Putin verlängert Belorus-Manöver!

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Panzer, so weit das Auge reicht. T-72 führen den Angriff an, gefolgt von Schützenpanzern.

Kampfhelikopter unterstützen den Panzerangriff im Luft-Boden-Einsatz (close air support, CAS).

Eben noch führte Präsident Putin seinem weissrussischen Vasallen Lukashenko selbstverständlich erfolgreiche Tests mit Nuklearraketen vor; und schon verlängert er, mit Lukashenkos Einverständnis, das Grossmanöver auf belorussischem Terrain.

Für den Hausgebrauch, gewiss aber auch für die Drohkulisse an Kiew und den Westen führt Putins Staatspropaganda ein phantastisches Manöverspektakel vor. Exakt wie vorgesehen, mündet das Manöver in eine Panzeroffensive mit zahlreichen T-72 in Front und, wie es die Doktrin vorschreibt, vielen Schützenpanzern im Gefolge.

Wenn man auf bewegten Bildern und Standfotos nur schon die Kampfpanzer zählt, kommt man für den Bildausschnitt, den wir vorgesetzt bekommen, knapp auf einen Bataillonsangriff. Die Schützenpanzer gehören zwingend hinzu; wie auch die Ka-52- und Mi-24-Kampfhelikopter über dem terrestrischen Vorstoss. Elitesoldaten landen mit Mi-8-Transporthelis und stürzen sich sofort ins Gefecht.

Am verhangenen weissrussischen Himmel demonstrieren Su-34-Jagdbomber und der klassische Mittelstreckenbomber Tu-22, was die schwächere, ältere Luftwaffe der Ukraine zu erwarten hat: Die russischen Piloten sollen die Luftüberlegenheit erringen, das Gefechtsfeld beherrschen und so den Kampf der verbundenen Waffen, ein altes sowjetisches Desiderat, gegen Kiew vollenden.

Putin rückte bei seiner Kreml-Schau mit Lukashenko zuerst die gefürchtete 500-Kilometer-Rakete Iskander in den Focus. Die Videoschau setzte mit dem Iskander-Abschuss aus dem Meer ein und führte, wie könnte es anders sein, zum Volltreffer im eng bemessenen Ziel. Etwas leichter hatte es der MiG-31K-Pilot, der irgendwo über Russland die Wunderwaffe Kinshal abfeuerte. Die Hyperschallrakete, die Mach 10 erzielen soll, traf ihr Ziel, eine Häuserfassade, aus grosser Distanz.

Beide Waffen, die Iskander und der Kinsahl (Dolch) tragen konventionelle oder atomare Sprengköpfe ins Ziel. Der Dolch ist auf eine Reichweite von 2’000 Kilometern angelegt; der MiG-31K wurde speziell für das Hyperschallgeschoss kawestiert. Iskander-Batterien stehen seit längerer Zeit in Lukashenkos Nachbarschaft: in der russischen Exklave Kaliningrad. Etwa die Hälfte der insgesamt vorhandenen zehn Kinshal wurden soeben im Raum der früheren Preussenstadt Königsberg stationiert.

Wie erwartet ziehen die Russen ihr Manöver im scharfen Schuss durch. Ihre Erfahrung lautet: Nur wer im Manöver scharf schiesst und trifft, bewährt sich im Krieg.