbrände.
  • Fähigkeit zur taktischen Luftmobilität dank schwerer Transportheli.
  • Militärische Transporte in der Friedensförderung.
  • Suche und Rettung (CSAR, Combat Search and Rescue).
  • Heli mit starker Bewaffnung zum Selbstschutz.

Zwei Typen im Vordergrund

Zu den verfügbaren Typen hebt Eugen Bürgler zwei amerikanische Hersteller hervor:

  • Boeing mit dem CH-47F Chinook.
  • Sikorsky mit dem CH-53K King Stallion (Sikorsky ist Teil des texanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin, der jetzt mit dem F-35 im Rennen um den Kampfjet ist).

Beide amerikanischen Modelle erfüllen die Anforderung, wonach ein neuer Schwerlastheli mindestens fünf Tonnen tragen muss. Zum russischen Kamow Ka-32 merkt Bürgler an, das zivile Modell trage bis fünf Tonnen. Aber bei militärischen Einsätzen komme durch Schutzysteme, Panzerung und Bordschützen Gewicht hinzu. Und wer bei starker Hitze in grosser Höhe fliege, müsse eine Kapazität von deutlich über fünf Tonnen vorweisen. Weiter äussert Bürgler Zweifel an den Typen:

  • H225M von Airbus.
  • NH90 (Stichwort Bundeswehr und ihre Sorgen).
  • Mil Mi-38 von Russian Helicopters.
  • Mil Mi-26 (grösster Heli der Welt, Nutzlast 20 Tonnen, zu gross, taktisch kaum verwendbar).
  • AW101 von Leonardo.
  • S-64 Skycrane (Air Crane) von Erickson (zu alt).
  • Aus China: Z-8L (dem Mi-38 abgekupfert), AC313 (gleicht Frankreichs Super Frelon).

Dem Kauf von gebrauchten Helikoptern steht Eugen Bürgler skeptisch gegenüber. So resümiert er: “In den nächsten Jahren bleiben CH-47 Chinook und CH-53K King Stallion wohl die einzigen valablen Kandidaten.”

Sehr hohe Kosten

Dazu fährt Bürgler fort: “Günstig sind moderne Transporthelikopter in der Kategorie CH-47 und CH-53K nicht zu haben.” Die Kosten hingen stark von der Ausrüstung ab. Alles in allem “würden die Kosten pro Grosshelikopter wohl nicht allzu weit entfernt von denjenigen eines neuen Kampfflugzeuges liegen – also in der Grössenordnung von ganz grob 100 Millionen Franken.”

Die Bundeswehr müsse ihre rund 70 CH-53G Sea Stallion ersetzen und plane mit 44–60 neuen Helikoptern:

  • Dafür seien höchstens 5,6 Milliarden Euro vorgesehen.
  • Die Angebote für CH-47F und CH-53K “sollen jedoch bei rund 8 Milliarden Euro gelegen haben.”
  • Die Beschaffung wurde abgebrochen. Doch wolle Deutschland am Ersatz der alten Sea Stallion festhalten und prüfe nun Abstriche an der teuren eigenen Industriebeteiligung.

Hangare zu klein

Zur Schweiz fügt Bürgler an:

  • Chinook und King Stllion passten nicht in die vorhandene Infrastruktur der Luftwaffe.
  • Für die Hangarierung werde eine Torhöhe von mindestens sechs Metern vorausgesetzt, für den Unterhalt eine Lichthöhe von rund 11,5 Metern.
  • In Alpnach, dem “Mekka der Schweizer Heli-Flotte”, ist diese Infrastruktur nicht vorhanden.
  • Payerne sei nicht auf Fluggeräte der neuen Grössenordnung ausgerichtet.
  • Hingegen sei es gelungen, beim Bundesprojekt in Dübendorf Anpassungen zu machen, damit dort Helikopter der schweren Kategorie untergebracht werden könnten.

“Rund ein halbes Dutzend Maschinen”

Sollte das Projekt kommen, rechnet Eugen Bürgler mit “rund einem halben Dutzend Maschinen”. Gemäss VBS-Masterplan sei die Finanzierung schwerer Transportheli im Rüstungsprogramm (RP) 2027 enthalten. Demnach müsste die Evaluation 2025 erfolgen. Abschliessend vergleicht Bürgler die beiden möglichen Hauptkonkurrenten:

  • Maximalgewicht: CH-47 24’494 kg, CH-53 39’900 kg.
  • Maximale Aussenlast: CH-47 rund 12’000 kg, CH-53 16’000 kg.
  • Triebwerke: CH-47 2 x 4’777 Wellen-PS, CH-53 3 x 7’500 Wellen-PS.
  • Höhe: CH-47 5,68 Meter, CH-53 8,6 Meter.
  • Höchstgeschwindigkeit: CH-47 302 km/h, CH-53 315 km/h.
  • Beispiele für interne Beladung: CH-47 33–55 Sdt, 24 Bahren, 2 Gelände Fz; CH-53 34 Sdt auf crashresistenten Sitzen, 24 Bahren, 2 Gelände Fz.

Soweit der informative Bericht von Eugen Bürgler, Redaktor der Monatszeitschrift SkyNews.