Russland: Riesiges U-Boot-Manöver

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Norwegens Geheimdienst: Von der Barentssee drangen zwischen Nordnorwegen und Svalbard russ. U-Boote ins Nordmeer vor (Gov).

Widersprüchliche Meldungen vom Europäischen Nordmeer nordöstlich von Norwegen über russische U-Boot-Manöver verwirren die Strategen:

  • Via das staatliche Fernsehen NRK meldet der norwegische Militärgeheimdienst das Vordringen von acht russischen Nuklear- und zwei Diesel-U-Booten von der Barentssee ins Nordmeer.
  • Deutsche Quellen melden sogar zwölf oder sechzehn Boote.
  • Die russische Nordflotte dagegen bestätigt nur Tiefwasserversuche der beiden Titan-Nuklear-U-Boote B-534 Nishny Novgorod und B-336 Pskov.
  • Gleichzeitig schoss das neue Nuklear-U-Boot K-549 Knyaz Vladimir aus dem geschützten Weissen Meer eine Bulawa-Interkontinental-Rakete über mehrere 1000 km auf das Kura-Testgelände auf der Halbinsel Kamtschatka im Pazifik.
  • Laut russischen Quellen hat das eine (der Tiefwasserversuch) jedoch nichts mit dem anderen (mit dem Raketenabschuss) zu tun.

Die Halbinsel Kola, das geschützte Weisse Meer und die offene Barentssee.

Was ist gesichert?

Bei B-534 und B-336 handelt es sich um moderne, gründlich überholte Titan-U-Boote, deren Stützpunkt sich bei Vidyayevo in der Region der strategischen Halbinsel Kola liegt. Es wird angenommen, dass sie rund 500 Meter tief tauchen.  In den Gewässern rund um ihre Basis können sie nicht derart tief tauchen > darum die gemeldeten Versuche im offenen Meer.

B-534 und B-336 gehören zur Condor-Klasse und sind in der NATO als “SIERRA-II” klassifiziert. Ihre Besatzungen sind gewohnt, lange Tauchfahrten zu bestehen. Die beiden Boote sollen Kalibr-Cruise-Missiles einsetzen, die russische Antwort auf die US Tomahawks. Im Syrienkrieg feuerte Russland Kalibr-Geschosse von Überwasserschiffen im Kaspischen Meer und von einem U-Boot im Mittelmeer ab (taktisch nicht unbedingt nötig, aber eine Machtdemonstration an die USA: Wir können das auch).

Andere westliche Nachrichtendienste bestätigen den Bericht des norwegischen Geheimdienstes, wonach die russische Nordflotte östlich von Norwegen das umfangreichste U-Boot-Manöver seit dem Kalten Krieg gestartet hat. Insofern ist an der Alarmmeldung der Norweger nicht zu zweifeln. Das Manöver soll zwei Monate dauern.

Laut dem norwegischen Armeesprecher Brynjar Stordal überwacht die NATO aus der Luft, zur See und zu Lande das russische Manöver. Das russische Ziel sei strategisch der Vorstoss in den Atlantik und technisch-taktisch die Taucherprobung in tiefen Gewässern.

“The Barents Observer” berichtet

Einen detaillierten Bericht gibt der Beobachter Thomas Nilsen im in aller Regel zuverlässigen norwegischen Bulletin “The Barent Sea Observer”.

Vizeadmiral Aleksandr Moiseyev, Befehlshaber Nordflotte, und GSC Admiral Haakon Bruun-Hanssen in Kirkenes am 25. Oktober 2019 (Barents Observer).

  • Das Manöverziel sei es, möglichst weit in den Nordatlantik vorzudringen, ohne von der NATO entdeckt zu werden. Nie seit 1989 sei das auf so breiter Front versucht worden. Es gehe auch um die Passage zwischen Grönland (Dänemark) und Island (beides NATO-Mitglieder).
  • Die Operation habe Mitte Oktober 2019 begonnen, noch bevor Aussenminister Sergej Lavrov und Vizeadmiral Aleksandr Moiseyev die norwegische Stadt Kirkenes 75 Jahre nach deren Befreiung von den Nazis besuchten und Moiseyev mit dem norwegischen Generalstabschef Bruun-Hanssen Gespräche führte.
  • “The Barents Observer” berichtete als erste Instanz vom Vordringen der Pskov und der Nizhny Novogorod ins Europäische Nordmeer.
  • Zwei Atom-U-Boote überwachen den Abschnitt westlich der Bäreninsel, die zwischen Nordnorwegen (Finnmark) und Svalbard liegt.
  • Zwei Atom-U-Boote überwachen den Abschnitt überwachen den Abschnitt südöstlich der Bäreninsel, der den Eingang zur Barentssee beherrscht.
  • Andere russische U-Boote trainieren im Nordabschnitt des Europäischen Nordmeers.

Raketen-Abschuss vom U-Boot Karelia

Weiter informiert “The Barents Observer”:

  • Am 17. Oktober 2019 erfolgte vom Delta-IV-Klasse-U-Boot Karelia aus der Abschuss einer ballistischen Rakete. Das Boot befand sich in der Barentssee.
  • Patrouillenfahrten der russischen U-Boote in der östlichen Barentsee oder unter der arktischen Eiskappe gehören zu den Routinepflichten der Nordflotte.
  • Die lange Manöverdauer – 60 Tage – ist so angelegt, dass die russischen Seefahrer rechtzeitig zum Neujahr und zur orthodoxen Weihnacht zurück sind.

Ende Oktober 2019: Delta-IV-U-Boot in der Barentsee (TASS).