Scharfschützen – die Elite für sich

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Die neue russ. Waffe ORSIS T-5000 (Werkbilder).

Die neue deutsche Waffe DSR-50.

Die finnische Waffe Sako, erprobt auch in der Schweizer Armee.

Im Ersten Weltkrieg setzten die Parteien an der Westfront Scharfschützen ein, um die erstarrten Fronten zu bewegen. Seither gehören Snipers, so das engl. Wort, in vielen Armeen zur Elite.

Legendär wurden 1942/1943 in Stalingrad der sibirische Wildhütersohn Wassili Saizew und sein deutscher Gegenspieler Major Erwin König, dessen Existenz indessen bezweifelt wird, so vom Autor Kellerhoff, der vermutet, mehrere Schützen hätten versucht, Saizew auszuschalten – ohne Erfolg.

Wassili Saizew, Held auch der russ. Propaganda (Archivbilder).

Major Erwin König – gab es den dt. Helden wirklich?

Frauen der Roten Armee. Klavdiya Kalugina und Roza Shanina mit Gewehr 1891/30 Mosin Nagant.

Forsyths Sniper-Profil

Folgen wir dem britischen ex-Agenten und Thriller-Autor Forsyth, in dessen neuem Roman The Fox ein russischer Speznaz-Meisterschütze eine gefährliche Rolle spielt.

Das legendäre Dragunow-Gewehr – von Kalaschnikow (Werkbild).

Forsyth: Lange basierten die erfolgreichen russ. Scharfschützen auf dem Dragunov- und dem Nagant-Gewehr. Der Sniper dagegen, der den Fox töten sollte, wurde mit einem ORSIS T-5000 nach Schottland eingeschleust.

1200-Schmidt&Bender-3-27×56 (Werkbild).

Das T-5000 verfügt über das DH5-20×56-Zielfernrohr. Laut Forsyth erlaubt es dieses Fernrohr dem Schützen, Ziele zu erkennen und zu treffen, die er mit blossem Auge gar nicht mehr sieht.

Als der Speznaz beim Schloss ankam, in dem der Fox sass, erkundete er zuerst präzis Distanzen, Schusswinkel und freie Schussbahnen (auf den Südflügel). Er entdeckte einen Gegenhügel rund 1000 Meter vom Anwesen entfernt.

Rechts die .338-Lapua-Magnum-Patrone (Werkbild).

Die .338-Lapua-Magnum-Patrone zerschmettert den menschlichen Schädel auf 2000 Metern Entfernung. Der Speznaz überprüfte namentlich auch den Wind – im Tal herrschte Windstille, ideal für die Distanz von etwa 1000 Metern.

“Listig wie ein Tier in freier Wildbahn”

Nun schildert Forsyth eine zentrale Anforderung im Sniper-Profil. Er muss lange verborgen im Freien leben können und Geduld haben, bis das Ziel auftaucht. Der Speznaz trägt den Tarnanzug, sogar das Gewehr steckt in einer Flecktarn-Hülle, das Kampfmesser am Oberschenkel in einer getarnten Scheide. Im Rucksack verborgen sind der Proviant, das Wasser und ein Werkzeug. Reservemunition steckt im Kampfanzug.

Dieser weist Schlaufen auf, in denen der Schütze Laub befestigt. Der Speznaz verschob sich “listig wie ein Tier in freier Wildbahn” in die ideale Schussposition.

Präzise Zielzuweisung

Werkbild vom Accuracy International AX50.

Auch der Gegner des Speznaz, Captain Williams vom Special Air Service Regiment, ist glänzend ausgerüstet. Er richtet sich mit seinem Accuracy International AX50 im Südflügel des Schlosses ein.

Sein Gewehr ist mit dem Schmidt&Bender-3-27×56 PM-II-High-Power-Zielfernrohr ausgerüstet.


1200-Schmidt&Bender-3-27×56 (Werkbild).

Am Abend spürt Williams im Dorfpub den Army-Veteranen und Wildhüter Mackie auf, den am folgenden frühen Morgen ein Rehkitz auf die Spur des Speznaz führt. Dieser lag bewegungslos in seinem Nest, komplett bedeckt mit Zweigen. Den Kolben seines ORSIS hatte er an die Schulter gepresst, alles Metall war mit Segeltuch umhüllt. Er rührte keinen Muskel – das hatte ihn in den Büschen von Donezk und Luhansk in der Ost-Ukraine am Leben erhalten.

Aber dann richtete er seine Waffe auf das Schloss – fast unsichtbar, aber nur fast. Mackies geschultes Auge bemerkte, wie sich ein paar wenige Zweige verschoben. Er schlich weg und alarmierte Williams präziser Zielzuweisung.

Mackie: “Weisser Felsen”. Williams: “Hab ich”. Mackie: “3 Meter höher, 15 Meter nach links, Segeltuchhülle, Laub.”

Williams entdeckt Segeltuch, ein Glas, eine Kapuze. Sein .50-Projektil legt die genau ausgemessene Distanz bei Windstille in drei Sekunden zurück. Der Rest sei nicht verraten. Die Erzählkunst des Altmeisters Forsyth lehrt uns, was Scharfschützen können müssen – und wie sich gegenseitig ausschalten.

Späher + Scharfschütze

So weit, so gut. Zu ergänzen ist, dass in modernen Armeen Scharfschützen in aller Regel zu zweit vorgehen, wie es das folgende Bild zeigt, dass die NATO von zwei Italienern im Süden von Afghanistan freigab:

Links der Späher, rechts der Scharfschütze (NATO).

Die Aufnahme zeigt im Heli links den Späher, rechts in sitzender Position den Sniper. Das ergibt heutzutage das erfolgreiche Team: Späher + Scharfschütze. Beide tragen gleichermassen zu Treffern bei: Der Späher beobachtet den Gegner und ermittelt kompetent die Schiesselemente. Der Sniper verlässt sich auf sein Auge, seine ruhige Hand und die Erfahrung.

In windigen Landstrichen, auf schwierigem Terrain, unter Zeitdruck und in gefährlichen Gefechtslagen wird vom Späher ein voller “Rucksack” an geometrischem und mathematischem Wissen und Können verlangt. Er ist es, der dem Schützen Distanzen, Schusswinkel und Korrekturen zuraunt. Gerade, wenn sich der Gegner verschiebt, ist der Scharfschütze auf die genauen Korrekturen seines Kameraden angewiesen.

Sniper-Team: Späher + Scharfschütze (BW).

Kopf oder Körpermitte

Armeen setzen Scharfschützen auf Personen und harte Ziele ein. Wenn sie menschlichen Gegner bekämpfen, wählen Sniper + Späher vorzugsweise zwei Zielzonen aus:

  • Entweder den Kopf
  • Oder die Körpermitte, das Zentrum der sog. “lethalen Zone.

In aller Regel schalten sie den Gegner, oft auch Offiziere, die sich nicht unauffällig genug, möglichst noch ohne Gewehr, durchs Gelände verschieben, durch Kopf- oder Körpertreffer – oder wie bei Forsyth den ganz gefährlichen Feind, den gegnerischen Sniper.

Lange Ausbildung

Aus all dem geht hervor, dass sich Scharfschützen + Späher zuerst in einer harten Selektion qualifizieren müssen und dann eine lange, anforderungsreiche Ausbildung zu bestehen haben.

Zum Schluss folgt nochmals ein “Bild” von Saizew, in der Frühzeit, aus taktischen Gründen noch “kopflos”. Später zeigte in die Propaganda ganz (siehe oben).

Saizew, ohne Kopf, mit robuster Waffe und robustem Fernrohr (Archivbild).

 

Siehe auch >

Der Experte zu den Scharfschützen