Polen profitiert – und wie!

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Noch immer klammern sich deutsche Politiker an die Hoffnung: Die USA machen es mit dem Abzug von nahezu 10’000 Soldaten nicht ernst. Meldungen aus Polen sprechen eine andere Sprache:

  • Poznan (das alte Posen, im geografischen Mittelpunkt Polens, Sitz der ältesten Diözese): Bau eines vorgeschobenen Hauptquartier für einen Grossen Verband in Divisionsstärke.
  • Powdiz: Stationierung einer Luftwaffenbrigade.
  • Lask: Neuer Standort einer Kampfdrohnenstaffel der Air Force.
  • Wrocław-Strachowice: Luftstützpunkt für Luftlande- und Lufttransporttruppen (Wrocław ist Breslau an der Oder, die Hauptstadt von Schlesien, bis 1945 deutsch, seither polnisch).
  •  Drawsko Pomorskie: Waffenplatz, Gefechtsausbildung schwergewichtig für Heerestruppen, Standort grosser NATO-Manöver im Sommer 2020, namentlich “ALLIED SPIRIT” mit 4’000 Amerikanern und 2’000 Polen im Zeichen von “DEFENDER EUROPE 20 PLUS”.

Polen und Amerikaner im scharfen Schuss.

Wie hat sich Polen diesen Segen verdient?

  • Die Polen selber betrachten die USA aus historischer Erfahrung als ihre einzige Schutzmacht gegen das übermächtige Russland. Zu den europäischen NATO-Partnern haben sie wenig Vertrauen. Dazu sind die amerikanischen Streitkräfte die einzigen, die in der Abwehr Russlands militärisch etws zu bieten haben.
  • Polen gibt, wie von Präsident Trump verlangt und am NATO-Gipfel beschlossen, 2% BIP für das Militär aus. Deutschland nicht (1,1%, aufgeschoben sind die 2% in die 2030er-Jahre).
  • Die polnische Armee stellte den USA im Jahr 2003 beim Irak-Feldzug gegen Saddam Hussein zusammen mit Grossbritannien und Australien Kampftruppen. Die Polen entsandte die GROM-Spezialkräfte, die ihren Auftrag in der Zone H4 bestens erfüllten.
  • Polen rüstet gewaltig auf. Die Streitkräfte ersetzen ihr altes sowjetisches Material aus dem Kalten Krieg Schritt für Schritt mit modernen Waffen. Sie kaufen ganz vorrangig in den Vereinigten Staaten ein, die ihnen umgekehrt finanzielle Militärhilfe leisten.
  • Die Elite der jungen polnischen Hauptleute wird in den USA ausgebildet – in aller Regel dauern ihre Lehrgänge dort zwei Jahre. Sie kehren mit guten Kenntnissen der englischen Sprache und der (amerikanischen) NATO-Doktrin zurück und machen in Polen Laufbahn.

Polens geostrategische Position

Die topographische Karte belegt Polens geostrategische Stellung 

  • Im Norden begrenzt die Ostsee Polens Territorium, im Süden sind es in der Slowakei die Karpaten und in Tschechien das Erz-, das Riesen- und das Adlergebirge. Zur deutschen Grenze, zur Oder hin, verengt sich das Panzerrollgelände von Weissrussland her gegen Westen. Die überragende geostrategische Bedeutung Polens wird in der Militärliteratur gründlich beschrieben.
  • Bis 1989 bildete Polen geografisch das Bindeglied zwischen der Sowjetunion im Osten und der DDR als vorgeschobenem Posten des Warschau-Paktes gegen die NATO. Dann expandierte der Nordatlantikpakt bis zur weissrussisch-ukrainischen Grenze – laut Präsident Putin “Russlands grösste geopolitische Katastrophe”.
  • Als heikelsten Punkt des gesamten NATO-Gebietes nennen amerikanische Offiziere die Suwalki-Lücke an der nicht einmal 100 Kilometer messenden polnisch-litauischen Grenze, westlich begrenzt von der russischen Exklave Kaliningrad, östlich von Weissrussland. Durch dieses Nadelöhr müsste die NATO bei einem russischen Angriff auf das Baltikum die drei Mitgliedstaaten Litauen, Lettland und Estland versorgen.

Die ominöse Suwalki-Lücke zwischen Polen und Litauen, Russland (Kaliningrad) und Weissrussland.

Sehr zu Russlands Unwillen 

Gegen Russlands verbalen Widerstand stärken die USA ihre Stellung in Polen. Sie verschaffen sich einen neuen geopolitischen Vorteil – zulasten der Merkel-Regierung in Deutschland.