Patton – Sieg in den Ardennen

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Handschlag in Bastogne: Eisenhower, Bradley, Patton.

Text Dr. Peter Forster, Illustrationen dt., brit., amerikan. Archive

Es ist, im bitterkalten Winter 1944, der 19. Dezember, 10 Uhr. In der Kriegerstadt Verdun haben sich im zweiten Stock einer alten Kaserne fünf amerikanische Generale und ein britischer Luftmarschall versammelt.

Unternehmen “HERBSTNEBEL”

Die Stimmung ist angespannt. Am 16. Dezember, 5.30 Uhr, haben deutsche Panzerverbände an der Ardennenfront zwischen Monschau und Echternach angegriffen. xxxxx Sepp Dietrichs 6. SS-Panzerarmee, General Hasso von Manteurffels 5. Panzerarmee und General Erich Brandenbergers 7. Armee sind unerkannt zum Unternehmen “HERBSTNEBEL” angetreten – und gegen Generalleutnant Courtney Hodges’ 1. amerikanische Armee durchgebrochen. Der “Führer” Adolf Hitler persönlich hat seinen Armeen den Auftrag erteilt:

  • aus der Eifel einen Keil in die alliierte Front zu treiben;
  • die Maas zu überschreiten und den alliierten Haupthafen Antwerpen zu nehmen;
  • die 1. kanadische, die 2. britische, die 9. und 1. amerikanische Armee einzukesseln.

Und ganz “nebenbei” sollten die Wehrmacht und die Waffen-SS im Westen die strategische Initiative zurückerlangen, die im Juni 1944 in der Normandie verloren gegangen war.

Geheimhaltung gelingt

Analog zur letztlich gescheiterten Operation “ZITADELLE” im Kursker Bogen 1943 bäumt sich die Wehrmacht nochmals auf. In der nebelverhangenen Eifel hat sie ihre stärksten Kräfte gut getarnt aufmarschieren lassen.

Feldmarschall Gerd von Rundstedt, Oberbefehlshaber West.

Hasso von Manteuffel, 5. Panzerarmee.

Sepp Dietrich, 6. SS-Panzerarmee.

Erich Brandenberger, 7. Armee.

Die Geheimhaltung gelingt. Der 69-jährige Feldmarschall Gerd von Rundstedt, Oberbefehlshaber West, setzt “alles auf eine Karte”; auch wenn er Wert darauf legt, es sei Hitlers Offensive, nicht seine. Dennoch geistert das Unternehmen “HERBSTNEBEL” noch immer als Rundstedt-Offensive durch die Literatur. Ursprünglich nannte Hitler das Oberkommando der Wehrmacht die Operation “WACHT AM RHEIN”; denn es wollte den Alliierten ein neues Abwehrdispositiv vortäuschen.

So sehr zweifelt Rundstedt an Hitlers Plan, dass er die operative Führung dem Befehlshaber der Heeresgruppe B überlässt, dem an der Ostfront erprobten Abwehrstrategen Feldmarschall Marschall Walther Model, der des “Führers” Vertrauen besitzt. Die drei angreifenden Armeen unterstehen Model.

Nur heitere Mienen

In Verdun sucht General Dwight Eisenhower, gerufen Ike, die Spannung zu lösen: “Ich will nur heitere Mienen sehen. Die Lage ist ernst; aber sie bietet auch Chancen!” Ike selber hat Grund zur Freude. Soeben hat ihm Präsident Roosevelt den fünften Stern verliehen. Der populäre, geachtete Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa ist jetzt Armee- oder Heeresgeneral, je nach Übersetzer.

Doch ist es der zweite Stratege am langen Tisch, der die Runde zum Lachen bringt: Generalleutnant George Patton, Kommandant der 3. Armee, spottet freimütig, am besten lasse man die Deutschen bis Paris marschieren: “Dort schneiden wir sie ab und fressen wir sie auf.”

Pattons Panzerarmee greift von Lothringen her das Saarland an. Sein HQ hat er in Nancy aufgeschlagen – 120 Kilometer von den Hohen Ardennen entfernt, wo Manteuffels 5. Panzerarmee in Richtung Maas durchstösst. “Patton hat gut reden”, denkt Hodges, ein überlegter Frontoffizier, dessen Corps und Divisionen Pattons jäh eingebrochene “Krauts” mit Tod und Verderben überziehen.

17. Dezember 1944: Amerikaner gehen in Gefangenschaft.

Düsterer Lagebericht

Entsprechend düster lautet der Lagebericht vom 19. Dezember, 6 Uhr:

  • Im Nordsektor des VIII. Corps und im Südabschnitt des V. Corps ist der Gegner in einer Tiefe von 30–36 Kilometern vorgedrungen.
  • 106. Division ausgeschaltet, 28. Division schwer angeschlagen, eine der drei Kampfgruppen der 9. Panzerdivision zerstört.
  • HQ VIII. Corps auf dem Rückzug, Standort unbekannt. Gegnerische Panzer 800 Meter vor dem HQ 1.Armee. Zwingen HQ zum sofortigen Zurückweichen.

Ungeachtet erster deutscher Erfolge strahlt George Patton Zuversicht aus. Am 1. August 1944 ist er mit dem VIII. Corps bei Avranches von der Normandie in die Bretagne ausgebrochen (Operation “COBRA”, ein Lehrstück). Nach dem zügigen Marsch durch Frankreich stehen die Zeichen gut, dass Pattons 3. Armee in der Saar das starke Industriegebiet in Besitz nimmt. Seine drei Corps, das XII., XX. und III., kommen gegen Osten stetig voran.

“Bis hierher und nicht weiter!”

Patton ist in Verdun vorgewarnt eingetroffen. Generalleutnant Omar Bradley, Befehlshaber der 12. Armeegruppe, hat ihm schon am 18. Dezember befohlen: “Du verlegst Dein HQ zu uns nach Luxemburg. Du drehst Deine Armee nach Norden ab. Du entsetzest in Bastogne die 101. Luftlandedivision und die Panzer der 10. Division.”

Bevor er Patton aufruft, legt Eisenhower die Linie fest, die der Gegner keinesfalls überschreiten darf: “Von Luxemburg nordnordostwärts zur Maas, dem Fluss entlang nach Liège und weiter zum Westwall. Bis hierher und nicht weiter!”

Dann spielt die Jahrzehnte lange Kameradschaft von Ike und Patton. Auch wenn es mitunter knallt, verstehen sich die beiden Amerikaner seit jungen Jahren. Gemeinsam warben sie für starke Panzertruppen, als dies in den USA noch nicht opportun. In Tunesien rangen sie Rommels Afrikakorps nieder – mit Rückschlägen wie am Kasserinepass.

“Innert 48 Stunden”

Eisenhower fragt Patton: “Wann treten Deine Tanks zum Gegenangriff an, am Südrand der Ardennen?” Die Blicke aller richten sich auf Patton. Der zögert keine Sekunde: “Innert 48 Stunden, mit drei Divisionen.” Bradley und Ikes Stellvertreter, Luftmarschall Arthur Tedder, fahren hoch – unmöglich, nicht faisabel, nicht machbar!

Generalleutnant Jacob Devers, Chef der 6. Armeegruppe, staunt Bauklötze: “Jeder andere hätte 98 Stunden verlangt, nicht 48.”

Selbst Eisenhower, vertraut mit Pattons Mut und unbändigem Temperament, horcht auf: “George, denk an das unwegsame Terrain. Winter, Schlamm, Eis, tiefer Schnee. Devers muss Deine Stellungen übernehmen. Du drehst im Kampf um 90°, der Feind lauert. Wo ist Dein Nachschub? Wo sind Deine Verbindungen? Ich gebe Dir drei Tage. McAuliffe wartet.”

“Fahr zum Teufel!”

Brigadegeneral Anthony McAuliffe ist der Artilleriechef der 101. Luftlandedivision im eingekesselten Bastogne. Generalmajor Maxwell Taylor, der Befehlshaber, eilt aus den USA zurück. Sein Stellvertreter ist zu einem Vortrag nach London geflogen, der Stabschef gestorben. Doch McAuliffe hält den Knotenpunkt kompetent, zäh, tapfer. Ein SS-Offizier fordert ihn zum Aufgeben auf. “Nuts, to hell with you!”, kontert McAuliffe: “Unsinn, fahr zum Teufel!”

In Verdun macht sich Patton auf – nach Nancy, zum Stab. Da hält ihn Ike zurück: “Seltsam, George, jedesmal, wenn ich einen Stern kriege, schlagen die Deutschen zu.” Der General der Generale denkt an 1943, als er den vierten Stern erhielt und ihn Feldmarschall Erwin Rommel elend in die Pfanne gehauen hatte. “Du hast Recht”, entgegnet Patton, “und jedesmal schlage ich dich heraus!”.

Telefonisch erreicht Patton den Stabschef, den Brigadegeneral Hobart Gay. Er ordnet erste Sofortmassnahmen an:

  • “26. Inf Div verschiebt am 20.12. nach Arlon. Vorhut startet sofort.
  • XII. Corps löst sich aus der Front. Neues HQ A Luxemburg. Bezug 21.12. Betreibt HQ B am alten Standort, bis das XV. Corps von der 7. Armee das Kommando übernimmt.
  • Taktische Staffel HQ 3. Armee verlegt am 20.12. nach Luxemburg. Vorderste Staffel III. Corps verschiebt nach Arlon. Sofort.
  • 25. Inf Div unverzüglich aus der Front ziehen. Besammlung in Metz.

Vier gangbare Routen

In Nancy leisten Gay und sein Stab ganze Arbeit. Gegen Norden hat der Chef Operationen vier einigermassen gangbare Routen identifiziert – von Lothringen nach Luxemburg und Belgien hinein, heran an Manteuffels links Flanke.

A: Moyenvic–Nancy (dort Drehung um 90°)–Thiaucourt–¬andres–Longwy. 110 Meilen (177 km).

B: Frenetrange–Pont-à-Mousson (Mosel-Übergang, Drehung um 90°)–Aumetz–Longwy–Arlon. 100 Meilen (160 km).

C: Bining (gegenüber Saar)–St. Avold–Metz (Drehung um 90°)–Luxemburg. 120 Meilen (193 km).

D: Saarlautern–Thionville (Drehung um 90°)–Luxemburg. 55 Meilen (88 km).

“Kurzen Prozess”

Es folgt George Pattons Meisterstück. Die 90°-Drehung seiner Armee im Kampf, unter widrigen Umständen, wird heute noch an Militärakademien gelernt – wie auch der gelungene deutsche Überrumplungsschlag vom 16. Dezember 1944, der die meisten Verteidiger in den Schlafsäcken überraschte.

Als Armeebefehlshaber erhält Patton die streng geheimen Meldungen, die der  britische Geheimdienst ULTRA unter dem Code “ZZZZZ” verbreitet. Der Generalleutnant erfährt:

  • Südlich der 5. Panzerarmee ist die 7. Armee des Panzergenerals Erich Brandenberger vorgestossen, vornehmlich mit Infanterie- und Volksgrenadierdivisionen. Sie soll Manteuffels linke Flanke schützen.
  • In Malmédy richtete die 6. SS-Panzerarmee des Obergruppenführers Sepp Dietrich unter amerikanischen Gefangenen ein Massaker an.
  • Vor den deutschen Linien operieren SS-Fallschirmjäger in amerikanischen Tarnanzügen. Sie sprechen perfekt Englisch. Sabotage, Spionage, Kopfjagd, selbst auf Eisenhower.

Zum Unternehmen “GREIF”, der verdeckten Operation in Volltarnung, hat die SS 150 Fallschirmspringer angesetzt. Patton warnt seine Armee: “Achtung! SS in unseren Uniformen. Reden wie wir. Chef ist SS-Skorzeny, der Kerl, der auf Gran Sasso Mussolini heraushaute. Alle korrekt behandeln, dann aber kurzen Prozess!”

Der SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny setzte 150 Fallschirmjäger in Volltarnung auf die Amerikaner an. Die meisten wurden gefangengenommen, abgeurteilt und erschossen.

Gut getarnt durch die Nacht

Wie befohlen, verschieben Pattons Spitzenverbände gestaffelt nach Norden:

Generalmajor Hugh Gaffeys 4. Panzerdivision passiert bei Frenetrange den ersten Konrollpunkt. Gaffey gliedert seinen Verband in Hauptquartier, Kampfkommando (CC) A, B, R und den Nachschub. HQ, CCA, CCB und CCR nehmen die gefährliche Route B. Die Achse A bleibt der Logistik vorbehalten.

Brigadegeneral Holmes Dager, Chef des CCB, führt den Hauptharst vom Jeep aus. In 24 Stunden erreichen Gaffeys Staffeln Arlon, wo sie zum Stoss auf Bastogne aufmarschieren.

Generalmajor Horace McBride verschiebt seine 80. Infanteriedivision in Regimentsgliederung. Das 318. Regiment erreicht bei Bettweiler den Kontrollposten 1 am 19. Dezember, 14 Uhr. Auf der Route C trifft es am 20., 10 Uhr, in Luxemburg ein. Eine Viertelstunde nach den 318. bricht das 317. Regiment auf; es gewinnt sein Ziel in der folgenden Nacht um 4 Uhr.

Einen difficilen Auftrag erfüllt das Frontregiment 319. Es übergibt am 19. Dezember seinen Abschnitt einer nachrückenden Kampfgruppe der 12. Panzerdivision, macht sich um 18.30 Uhr auf den Weg und vereinigt sich am 20., 15 Uhr, mit den Regimenten 318 und 317.

Williard Pauls 26. Infanteriedivision nimmt den inneren, kurzen Weg. Sie verlegt in der Nacht vom 19. zum 20. Dezember gut getarnt in knapp zwölf Stunden. Noch schneller gelangt das selbständige 702. Panzerbataillon in die Angriffsgrundstellung – von 13.05–23.58 Uhr.

Güterzug und QM-Lastwagen

Präzis getaktet zieht Patton die ganze Armee nach. Er hält Wort, die Drehung im rechten Winkel gelingt zeitgerecht. Die Spitzenverbände rüsten zum Durchbruch tief in die Ardennen hinein. Brandenbergers 7. Armee richtet wenig aus.

Nacht und Tag arbeitet Brigadegeneral Gays Stab von 32 Offizieren. Die Prioritäten lauten Nachrichten, Operationen, Logistik – alles im Rennen gegen die Uhr. Auch zum Nachschub hat Patton an alles gedacht:

  • Am 19.12. sucht ihn Oberst Karl Bendetsen von Bradleys 12. Armeegruppe auf: “Wie können wir Ihnen helfen?” Patton: “Ja, Bendetsen, Sie können viel tun, wenn Sie es wollen.” Der Oberst: “Alles, was Sie wollen, ist uns Befehl.” Patton: “Also, ich brauche sofort einen Eisenbahnzug, alles Güterwaggons, für Benzin, Öl, Schmiermittel, für Munition, Lebensmittel und Ersatzteile aller Art.” Bendetsen “stiehlt” einen leeren Güterzug. Er schreibt, er habe Patton geholfen, im Westen den letzten Ansturm der Nazis zurückzuwerfen.
  • Die Infanterieregimente der 26. und 80. Division marschieren nicht zu Fuss. So kämen sie nicht zur Zeit. Patton beschaffz Hunderte Lastwagen vom Typ QM Quartermaster. Die QM bringen McBrides Division rechtzeitig zur Front. Gleiches meldet Generalmajor Pauls Verband dem Befehlshaber des III. Corps, dem Generalmajor John Millikin.

Drei Divisionen in Front

Mit dem III. Corps plant George Patton den Durchbruch nach Bastogne. Millikin soll seine Feuertaufe erleben. Patton trägt diesem Umstand Rechnung. Er kennt und vertraut Millikin. Dennoch gibt er ihm ausnahmsweise taktische Weisungen auf den Weg. Für Patton ist das ungewöhnlich. Von ihm stammt der Spruch: “Vom Brigadegeneral aufwärts kümmert sich der Chef nicht um Taktik.”

Patton gliedert die drei Divisionen auf einer Front von 38 Kilometern. Er weist ihnen, je nach Gelände und Feindlage, verschieden breite Angriffsstreifen zu:

  • Links stösst der stärkste Verband, die 4. Panzerdivision, in einem 21 Kilometer breiten Streifen. Die Kampfgruppen A und B attackieren in Front, R zurückgestaffelt.
  • Den mittleren Verband bildet die 26. Infanteriedivision auf einem Abschnitt von neun Kilometern. Patton befiehlt die Anordnung der drei Regimente: Sie rücken in überschlagendem Einsatz hintereinander vor: Reisst das vorderste Regiment einen Keil auf, stösst das zweite durch – und so weiter.
  • Dito für die 80. Division auf dem rechten Flügel. Sie erhält den schmalsten Streifen von sechs Kilometern.

Patton regelt Taktik

Der 59-jährige Patton schreibt dem 56-jährigen Milliken vor:

  • Prinzipiell Kampfgruppen mit Tanks und Infanterie durchmischt.
  • Sobald Feindkontakt: Gegnerische Feuerquellen niederhalten, Ansetzen zur Umfassung, immer nach Osten beginnend.
  • Durchbrüche sofort nutzen. Durchstossen. Keil vertiefen.
  • Schwieriges Gelände beachten. Grabenbrüche teils quer zur Angriffsrichtung, teils schmale Korridore entlang der Achse.
  • Terrain schluckt Kräfte. Erschwert, aber erfordert gegenseitige Unterstützung.

Oberst Kochs Feindannahme

Oberst Oscar Koch leitet in Pattons Stab seit Nordafrika den Nachrichtendienst. Er hat sich bewährt. Er zählt zu den wenigen Offizieren, die früh vor der deutschen Grossoffensive warnten. Am 20. Dezember, 6 Uhr, nennt er Patton sieben Feindmöglichkeiten:

  • 1. Auf den befohlenen Hauptachsen weiter.
  • 2. Verbreitern des Korridors, besonders gegen Süden (Bastogne).
  • 3. Konzentration der intakten Panzer zum Durchbruch an die Maas.
  • 4. Panzerreserve greift im Süden von Echternach her an.
  • 5. Sollte Durchbruch zur Maas scheitern, Abdrehen gegen Südwesten.
  • 6. Stosstrupp-Aktionen gegen die alte Front der 3. Armee.
  • 7. Fallschirm-Aktionen.

Als wahrscheinliche Optionen bezeichnet Koch 1 und 2, im Verbund mit 3. Auch 5 schliesst er nicht aus. Die Unbekannte ist das II. SS-Panzerkorps.

XLVII. Panzerkorps vor Bastogne

Als Pattons Stoss nach Bastogne rollt, bestätigt das konsolidierte Lagebild Kochs Analyse:

  • Als gefährlichster Gegner entpuppt sich das XLVII. Panzerkorps des fähigen Generals Heinrich von Lüttwitz. Es gehört zur 5. Panzerarmee, die weit besser kämpft als die 6. SS-Panzerarmee.
  • Die 2. Panzer- und die Panzerlehrdivision sind vom Westwall über Eschweiler auf Bastogne gestossen. Sie stehen noch acht Kilometer vor der Ortsmitte. Sie ziehen die 26. Volksgrenadierdivision nach.
  • Auf der südlichen Achse hat die 28. Infanteriedivision aus dem LXXXV. Korps den Brückenort Wiltz am gleichnamigen Fluss genommen.
  • Im Nordsektor haben die 116. Panzerdivision “Windhund” und die 560. Volksgrenadierdivision den Fluss Ourthe westlich des zentralen Ortes Houffalize überschritten.

Fallschirmjäger im Abwehrkampf

In Bastogne richtet McAuliffe sein Dispositiv gegen Nordosten aus.Den Kern bilden Fallschirm- und Panzertruppen – unbestritten Spitzenverbände. Kreisförmig führen sie, im Uhrzeigersinn von Nordwest bis Südost, den Abwehrkampf:

  • 327. Segelflugzeugbataillon.
  • 502. und 506. Fallschirmregiment.
  • Kampfgruppe B 10. Panzerdivision (verstärkte Brigade).
  • 501. Fallschirmregiment.
  • Kampfgruppe R 9. Panzerdivision (verstärkte Brigade).
  • 326. Fallschirmpionierbataillon.

Sein HQ betreibt McAuliffe am Strassenknoten in Bastogne.

Das Ziel nach dem Ziel

Am 22. Dezember 1944 legt Pattons 3. Armee los:

  • Sein XX. Corps hält den Brückenkopf Saarlautern. Für offensive Aktionen nimmt es die 6. Panzerdivision auf.
  • Die Keilformationen anderer Corps zerstören den Feind an dessen Südflanke und drehen zum weiteren Vorstoss nach Nordosten ab.
  • Auf deutschem Territorium bricht das XII. Corps die Siegfriedlinie auf und stösst auf Bitburg.

Den letzten Auftrag relativiert Oberst James Polk, Kommandant de 6. Kavalleriegruppe: “Immer steckt Patton unsere Ziele extrem weit ab; das soll uns anspornen. Meist ist er zufrieden, wenn wir halb so weit kommen.”

Erbitterter deutscher Widerstand

Der Entsatzangriff auf Bastogne stösst, wie von Oberst Koch erwartet, auf erbitterten Widerstand. Millikins drei Divisionen überschreiten die Ablauflinie “ROT” und gewinnen Terrain, mühsam, blutig, immer wieder aufgehalten, mitunter zurückgeworfen. Im Schlüsselgelände läuft die Kampfgruppe B der 4. Panzerdivision am gegnerischen 15. Fallschirmregiment auf.

Unter schweren Verlusten überwinden die Amerikaner die Phasenlinie “BLAU”, zwölf Kilometer tief im feindlichen Gelände. An der Linie Neufchâteau–Fauvillers–Martelange–Merzig suchen deutsche Fallschirmjäger ihre Stellungen zu halten. Milliken stellt ihnen voller Achtung ein vorzügliches Zeugnis aus. Das 15. Regiment gehört zur 5. Fallschirmdivision, die in den Ardennen 7’827 Mann verliert – mehr als doppelt so viele wie die 26. Volksgrenadierdivision mit 3’059 Mann (von insgesamt 30’872 der Heeresgruppe B).

Wie ein Spiegelbild nehmen sich die amerikanischen Verluste aus: 101. Fallschirmdivision 4’455 Mann, 26. Infanteriedivision 2’617, 17. Luftlandedivision 2’480, 80. Infanteriedivision 2’367 – bei einem US-Total von 23’051.

Soldaten der 80. US Infanteriedivision.

Im strengen Winter 1944/45 sind die Ardennen tief verschneit. Schnee auf Fahrzeug-Dächern verdeckt die leuchtenden Erkennungszeichen. Amerikanische P-47-Flieger bombardieren eigene Panzer.

Unwegsam, tief verschneit

Die Phasenlinie “GRÜN” verläuft zehn Kilometer weiter nördlich. Sie führt von Vaux-les-Rosières über Remoiville und Sainlez nach Bonnal. Das unwegsame, coupierte, tief verschneite Gelände bevorzugt den Verteidiger. General von Lüttwitz wirft die Führergrenadierbrigade und das 14. Fallschirmregiment in die Schlacht. Dennoch bricht Gaffeys 4. Panzerdivision durch.

Noch sind es zwölf Kilometer zur Phasenlinie “GELB”. Sie verläuft quer durch das Angriffsziel Bastogne; nach Osten folgt sie der mäandrierenden Wiltz. Noch weiter im Norden hat Patton neun Kilometer über Bastogne hinaus die Linie “GELB” gezogen – typisch für ihn, das Ziel nach dem Ziel, siehe oben Oberst Polks Beobachtung.

Vor Bastogne verteidigen massiert die 901. Kampfgruppe Hauser, die 26. und die 78. Volksgrenadierdivision. Auch Restbataillone der 5. Fallschirmdivision wehren sich tapfer, bis zur Selbstaufgabe. Von Nordosten sucht die 2. Panzerdivision den Kessel einzudrücken. Sie unterschätzt den Kampf- und Korpsgeist der Fallschirm- und Panzerelite, die in Bastogne ausharrt.

Doch auch die Amerikaner begehen Fehler.

  • Auf den Fahrzeugdächern lagert Schnee. Die weisse Pracht deckt die leuchtenden Erkennungszeichen ab, die den Fliegern Freund und Feind anzeigen sollen. P-47-Piloten nehmen entlang der verzahnten Hauptkampflinie eigene Panzer unter Beschuss – friendly fire, tragisch.
  • Auf Glatteis verlieren Fahrer die Herrschaft über ihre Sherman-Tanks.
  • Im Wald scheitert ein Nachtangriff. Ein erstes Bataillon verliert 14 Panzer, ein zweites elf. Die Deutschen feuern noch immer Panzerfäuste ab. Terrestrisch eingesetzte Fliegerabwehrkanonen vom gefürchteten Kaliber 8,8 cm schiessen Kampf- und Schützenpanzer ab.

Assenois: Abrams bricht durch

Das 37. Tankbataillon, das Bastogne entsetzt, gehört zur 4. Panzerdivision, einem Eliteverband.

Dennoch schlägt für das 37. Tankbataillon am 26. Dezember 1944 die grosse Stunde. Sein Kommandant ist der 30-jährige Oberstlt Creighton Abrams, West-Point-Absolvent von 1936 und spätere Generals und Stabschef des Heeres.

Als das 37. Bataillon an einem Quergraben aufläuft, zündet Abrams eine Zigarre an. Er zieht einen Geniepanzer nach vorn und lässt die Crew eine steinere Wand zerschlagen. Auf den Trümmern setzt die Kompanie über den Graben – eine Tat, die Pattons Herz erfreut, ganz nach seinem Gusto.

Oberstlt Creighton “Abe” Abrams, Kommandant 37. Tankbataillon.

Abrams als Stabschef des US Army.

Noch hat Abrams das Bauerngehöft Assenois vor sich; dort hocken die Deutschen. Der Kommandant ruft die Artillerie. 13 Batterien decken den Weiler mit gut 500 Schuss ein. Abrams’ Panzer dringen vor.

Aus den Kellern strömen Volksgrenadiere ins Freie – und eröffnen den Feuergefecht, das die amtliche Geschichte als “wüstes Hauen und Stechen” charakterisieren wird. Bevor der deutsche Anführer die weisse Fahne hisst, warnt er sein Regiment am Funk: “Feind strömt durch Assenois, stösst auf Bastogne.”

“Wir sind die 4. Panzer!”

Den amerikanischen Spitzenzug führt Leutnant Charles Boggess. Maschinengewehre mähen nieder, was sich dem Zug entgegenwirft. Panzergranaten zerschlagen vor Bastogne Blockhäuser und Barrikaden.

In einem schneebedeckten Acker entdeckt Borgess Fallschirme und eingegrabene Soldaten. Sie tragen den olivgrünen Tarnanzug der 101. Division. Der Zugführer steht im Turm und ruft: “Kommt hierher, wir sind die 4. Panzer!” Um 16.50 Uhr strömen die Paras aus ihren Löchern. Sie jubeln Borgess und seinen Männern zu. Das 37. Bataillon hat den Kessel von Bastogne aufgebrochen.

Abrams dringt mit Borgess zum HQ der Fallschirmjäger vor. Brigadegeneral McAuliffe begrüsst ihn ausgesucht höflich: “Gut, Sie hier zu sehen, Colonel.” Die Anrede “Colonel” für “Lieutenant Colonel” ist in angelsächsischen Armeen nicht unüblich – und jetzt, in der Stunde der Befreiung, gewiss nicht ganz daneben.

Rasch zieht Abrams 70 Ambulanzen nach. 700 deutsche Gefangene marschieren geordnet ab. Ein Sergeant haut jedem, der gestohlene GI-Stiefel trägt, mit dem Gewehrkolben auf die Zehen. In Bastogne hat die Zehn-Tage-Schlacht mehr als 2’000 Amerikanern das Leben gekostet. Hinzu kommen rund 1’000 Gefallene der 4. Panzerdivision, die zwei Drittel ihrer Kampfwagen verloren hat.

“Der Anfang vom Ende”

Doch im entfernten Koblenz, wo am Deutschen Eck die Mosel in den Rhein mündet, erkennen Feldmarschall Rundstedt und sein Stabschef, General Hans Krebs, die Tragweite der Niederlage von Bastogne.

Krebs schreibt, das Unvermögen der Wehrmacht, Bastogne zu halten, habe das Scheitern der ganzen Offensive eingeläutet – “Der Anfang vom Ende.” Krebs war nicht irgendein General; er behält die Übersicht auch in schweren Tagen. In der Nacht zum 2. Mai 1945 wird er dem russischen Generalobersten Wassili Tschuikow die Stadt Berlin übergeben; nach Hitlers Suizid.

Patton, historischen Bildern nicht abhold, schwärmt: “Was Gettsburg im Bürgerkrieg war, das ist Bastogne für den Weltkrieg.” Gettysburg war immerhin die Schlacht, die vom 1.–3. Juli 1863 den Sezessionskrieg gegen die Südkonföderation zugunsten der Nordstaaten vorentschied. Auch wenn Patton die Rolle seiner 3. Armee hoch genug einstuft, hat er Recht – wie in Koblenz Generl Krebs: Von Bastogne an wendet sich das Blatt gegen die Deutschen.

Lob und Anerkennung zollt Patton dem Kommandant der Speerspitze, des 37. Panzerbataillons: “Ich soll der beste Panzeroffizier des Heeres sein. Aber ich habe einen Ebenbürtigen: Abe Abrams. Er ist der Weltmeister.” Auch da sollte sich Patton nicht täuschen: In Fort Knox wird Creighton Abrams mit Patton, Erwin Rommel und den Israeli Moshe Peled und Israel Tal als einer der fünf grossen Panzergenerale geehrt.

Ehre erfährt Patton in Bastogne selbst. Armeegeneral Eisenhower dankt ihm mitten im befreiten Flecken. Ike hat seinen Fotografen mitgenommen. Es entsteht ein Bild, wie es Eisenhower und Patton lieben; mit Omar Bradley, dem General, der als Chef der 12. Armeegruppe hierarchisch zwischen dem Oberbefehlshaber Europa und dem Kommandanten der 3. Armee die Brücke bildet.

In den Ruinen von Bastogne: Bradley; Eisenhower, soeben zum Fünf-Sterne-General befördert, elegant gekleidet; Patton, kommt aus dem Kampf.

Der deutsche Nachschub versagt

Über Weihnachten klart der Himmel auf. Die amerikanische Luftwaffe, die 1944 noch zum Heer gehört, zieht die Wehrmacht und die Waffen-SS schwer in Mitleidenschaft. Generalmajors E.A. Quesadas IX Tactical Air Command unterstützt Hodges’ 1. Armee, Brigadegeneral Otto Weylands XIX Tactical Air Command Pattons 3. Weyland und Patton kooperieren bestens. Patton weiss, was er bei gutem Wetter an den Fliegern hat.

Das Genick bricht den Deutschen die Logistik. Ihr Nachschub stockt, so weit hat der Amateur und Kriegsverbrecher Hitler nicht gedacht – entgegen den Warnungen seiner Generale. Den Panzerdivisionen geht der Treibstoff aus. Panther- und Tiger-Kampfwagen bleiben stehen – Zielscheiben für den Gegner. Es fehlt an Munition, der Benzinnachschub versagt oder wird von den Alliierten bombardiert und in die Luft gejagt.

Mit einer Tiefe von 100 Kilometern und einer Breite von 36 Kilometern hat der deutsche Durchbruchsraum seine grösste Ausdehnung erreicht. Eisenhower will die Spitze von Norden und Süden her abkneifen. Der Oberbefehlshaber denkt voraus. Die Westalliierten sollen Deutschland bis zur Elbe besetzen und sich fort mit der Roten Armee vereinen. Jetzt zählt jeder Panzer, jedes Bataillon, das sie in den Ardennen ausschalten.

So befiehlt Eisenhower am 28. Dezember den Armeebefehlshabern Hodges und Patton simultan den Stoss auf Houffalize, den Ort an der Ostbasis des Dreiecks, das der Einbruchsraum darstellt; mit der Westspitze unweit der Maas. In Houffalize, auf der Symmetrieachse des deutschen Angriffs, sollen die 1. und die 3. Armee den Gegner einschliessen – analog der Einkesselung der 6. Armee bei Kalatsch vor Stalingrad am 23. November 1942, Operation “URANUS”.

Monty macht den Buckel …

Nur ist Hodges nicht mehr dem Amerikaner Bradley unterstellt. Weil dessen 12. Armeegruppe die Verbindung zur 1. und 9. Armee nördlich der Ardennen verloren hat, unterstehen Hodges und Generalleutnant William Simpson, Chef der 9. Armee, neu dem eigenwilligen Briten Feldmarschall Montgomery; und der macht den Buckel.

Feldmarschall Bernard Montgomery, Sieger von al-Alamein 1942, in den Ardennen 1944 ein schwieriger Verbündeter.

Er traut den Amerikanern nicht, sozusagen “eine britische Krankheit”, bekannt auch aus dem Ersten Weltkrieg, trotz General John Pershing, dessem frisches Expeditionskoprp 1918 den Ausschlag gab. Monty, dem Sieger von al-Alamein und soeben ernannten Marschall, ist freiere, nicht so systematische Kampfführung der Verbündeten nicht geheuer. Er will Reserven bilden, bevor Hodges zuschlägt.

Eisenhower dagegen will an der Westfront die Kampfkraft der deutschen Panzertruppe ein für allemal zerschlagen. Aber es muss rasch gehen; denn Rundstedt und Model haben die Gefahr für ihre wertvollen Verbände erkannt. Rundstedt horcht immer auf, wenn er den Namen Patton hört. Er hält Patton für den besten alliierten General. Im Mai und Juni 1944 kroch er Patton auf den Leim, als dieser am Pas-de-Calais eine Scheinstreitmacht vortäuschte: Rundstedt war überzeugt, Patton werde die Invasionsflotte dort über den Aermelkanal führen.

… und lässt deutsche Panzer entrinnen

Mit allerlei Ausreden zögert Montgomery Hodges’ Angriff bis zum 3. Januar 1945 hinaus. Die Konsequenz sollten die Alliierten noch zu spüren bekommen: Model rettet das Gros seiner Panzer durch das Nadelöhr von Houffalize. Manteuffels 5. Panzerarmee wird den Kanadiern und Briten zu schaffen machen, Dietrichs 6. SS-Panzerarmee sogar den Sowjets – zwischen Budapest und Wien!

Täuscht das Einvernehmen? Patton, Bradley, Montgomery.

Pattons Armee rückt zügig auf Houffalize vor. Jedoch trifft Hodges’ 1. Armee erst am 16. Januar am Ziel ein! Zum zweiten Mal hat Montgomerys mangelnde Kooperation deutsche Panzerverbänden vor Einkesselung bewahrt. Schon am am 17. August 1943 evakuierten die Deutschen ihre Kerntruppe von Sizilien über die Strasse von Messina nach Kalabrien, wo sie dann zum nachhaltigen Widerstand gegen die Westalliierten auf dem italienischen Stiefel neu gerüstet wurden.

Amerikanische Beobachter machen kein Geheimnis daraus: Monty Fehler in Messina und bei Houffalize kosteten den brillanten Sieger von Nordafrika die Ehre von Fort Knox – ungleich dem Verlierer von al-Alamein, Erwin Rommel.

Überhaupt strafen Eisenhower, Bradley, Patton und ihre Kameraden Bernard Montgomery Lügen. Wenig, mutig, wo nötig am lockeren Zügel geführt, rasant und entschlossen entscheiden sie Ardennenschlacht. Doch der Brite stalliert weiter. Als er verlangt, alle Heeresverbände seien ihm zu unterstellen, platzt Eisenhower der Kragen. Er teilt dem selbstbewussten Monty mit, er, Dwight Eisenhower führe den Befehl, und kein anderer.

In Washington stärkt ihm General George Marshall, der Stabschef des Heeres, den Rücken: Er solle Montgomery unter allen Umständen die Stirn bieten. Es ist dann der Kriegspremier Churchill selber, der im Unterhaus die Wogen glättet – auch er zu Ikes Gunsten, gegen den eigenen Feldmarschall.

Wie 1918 – alles auf eine Karte gesetzt 

Den finalen Todesstoss gibt Hitlers verfehltem Unternehmen “HERBSTNEBEL” vom 12.Januar 1945 an die Rote Armee. Unaufhaltsam strömt sie von der Weichsel zur Oder, wo sie die Angriffsgrundstellung zur Schlacht um die Seelower Höhen und zum Sturm auf Berlin bezieht. Verzweifelt wirft Hitler seine Reserven an die Ostfront – vergebens! Strategisch hat er den Krieg nach den Ardennen endgültig verloren.

Im Westen stehen die Deutschen in etwa wieder dort, wo sie Mitte Dezember 1944 ihren letzten grossen Gegenangriff begonnen haben – im Grossraum Eifel, geschwächt, wie 1918, als auch General Ludendorff alles auf eine Karte setzte und die Elite des kaiserliches Heeres in einer vergeblichen Offensive verheizten.

Die Westalliierten haben einen Monat und viele gute Kader und Soldaten verloren. Aber sie haben, dank den Amerikanern, standgehalten. Im März 1945 treten sie mit ihren Verbündeten zum Siegeszug quer durch Deutschland an. Hitler, nahe am Wahnsinn, hält sie nicht mehr auf; so wie Osten die Rote Armee durchbricht. Am 25. April reichen sich an der Elbe bei Torgau Russen und Amerikaner die Hand.

Am 7. Mai gibt Generaloberst Alfred Jodl in Reims klein bei. Am 9. zückt Feldmarschall Wilhelm Keitel in Berlin-Karlshorst den Marschallstab vergebens: Auch er unterschreibt bedingungslos die Kapitulation – wie von Stalin, Roosevelt und Churchill früh postuliert.

Mai 1945, Amerikas siegreiche Generale: sitzend vo links: William Simpson, George Patton, Carl Spaatz, Dwight Eisenhower, Omar Bradley, Courtney Hodges, Leonard Gerow; stehend Ralph Stearley, Hoyt Vandenberg, Walter Bedell Smith, Otto Weyland, Richard Nugent. Patton und Gerow, 15. Armee, tragen den Helm. Mit Weyland, Chef XIX Tactical Air Command, kooperierte Patton gut.

Memorable Schlachten

General Pattons Wunsch, “in den Stiefeln zu sterben”, geht nicht in Erfüllung. Am 9. Dezember 1945 bricht sich der Militärgouverneur von Bayern in seinem Cadillac 75 einen Halswirbel. Er stirbt am 21. Dezember im Spital von Heidelberg.

Die Nachwelt bewahrt ihm den Ruhm des überragenden Panzergenerals. In seinem langen Soldatenleben schlug er memorable Schlachten: 1918 bei St. Mihiel, im Zweiten Weltkrieg in Tunesien, auf Sizilien, bei Avranches, quer durch Frankreich. Am hellsten aber leuchtet der Sieg in einem abgeschiedenen Ardennenstädtchen, der Entsatz seiner Kameraden in Bastogne.

Patton hatte zeitlebens Neider. Auch nach seinem Tod flickten ihm Lehnsturmgenerale am Zeug herum. Den Stoss auf Bastogne hätte er mit sechs oder acht oder zehn Divisionen führen müssen. Unsinn! In den versprochenen 48 Stunden hätte Patton keine ganze Armee im Kampf um 90°gedreht; und im an der Grundlinie 38 Kilometer breiten Keil wären sich mehr Divisionen buchstäblich “auf den Füssen gestanden”.

Alles im Kopf

Überdies war George Patton wie Rommel, MacArthur, Abrams oder Tal ein General, der im Krieg seinen eigenen Plan entwarf und diesen auch unter Zeitdruck selber durchsetzte.

So wie Ariel “Arik” Sharon 1967 vor Abu Agheila hatte er in den Ardennen seine Kampfidee im Kopf, bis ins Detail; und wie der Israeli synchronisierte er das Vorgehen seines Verbandes persönlich, direkt, am Funk, bei der Truppe, wo er spürte, wo der Schuh drückte, wo er Kader und Soldaten neu motivierte und mitriss, zum Durchbruch, zum Durchstossen, im Keil, in der Umfassung – zum Sieg.