Putins geheime, effiziente Söldner-Armee

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Gruppenbild mit Präsident Putin (Mitte) und Oberst Dmitri Utkin (ganz rechts, gross gewachsen).

Armee Wagner im Donbass, beim ersten Fronteinsatz im scharfen Schuss.

An brisanten Fronten setzen Grossmächte Söldner ein. Söldner lassen sich verleugnen, Söldner sterben anonym, Söldner erscheinen in keiner Gefallenen-Statistik, Söldner belasten amtlich kein Budget und keine Rechnung.

Siehe auch > In Putins Sold – das Dutzend auf vier Kontinenten

Wladimir Putins berüchtigte, effiziente Söldner-Truppe ist die Armee Wagner. Sie kooperiert eng mit dem GRU, dem Geheimdienst der russischen Streitkräfte. Ihr Gründer war 2014 der Speznaz-Oberst Dmitry Utkin, ein Vertrauter des Präsidenten. Die Speznaz unterstehen als Spezialkraft dem GRU. Ein offizielles Bild mit Putin zeigt Utkin, wie er in Zivil vier Tapferkeitsorden trägt.

Der Speznaz-Oberst Dmitri Utkin.

Utkin trug als Speznaz einen nom de guerre, einen Code, einen Kampfnamen: “Wagner”, in Anspielung auf den deutschen Komponisten. Er übertrug seinen Decknamen auf die Söldner-Armee, die seither mit dem Schöpfer des Rings, der Meistersinger, des fliegenden Holländers und anderer Meisterwerke verbunden ist (ob das Richard Wagner gefallen würde – werden wir nie wissen).

Ohne Sold keine Söldner

Utkin bezahlte seine Söldner von Anfang an gut. Während der strengen Selektion und Grundausbildung erhalten die Anwärter 1’400 $ im Monat. Aus Syrien kommen Reportagen, wonach der monatliche Sold für Frontkämpfer 4’300 $ erreichen soll. Das ist, verglichen auch mit amerikanischen Kriegsfirmen, ein beachtliches Entgelt für das spartanische Leben im Felde und den steten Kampf auf Leben und Tod.

Söldner der Armee Wagner in Syrien. Rechts ganz “offiziell” die russische Fahne.

Yevgeni Prigoshin, “Putins Koch”.

In der Person des steinreichen Catering-Unternehmers Yevgeni Prigoshin fand Utkin seinen Financier. Prigoshin trägt eine Rekordzahl von Spitznamen: “Putins Koch”, “Putins Kellner”, aber auch “Putins Pudel”. Er entstammt derselben St.Petersburger Schicht, die auch Putins Werdegang prägt. Dank ihm und seinen Hintermännern sind in der Armee Wagner die monatlichen Soldzahlungen gesichert.

Zum GRU und zum Kreml unterhält Prigoshin enge Verbindung. Die Armee Wagner rekrutiert ihre Krieger sorgfältig. Sie nimmt nicht jeden auf. Gute Chancen haben ehemalige Fallschirmjäger und Spezialkräfte, namentlich Speznaz. Diese stellen auch Offiziere und Unteroffiziere, erstere als Kommandanten und in der Stabsarbeit, welche die Wagner-Armee gut beherrscht. Yevgeni Prigoshin sorgt für angemessenen Sold.

Hoher Besuch bei Yevgeni Prigoshin (rechts). Putin (Mitte, dunkle Jacke) mit Honoratioren von St. Petersburg.

Erster Einsatz: Krim und Donbass 2014

Schon im Gründungsjahr gelangte die Armee Wagner zu ihrem Einsatz. Ohne Grad-, Funktions- und Hoheitsabzeichen half sie in der Nacht zum 1. März 2014 dem federführenden GRU und den Speznaz bei der lautlosen Besetzung der Halbinsel Krim.

Es fiel kein Schuss – eine “hyride” Meisterleistung im Zeichen der Gerassimow-Doktrin. Dann bestand die Söldner-Armee als Verband die Feuertaufe im ostukrainischen Donbass. Für viele ihrer kriegserprobter Kämpfer war dies jedoch nicht ihr erstes Engagement im scharfen Schuss. Sie trugen wesentlich dazu bei, dass die prorussischen Separatisten die Provinzen Donesk und Luhansk mit deren Kohle- und Eisenerz-Vorkommen in Besitz nehmen konnten.

Panzer-Soldaten und -Grenadiere der Wagner-Armee, rekrutiert aus dem russischen Panzerkorps.

Finanziell auf Rosen gebettet, wuchs die Gruppe Wagner rasch zu einer stark bewaffneten, straff geführten Söldner-Armee mit schweren Waffen heran. Im Kern versteht sie sich als Eliteformation mit vorzüglichen Spezial- und Infanteriekräften.

Längst setzt sie indes auch Kampf- und Schützenpanzer, Panzerartillerie und Mörser, moderne Flab-Geschütze und ausgesuchte EKF-Einheiten ein. In Syrien stellt sie sozusagen den russischen Kampfverband Boden, während in der Luft Putins Suchoi-24, -25 und -34-Piloten den Kriegsverbrecher Asad ganz offiziell “retten”.

Libyen: Vorstoss bis Tripolis

Wagner-Söldner an der Libyen-Front – im kommoden Wüsten-Tenu (so wie der russische Generalstab die Syrien-Korps mit dem leichten Wüsten-Anzug ausrüstet).

Im libyschen Bürgerkrieg bat General Khalifa Hafter die russischen Streitkräfte früh um Soldaten und schwere Waffen. So weit wollte Putin aber nicht gehen. Sein “Koch” Prigoshin vermittelte Haftar hernach ein Gespräch mit Verteidigungsminister Shoigu.

Von 2018 an verstärkte die Armee Wagner Haftars Nationalarmee in Regimentsstärke, mit Panzern, Artillerie und Flab. Haftar stiess in die Aussenquartiere der Hauptstadt Tripolis vor, wo die Regierungsarmee ihn und die Wagner-Söldner zurückschlug. Zum deren derzeitigem Bestand streiten die Gelehrten. In jedem Fall bauten sie für Haftar bei der strategischen Erdöl-Hafenstadt Misrata mit Geniekräften eine 70 Kilometer lange, starke Befestigung.

Die Wagner-Armee ist bei weitem nicht die einzige Söldnertruppe in Putins Diensten. Rund ein Dutzend “schwarze” (inoffizielle) Gruppierungen kämpfen im Auftrag des Armee-, des Ausland- und auch des Inland-Geheimdienstes. Ihre Fronten erstrecken sich über vier Kontinente!