Schäbig, einfach schäbig

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Am 1. Mai 2020 verbreitete sich die Kunde vom Tod des Korpskommandanten Christophe Keckeis wie ein Lauffeuer durch die Schweiz. Christoph Keckeis war ein markanter Schweizer – der Mann, der mit eisernem Willen die einschneidendste Reform in der Armeegeschichte umsetzte: den Übergang von der A 95 zur A XXI – kein Stein blieb am 1. Januar 2004 auf dem anderen.

Die NZZ brachte aus der Feder des guten Kameraden KKdt Markux Gygax einen würdigen, bewegenden Nachruf. Die Tageszeitungen verbreiteten die triste Kunde aus der Suisse romande am 9. Mai – nur ein bedeutender Presseblock schwieg hartnäckig: Wanners ch.media erwähnten den Tod des ersten Armeechefs mit keiner gedruckten Zeile – den Verlust des Offiziers, den viele mit Paul Gygli, Jörg Zumstein, Roger Mabillard und André Blattmann der Reihe der grossen Korpskommandanten seit 1945 zuordnen.

Im Mittelland schrieb ein beherzter Leser die ch.media an: Das Unterdrücken der Todesmeldung sei unverzeihlich und schäbig. Was erhielt der mutige Mann zur Antwort? Die ch.media beschieden ihn allen Ernstes mit der Ausrede, für die Printausgabe am Samstag sei es zu knapp und am Montag zu spät gewesen …

Der Leser merkt an: “Unglaublich, aber wahr. Dafür jeden Tag eine oder zwei grossformatige Fotos der Bundesräte Sommaruga und Berset, letzterer neuerdings als Pendant zu General Guisan … Dafür ist es nie zu spät.”