Schwarz-weiss gestreift? blau-weiss? grün-weiss?

Standard

 

Blau-weiss: Fallschirmjäger.

Ein treuer, aufmerksamer Leser will wissen: Wie verhält sich das mit dem gestreiften Unterhemd der russischen Elitesoldaten? Er habe in seiner Bildsammlung schwarz-weiss, blau-weiss, grün-weiss – verwirrlich. In der Tat unterscheidet Russland sogar sieben verschiedene Farben, wobei nur schwarz-weiss, schwarzblau-weiss und blau-weiss Eliteverbänden zugeordnet werden.

  • Es geht um die Telnyashka, den Stolz Zehntausender Russen. Das waagrecht gestreifte Unterhemd stammt von der zaristischen Marine aus dem 19. Jahrhundert und wurde zuerst von der Roten, dann auch von der Russischen Armee direkt übernommen.

Schwarz-weiss: “Matrose” Putin.

  • Die Original-Telnyahska war ärmellos. Doch schon in der Marine von Zar Nikolai I. kam die Version mit langen Ärmeln auf. Die Eliteverbände tragen die Telnyashka unter dem Kampfanzug und in der Ausgangsuniform. Die russischen Streitkräfte umfassen Truppen, die zum Ausgangsanzug keine normalen Hemden und Krawatten kennen, nur die Telnysahka, ein Zeichen ihres Korpsgeistes.
  • Russische Soldaten stehen in der Hitze der Syrischen Wüste und der Kälte der Arktis im Einsatz. Dementsprechend passen die Verbände das Material des Unterhemdes an.

Blauweiss: Speznaz, wie oft bei Spezialkräften mit verpixelten Gesichtern.

Und nun zur Farbenlehre

Unterschieden werden die angestammten Elitetruppen und andere, neuere, an sich auch tüchtige Waffengattungen. Die drei Elitetraditionen sind:

  • Schwarz: Marine-Infanterie (vergleichbar mit den Royal Marines oder dem US Marine Corps.
  • Schwarzblau, sehr stark dunkelblau: Kriegmarine.
  • Blau: Luftlandetruppen inklusive Fallschirmjäger plus die Speznaz des Armeegeheimdienstes GRU (Spezialkräfte).

Vier andere Waffengattungen tragen ebenfalls die Telnyashka:

  • Grün: Grenztruppen.

Grün-weiss: die Grenztruppen an de 50’000 km langen Grenze.

  • Weinrot, bordeau: OMON, die Spezialkräfte der Polizei des Innenministeriums.
  • Rot: Commando-Truppen der Nationalgarde (Spezialkräfte).
  • Orange: Rettungsverbände (auch Katastrophenhilfe).

Rot-weiss: Commando-Einheiten der Nationalgarde.

Ein wenig Geschichte

Die Telnyashka wurzelt nicht in St. Petersburg oder Odessa, sondern in Bretagne. Die bretonischen Seeleute und Fischer trugen die gestreifte marinière, die von der französischen Marine übernommen wurde. Unter Frankreichs Matrosen hält sich die marinière bis heute.

Held der Sowjetunion: der Scharfschütze Rad Ayusheyev, 63. Division der Roten Marine-Infanterie.

Die zaristische Marine kopierte das bretonische Vorbild in schwarz-weiss. An Land kam die Telnyashka mit dem Zweiten Weltkrieg. Der Abwehr- und Eroberungskampf gegen Nazi-Deutschland war primär ein terrestrisches Ringen. Viele Verbände der Roten Flotte kämpften an Land. Sie brachten die Telnyashka mit, die von Stalins Fallschirmdivisionen in dunkelblau-weiss übernommen wurde. Dieser Tradition wieder schlossen sich im Laufe der Jahre die Spezialkräfte an.

1943: Einheitssanitäterin der Marine-Infanterie.

Wohl der berühmteste Russe, der je die Telnyashka trug, war der Scharfschütze Vassili Zaizev, welcher der Roten Pazifikflotte entstammte. Er tötete allein in der Schlacht von Stalingrad mehr als 200 Deutsche und beendete den Krieg im epischen Ringen um die Seelower Höhen. Den Übergang der Telnyashka von der Marine zu den Fallschirmjägern förderte Russlands berühmtester Fallschirmgeneral, Held der Sowjetunion.

Fallschirmjäger am 9.Mai 2019 an der Siegesparade.

Moskau 2018. Die Fallschirmtruppe kann auch anders. Generaloberst Andrei Serdyukov bei der Einweihung des Denkmals für Armeegeneral Vasili Margelov, Russlands berühmtesten Fallschirmjäger.

Aus dem Grossen Vaterländischen Krieg stammt nicht nur das Katyusha-Lied, sondern auch das Telnyashka-Lied, das die sowjetischen Marine-Infanteristen sangen, die an Land kämpften: “Wir sind klein an der Zahl, aber wir tragen die Telnyashka!”

Zu guter Letzt: Die russische Mode und, mehr oder weniger getreu, die Telnyashka.