Russlands 127. Mot-Schützen-Brigade in Armenien

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Parade der 127. Mot-Schützen-Brigade in Armenien.

  • Die angelsächsische und französische Militärfachpresse schildert das Dilemma, das der Karabach-Krieg dem russischen Präsidenten Putin beschert: Soll er dem bedrängten armenischen Verbündeten militärisch zu Hilfe eilen? Oder liegt die Weisheit doch eher in einer zurückhaltenden Politik ohne bewaffnetes Eingreifen?
  • Am 6. Oktober 2020, nach knapp anderthalb Kriegswochen, hielt Putin die 127. Mot-Schützen-Brigade weiterhin zurück. Diese befindet sich auf dem russischen Militärstützpunkt Nr. 102 Gjumri, Armenien.
  • Russlands Dilemma würde dann akut, wenn Aserbeidschan die armenischen Verteidiger in Karabach stark in die Defensive drängte, ja die Exklave Nagorno Karabach in ihrer territorialen Existenz gefährdete – oder die materiell unterlegenen Armenier militärisch zerschlüge.

Putins Dilemma

Für den Fall einer drohenden armenischen Niederlage lässt sich Putins Dilemma zusammenfassen:

  • Greift er nicht ein, kommt er den Armenieren nicht zu Hilfe, verliert er Prestige, büsst er den Ruf des zuverlässigen Verbündeten und mächtigen Schutzpatrons ein.
  • Setzt er zur militärischen Rettung der “Schutzbefohlenen” an, riskiert er nach Syrien und Libyen eine dritte Front mit der permanent aufrüstenden Regionalmacht Türkei, mit dessen Diktator Erdogan ihn ein ambivalentes Verhältnis verbindet: Einerseits verkaufte er ihm das redoutable S-400-Flab-System, und er hofft, ihm nach Amerikas F-35 auch den Super-Stealth-Jet Suchoi-57 zu liefern. Anderseits stehen sich Russen und Türken an der syrischen und libyischen Front feindlich gegenüber.
  • Dazu ist fraglich, ob sich Russlands Herrscher zusätzlich zu den Nawalny- und Lukaschenko-Konflikten an einer weiteren Front mehr als verbal engagieren will. Der Karabach-Krieg kommt für ihn zur Unzeit.

Das Schild markiert den Zugang zum Stützpunkt Nr. 102 der russischen Armee.

Starke Garnison in Gjumri

Die russische Garnison im armenischen Gjumri besteht heeresseitig aus der 127. Mot-Schützen-Brigade, die im Wesentlichen umfasst:

  • 107., 124., 128., 146. Mot-Schützen-Rgt;
  • 120. Pz Rgt;
  • 992. Art Rgt;
  • 988. Flab-Raketen-Rgt.

Die russische Luftwaffe operiert in Gjumri ihren 3624. Luftstützpunkt, welcher der 4. russischen Luftarmee in Rostov-on-Don untersteht. Armenien gewährt den russischen Streitkräften über sein Gebiet freie Passage, sei es zu Lande oder in der Luft.