“Phädophilie”?

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Doch, doch, Sie vertrauen Ihrem Verstand und Sprachgefühl – da stimmt doch etwas nicht, im Lokalressort der heutigen NZZ. Phädophilie? 2 x “ph”, gesprochen “f”, also Fädofilie?

Aber so prangt es gross, im Schriftgrad 24 Punkt, im Haupttitel eines seriösen Textes.

Und doch! Kommt doch aus dem Griechischen. Beginnt der Wortstamm alt- und neu-Griechisch nicht mit einem “p”?

Der langen Rede kurzer Sinn: Es ist wohl der Schreib- und Druckfehler des Jahres. Noch immer heisst es Pädophilie; aber nicht einmal im Titel entdeckt das NZZ-Korrektorat das falsche “h” – das Korrektorat, das einst von Walter Heuer geführt wurde, den sie den Sprachpapst nannten.

 

PS. Dass Walter Heuer nicht mehr über die NZZ wacht, belegt dann schon der erste Abschnitt im Lauftext. Da zogen Natalie Rickli (SVP) und Daniel Jositsch (SP) “in Bundesbern am gleichen Strick”. Gut möglich, Jositsch von links, Rickli von rechts – aber nicht so gemeint! Die Autorin wollte sagen: Sie zogen am gleichen Ende des Stricks.

Nur: Eines muss man im antiautoritären Zeitalter wissen – wer noch auf die Sprache achtet, handelt heute “repressiv”, scheusslich, inakzeptabel.

 

Sie ziehen am gleichen Ende des Stricks …

… und sie je an ihrem Ende – oder einfach am Strick.