Pentagon: 5’200 Mann, 22’000 Menschen gerettet

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Generalmajor William Taylor.

Pentagon-Sprecher John Kirby.

Am 21. August 2021, eine Woche nach Beginn der Evakuation, gaben in Washington Generalmajor William Taylor und der Pentagon-Sprecher John Kirby umfassend Auskunft über die amerikanische Rettungsaktion in Kabul:

  • In sieben Tagen wurden 22’000 Menschen ausgeflogen. Darunter befanden sich 2’500 Amerikaner.
  • Die C-17 der US Air Force fliegen vornehmlich nach Doha, Katar, wo die amerikanischen Streitkräfte einen grossen Stützpunkt betreiben. Wie Generalmajor Taylor ausführte, wird nun für den Weiterflug der grösste Stützpunkt der Luftwaffe in Europa im deutschen Ramstein bereit gestellt. Das werde den Fluss der Evakuation wesentlich erleichtern.
  • Der Brennpunkt liege aber nach wie vor in Kabul. Dort warten noch 17’000 Personen auf die Evakuation, darunter 1’600 Amerikaner.

Stabile Sicherheitslage

In einem interessanten Gegensatz zum Schweizer EDA legten Taylor und Kirby Wert auf die Feststellung, die 5’200 amerikanischen Special Forces und die 900 britischen Marines und Fallschirmjäger hätten den Flugplatz sicher im Griff. Die Lage sei stabil.

  • Die Tore zum Airport würden je nach Lage geöffnet und geschlossen. Wenn es die Situation erlaube, öffne die Task Force die Tore, um “möglichst vielen Menschen möglichst rasch” die Ausreise zu ermöglichen. Mehrheitlich stünden die Tore offen.
  • Die US Air Force stelle mit ihren C-17A Globemaster III das Rückgrat der Rettungsflotte. Regelmässig flögen auch F/A-18EF Super Hornets von Flugzeugträgern Patrouillen über Kabul.
  • Was weder Taylor noch Kirby sagten, war: Der Kommandant der Rettungsaktion machte den Taliban von allem Anfang an klar, dass die USA keine Störmanöver gegen die Evakuationsflüge duldeten. Die F/A-18-Patrouillen unterstreichen das jeden Tag.
  • Momentan kommen sie von der USS Ronald Reagan, dem drittneuesten Träger der US Navy, der im Indischen Ozean kreuzt. Die Reagan wurde aus dem Pazifik in die Reichweite Afghanistans verlegt. Sie soll von der USS Carl Vinson abgelöst werden, die zusätzlich zu den F/A-18 eine Staffel F-35C mitbringt.

Die USS Carl Vinson (CVN 70) soll im Indischen Ozean die USS Ronald Reagan ablösen.

Briten retten Landsleute jenseits des Zauns

Die Korrespondenten stellten präzise Fragen. Taylor und Kirby bemühten sich, ihre Antworten im Rahmen der gebotenen Geheimhaltung zu geben.

  • Beide Sprecher bestätigten regelmässige Kontakte der örtlichen amerikanischen Führung mit Taliban-Feldkommandanten vor Ort.
  • Ebenso wurde bestätigt, dass britische Marines den Flugplatz gelegentlich verlassen, um Landsleute zu bergen. Die Amerikaner prüften derzeit diesbezügliche Optionen. Es bleibe aber eine “non combatant evacuation”, eine Aktion, bei der Waffeneinsatz am Boden nicht geplant sei.
  • Die britischen Marines und Fallschirmjäger bildeten einen integralen Bestandteil der Task Force am Flugplatz. Den Befehl führe ein amerikanischer General.
  • Verteidigungsminister Lloyd Austin konzentriere sich derzeit ganz auf das Gelingen der Evakuation. Er sei stolz, dass er seine eigenen Kriegserfahrungen einbringen könne. Er trage zu den Entscheiden der “Joint Chiefs of Staff” bei und berate den Präsidenten. Dieser entscheide abschliessend. Was der Präsident befohlen habe, werde umgesetzt (altpreussisch: “Es wird geritten, was geblasen wird.”)

Die Flaggenfrage

Wenig überraschend, gibt in den USA die Flaggenfrage zu reden:

  • Ja, es stimme, die “Stars and Stripes” seien über der Botschaft eingeholt worden. Das sei nicht anders gegangen.
  • Aber die amerikanische Fahne wehe im Hamid Karzai Airport über dem geschützten Teil, der fest in der Hand der US Armed Forces und der Briten sei.
  • Ein Korrespondent warf die Frage auf, ob es richtig gewesen sei, die 800 Millionen teure Botschaft, eine Festung, aufzugeben. Kirby antwortete dezidiert, das sei in Anbetracht der Sicherheitslage vom 15. August 2021 eine Notwendigkeit gewesen.
  • Taylor bestätigte, dass vor den Toren einzelne Amerikaner geschlagen wurden. Der Minister Austin persönlich habe sich mit der Taliban-Führung in Verbindung gesetzt. Telefonisch habe er diese wissen lassen, dass die USA solche Schläge fortan nicht mehr duldeten.
  • Detailfragen dazu beantwortete Kirby mit “kein Kommentar”: Es stehe ihm nicht zu, über “Command and Control” der Taliban zu reden.