Schon mehr als 200 Panzer abgeschossen?

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Echt oder gestellt? Gehen so azerische Aufklärer vor? Was nur tut der Mann mit Mütze rechts im Hintergrund?

  • Im Karabach-Krieg dauern die Kampfhandlungen auch am 1. Oktober 2020 mit unverminderter Härte an. Aserbeidschan meldet auch am fünften Kriegstag Geländegewinne und armenische Verluste. Armenien stellt die azerischen Erfolgsmeldungen heftig in Abrede.
  • Eine erbitterte Schlacht wird um den Lachin-Korridor gemeldet. Die schmale Passage verbindet  Armeniens Kernland mit der Exklave Berg-Karabach. Terrestrisch führt die armenische Logistik durch den Engpass, den die Verteidiger offenbar verzweifelt offenhalten. Die azerischen Angreifer suchen die Passage zu schliessen. Gelänge ihnen das, müssten die Armenier eine neue Passage öffnen oder ihre Truppe über den Luftweg versorgen. Der Verbündete Russland betreibt einen ausgebauten Luftwaffen-Stützpunkt. Die armenisch-russischen Versorgungslager in Nagorno Karabach sind gut gefüllt.

Dunkelbraun Berg-Karabach, umgeben vom Gebiet, das Armenien zusätzlich beansprucht. Westlich an der schmalsten Stelle der Lachin-Korridor.

Aserbeidschan im Propaganda-Modus

Nach der armenischen Propaganda-Offensive nach Aserbeidschans militärischem Angriff setzt nun auch der azerische Generalstab voll auf den Kampf “um Köpfe und Herzen”. Das dreifache Ziel wird gut erkennbar:

  • Motivation der eigenen Truppe; Verängstigung des Feindes.
  • Schüren der Kriegsbegeisterung im eigenen Volk; Versuch, gegnerische Bevölkerung zu demotivieren, vornehmlich in Berg-Karabach.

Klassisches Sujet: Trauer in Baku.

  • Ringen um die Weltöffentlichkeit, in diesem Fall speziell Russland und die Türkei.

Empfindliche armenische Verluste?

Schwer einzustufen ist die neueste Nachricht aus Baku, wonach Aserbeidschan den Armeniern enorme Verluste beigebracht habe. Wie jeden Tag werden gegnerische Gefallene im dreistelligen Bereich gemeldet. Lang mutet die Liste der zerstörten feindlichen Waffen an; der azerische Generalstab nannte früh die Ausschaltung des armenischen Waffenpotentials als operatives Ziel – neben der Rückeroberung der Provinz Nagorno Karabach. Am Abend des fünften Kriegstags, per 1. Oktober 2020, 17.02 Uhr, will Aserbeidschan zerstört haben:

Vollends seltsam kommt die Meldung zur Zerstörung eines Flab-Systems S-300 daher. Armenien weist weder im Kernland noch in Berg-Karabach ein solches System aus. Einzig Russland stationiert in Nagorno Karabach zwei voll ausgerüstete, einsatzbereite Batterien S300V der Rüstungsschmiede Almaz-Antey (Sa-10 Grumble), nicht ganz so stark wie die System S-400 und S-500, aber doch eine gefürchtete Waffe. Das wirft Fragen auf:

  • Lügt Baku? Oder schoss Aserbeidschan in der Tat eine S-300-Stellung ab?
  • Erhielt Aerbeidschan kurzfristig S-300-Batterien?
  • Oder überstellte die russische Garnison in Berg-Karabach dem Verbündeten eine seiner Batterien?

Wohl definitiv azerische Propaganda – immerhin fast das Beret der russ. Paras, aber ohne deren blau-weisses Shirt.