Oberst Läuchli zur Lage um die Ukraine

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Die Redaktion dankt Oberst Gerhard Läuchli, dem militärischen Experten, für seine Analyse zum Russland-Ukraine-Konflikt.

Oberst Läuchli.

Zum Autor

Gerhard Laeuchli ● Colonel (OF-5) ● ● Swiss Armed Forces ● ● State certified architect and economist ● ● Member of Advisory Board ● Zurich University of Applied Sciences (HWZ) ● Swiss Real Estate Institute ● ● Business: First Site Invest AG Basel ● Member of the Executive ●  

Russland-Ukraine-Konflikt – Ein Brennpunkt in Europa 

Von Oberst Gerhard Läuchli, Ramlinsburg BL 

Russland will die Einfluss-Sphären in Europa – zwischen Ost und West – neu ordnen. 

Die Weltmächte Russland und China reklamieren Gebietsansprüche. Peking will sich Taiwan einverleiben Moskau stellt territoriale Ansprüche an die Ukraine. Solche Begehrlichkeiten lösten in der Geschichte – nicht selten – früher oder später – Kriege aus. 

Europa ist in einer neuen Phase möglicher Bedrohungen und Konflikte 

Sie wachsen rundherum, sie werden gerne ignoriert und ausgeblendet. Keine noch so dreiste Aggression vermag die Wahrnehmung signifikant zu ändern; weder die Erpressung an der polnischen Grenze durch Belarus noch die Invasionsgebärden rund um die Ukraine oder gar die Cyberattacken von Russland – bis heute. Das könnte sich ändern. 

Anfang Februar 2022 forderte das Staatsoberhaupt Chinas, Xi Jinping in einer gemeinsamen Erklärung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, einen Stopp der NATO-Osterweiterung. 

Blick nach Asien 

RUSSLAND und CHINA bemühten sich um den Aufbau eines Sicherheitssystems in der ASIEN-PAZIFIK-Region, das sich nicht gegen Drittstaaten richte. Darüber hinaus rufen CHINA und RUSSLAND die USA auf, keine Mittel- und Kurzstreckenraketen in der Region zu stationieren. 

Putins Forderungen liegen auf dem Tisch – nicht nur für die Ukraine – sondern für eine Neuordnung Europas 

Der Kreml hat seine Forderungen nach einer –«Osterweiterung» in einem Entwurf für ein Sicherheitsabkommen mit den USA und der NATO zusammengefasst. Darin fordert Moskau, dass das transatlantische Bündnis die Ukraine und andere ehemalige Sowjetrepubliken nicht aufnehme, Waffen aus der Region abziehen, Manöver dort beende – und das Einflussgeiet auf den Stand von 1997 beschränkt. Die USA und ihre Verbündeten haben diese Forderungen klar abgelehnt. 

Das Prinzip der «Unteilbarkeit von Sicherheit» und die freie Bündniswahl souveräner Staaten stehen sich entgegen und scheinen für beide Seiten derzeit nicht vereinbar. 

Was heisst Position 1997 konkret? 

Die Ordnung mit Stand 1997 

Die Neuordnung soll – aus Sicht des Kremls – die Einflusssphären Ost West neu zementieren. Im Osten mit der Eurasischen Wirtschaftsunion – und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, kurz: OVKS; im Westen mit EU und NATO. Putin hat laut über die «Westerweiterung» nachgedacht. Er sieht den europäischen Teil der NATO ohne USA – aber neu mit Russland. 

Gleichzeitig mit den Forderungen an den Westen hat Moskau an der Grenze zur Ukraine eine gewaltige Drohkulisse mit 100’000 (175’000) Soldaten samt schwerem Gerät aufgebaut. Die Batle- Group sind in Bälde voll einsatzfähig – so Experten 

Der Blick weit zurück 

Das Russische Imperium erreichte im 19. Jahrhundert seinen Zenit. Das Zarenreich dehnte sich im 17 JH nach Osten; im 18. JH und 19 JH nach Westen und Süden aus.

Die polnische Teilungen 1772, 1793 und 1795 zwischen Oestreich-Ungarn, Preussen und Russland. Kiew gehörte zum Zarenreich, Lemberg zu Oestreich Ungarn. Um die Geschichte der Ukraine zu verstehen, muss man die Teilung Polens kennen. 

Das alte Polen war zeitweise der zweitgrößte Staat Europas. Seine größte Ausdehnung erreichte es 1610. Zu dieser Zeit hatte das polnische Heer Moskau besetzt. 

Polen vor 1772 

Zu dieser Zeit war Polen der zweitgrößte Staat Europas 

Polen nach 1772 

Im Februar 1772 wurde das preussisch-russische Abkommen geschlossen. Diesem trat später auch Österreich bei. Am 2. August 1772 wurde das Abkommen von Petersburg besiegelt. Preussische, Russische und Österreicherische Truppen rückten in die abzutretenden Gebiete ein. Polen verlor ca. 30 % seines Territoriums. 

Russland übernahm einen relativ schmalen Grenzstreifen im Osten. Österreich übernahm Galizien mit der Hauptstadt Lemberg. 

Preussen übernahm den nördlichen Teil Polens. Lediglich die Hansestadt Danzig verblieb unter polnischer Oberhoheit. 

Polen nach 1793 (2. polnische Teilung) 

Im Januar 1793 übernimmt Russland den grössten Teil Weissrusslands und den Rest der Ukraine. Preussen das sogenannte Grosspolen um Posen und Gnesen. Ausserdem auch die Hansestadt Danzig. Von Polen verbleibt ein lediglich ca. 250 km breiter Streifen zwischen Preussen und Russland. Kiew ist russisch; Lemberg ist Teil der Donaumonarchie. 

Polen nach 1795 (3. polnische Teilung) 

In der 3. polnischen Teilung wurde der verbliebene Teil Polens aufgeteilt. Russland annektierte Litauen und rückte bis zum Bug vor. 

Österreich besetzte Zentralpolen mit Krakau und Lublin. Preussen übernahm den Rest Polens mit de Hauptstadt Warschau. Lediglich Krakau blieb noch bis 1846 als Freistaat selbständig. Kiew ist russisch; Lemberg ist Teil der Donaumonarchie.

Polen 1815 (nach dem Wiener Kongress) 

Nach dem Wiener Kongress wurden die polnischen Grenzen erneut verschoben. Österreich behielt Galizien mit Lemberg. Preussen behielt Posen, Bromberg und Gnesen. Die Preussische Provinz Posen genoss bis 1850 einen Sonderstatus als Grossherzogtum Posen. 

Der grosse Rest Polens fiel als autonomer Teil an Russland und erhielt die Bezeichnung Königreich Polen (Kongresspolen) 

Europa 1912 vor dem ersten Weltkrieg im Überblick. 

Polen nach dem 1. Weltkrieg 

Nach dem 1. Weltkrieg ist Polen ein Vielvölkerstaat. 

Über ein Drittel der Bevölkerung sind anderssprachliche Minderheiten. 

Sonderdepesche vom 9. Februar 1918

Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte 1945 die Westverschiebung Polens. 

Das heutige Polen (2003) 

Ca. 180’000 Quadratkilometer im Osten gehen an die Sowjetunion. Dafür erhält Polen im Westen ca. 103’000 Quadratkilometer ehemaliger deutscher Gebiete. Polen kommt in den Vorhof der UdSSR in den WPA-Pakt. 

Deutsch-Sowjetische Invasion Polens (September 1939) Der Ribbentrop Molotow Plan: Die Teilung zwischen dem Dritten Reich und der UdSSR 

Die Geschichte der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs beschreibt insbesondere den Zeitraum der Geschichte der Ukraine ab dem 1. September 1939, als mit dem Überfall der Deutschen auf Polen* der Zweite Weltkrieg begann, bis zur frühen Nachkriegszeit. Mit dem sowjetischen Angriff am 17. September 1939 auf Ostpolen wurde eine Aufteilung des Landes zwischen den beiden Staaten, die bereits in geheimen Zusatzprotokollen des Molotow-Ribbentrop-Paktes vorgesehen war, vorgenommen. * Molotow Rippentopp Plan. 

Das Nachkriegseuropa nach dem zweiten Weltkrieg 1945 

Die Ukraine nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Staatsgebiet der heutigen Ukraine wurde bis Oktober 1944 durch die Rote Armee von der deutschen Wehrmacht befreit und erobert, wodurch auch die Konferenz von Jalta im Februar 1945 auf der Halbinsel Krim stattfinden konnte, welche die Neuordnung Europas zum Inhalt hatte. 

Die Nachkriegsordnung nach dem zweiten Weltkrieg. Das Baltikum, Belarus. die Ukraine und Georgien werden Sowjetrepubliken.

Die Teilung in die Sphären Ost–West 

Am 4. April 1949 gründeten 12 Staaten den Nordatlantik-Pakt. Die ersten 40 Jahre der NATO waren vom Ost-West-Konflikt geprägt. Das Bündnis hat nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und insbesondere seit den Anschlägen des 11. September 2001 eine neue Rolle als globaler Sicherheitsakteur erhalten. 2014 ist die Pax Americana der USA als einziger globaler Player von Russland und China herausgefordert und geprägt von neuen multipleren Bedrohungen. 

Der Warschauer Pakt kurz WAPA wurde im Jahr 1955 als Antwort auf die NATO gegründet. Das Militärbündnis der Ostblockstaaten unter der Führung der Sowjetunion hatte das Ziel der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Beistandes. In der Tat aber war es ein Bündnis mit territorialen Ambitionen mit dem Stoss an den Atlantik mit kommunistischer Vorherrschaft als «Systemsieger». 

Das Ende des WAPA 1991 

Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks 1991 verlor das 1955 gegründete Militärbündnis “Warschauer Pakt” seine politische Grundlage und löste sich auf. Fast alle Staaten des Bündnisses traten später der NATO bei. 

Der Zerfall der Sowjetunion. Für Putin die Katastrophe des 20. JH. Er wirft dem Westen bewusste Täuschung und Ausdehnung der Macht vor. In der Tat hat sich die NATO nach Ost-Europa ausgedehnt und umfasst insbesondere die ehemaligen WAPA-Staaten, aber auch die ehemaligen baltischen Sowjetrepubliken – sowie Teile von Ex-Jugoslawien. Die Möglichkeit im postsowjetischen Raum einen «Cordon sanitaire» als neutrale Pufferzone zwischen Ost und West zu etablieren, wurde fallen gelassen. Der Beitritt der Neuen zur NATO erfolgte wohl präventiv – um nicht nochmals in den «russischen Vorhof» zu geraten – selbst gewählt. Der Cordon als Vakuum hätte wohl Begehrlichkeiten im Kreml geweckt. 

Leonid Krawtschuk, Nursultan Nasarbajew, Boris Jelzin und Stanislaw Schuschkewitsch (von links nach rechts) nach Bekanntgabe der Alma-Ata-Erklärung am 21. Dezember 1991 zur Auflösung der Sowjetunion 

Die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine 1991 

Das Budapester Memorandum wurde am 05.12.1994 im Rahmen der KSZE/OSZE-Konferenz unterzeichnet. Darin verpflichteten sich die USA, GB, RUS, (Garantiemächte) gegenüber Kasachstan, Belarus und der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder. 

Die neue Geschichte der Ukraine – wichtigste Schritte im Telegrammstil 

 Am 1. Februar 1996 trat ein Interimsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine in Kraft, welches die handelsrelevanten Bereiche des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens in Kraft setzte. 

 Am 9. Juni 1995 vereinbarte der russische Präsident Boris Jelzin mit Präsident Kutschma in Sotschi, dass der Marinestützpunkt von Sewastopol weiterhin Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte bleibe und dass die militärische Infrastruktur der Krim von Russland genutzt werden dürfe. 

 Am 9. Juli unterzeichneten die Ukraine auf dem NATO-Gipfel in Madrid 1997 die NATO-Ukraine-Charta, einen militärischen Partnerschaftsvertrag. Danach verpflichtet sich die Ukraine auf Beschluss des Nordatlantikrates an militärischen Operationen im Rahmen eines Verbundes multinationaler Streitkräfte teilzunehmen, die entweder mit Mandat des UN-Sicherheitsrates durchgeführt werden oder unter Leitung der OSZE stehen. 

 In einer Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats am 25. Januar 2005 in Straßburg, führte Präsident Wiktor Juschtschenko aus, dass die Westorientierung und damit verbunden die Mitgliedschaft in der Europäischen Union das strategische Ziel der Ukraine sei.

 Die erste Regierung unter Julija Tymoschenko, das Kabinett Tymoschenko I, wählte das ukrainische Parlament am 4. Februar 2005 mit großer Mehrheit. Präsident Wiktor Juschtschenko setzte das gesamte Kabinett Anfang September 2005 ab, mit Hinweis auf Korruption von Amtsträgern. Es folgte das Kabinett Jechanurow, das bis Anfang Januar 2006 bestehen blieb. 

 Im August 2013 erklärte Putin, dass im Fall der Unterzeichnung des Abkommens mit der EU, Russland „Schutzmaßnahmen“ durchführen werde. Die Importkontrollen auf ukrainische Güter wurden durch die russische Seite verschärft. Der ukrainische 

Ministerpräsident Mykola Asarow forderte Russland in diesem Zusammenhang dazu auf, die baldige Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU zu dulden 

 Nur einen Tag später, am 22. Februar 2014, erklärte das ukrainische Parlament den Präsidenten Janukowytsch, der wenige Stunden zuvor zunächst in die Ostukraine und später nach Russland floh, für abgesetzt 

Maidan-Proteste, Besetzung der Krim 2014 

Mit der «Euromaidan»-Revolution von 2014 kam eine prowestliche Regierung in Kiew an die Macht. Russland reagierte mit der Besetzung und Annexion der ukrainischen, aber mehrheitlich russischsprachigen Halbinsel Krim. Es fachte zudem einen Aufstand in der Ostukraine an. Seitdem finden dort militärische Auseinandersetzungen statt. Jetzt droht ein noch viel grösserer Krieg. 

Die Besetzung der Krim 2014 durch RUS ist nicht nur ein krasser Verstoss gegen das Völkerrecht, sondern auch gegen das Budapester Memorandum. Die vorgenannten Länder haben einen verbrieften Souveränitätsanspruch 

Bewohner der Krim feiern auf dem Lenin-Platz in Simferopol den Ausgang des umstrittenen Referendums zum Anschluss der ukrainischen Halbinsel an Russland.

Die Mehrheit der Ukrainer befürwortet den Beitritt zu Nato und EU 

Russland gründet eigene Wirtschafts- und Verteidigungsunion 

Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU, EAEU, EEU[) ist ein Zusammenschluss von Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland zu einem Binnenmarkt mit Zollunion im Nordosten Eurasiens. Die Wirtschaftsunion ging mit Wirkung zum 1. Januar 2015 aus der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft hervor und ist strategisch ein Gegenpol zur EU. 

Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, kurz: OVKS englisch Collective Security Treaty Organization – CSTO) ist ein von Russland geführtes internationales Militärbündnis wurde 1992 gegründet. 

Die NATO-Vorneverteidigung 

Seit 2014 stationiert die NATO – in Rotationen – Truppen – in sehr geringer Stärke – in Osteuropa. Stehende Truppen wären der NATO – nach Vertrag – nicht erlaubt. Diese Kräfte sind neben den nationalen Kräften der einzelnen Staaten. Die Verbände sind nicht mobilisiert. 

Truppenaufmarsch beängstigt Ost und West 

Das russische Dispositiv aus Expertenquellen 

Landkomponente in Westlicher strategische Richtung: Die 20. Armee als Teil der dritten und 144. mechanisierten Division geschaffen. Gleichzeitig sind taktische Iskander-Raketensysteme mit der 448. Raketenbrigade in der 20. Armee einsatzbereit. In südwestlicher strategischer Richtung wurde die 8. Armee mit kombinierten Waffen als Teil der 150. mechanisierten Infanteriedivision, der 20. mechanisierten Infanterie-Brigade und der Operationsabteilungen des ersten und zweiten Armeekorpses eingerichtet. Die Zahl der russischen Bodentruppen entlang der ukrainischen Grenze umfasst etwa 100’000 Personen, bis zu 1’100 Panzer, bis zu 2’600 gepanzerte Fahrzeuge, bis zu 1’100 Artilleriesysteme, bis zu 360 Raketenartilleriesysteme und 18 einsatzbereite taktische Raketensysteme. Die Truppenstärke kann bis auf ca. 175’000 Soldaten erhöht werden. Für die Besetzung der Ukraine sind ca. 20 bis 25 Divisionen notwendig – so Experten. Luftwaffenstützpunkte an der ukrainischen Grenze: Insgesamt sind rund 330 Kampfflugzeuge und 230 Hubschrauber auf Luftwaffenstützpunkten nahe der ukrainischen Grenze stationiert. Dazu kommen: Einheiten er 

35. und 36. Armee aus der Mongolei – Grenze zu China – dynamische Gruppierung und Aufmarsch. 

Mobilisierung aus dem Stand 

Mobilisationszentren werden ausgebaut. Army, Air-Force, und Navy können als Joint Batle-Group überraschende Operationen– aus dem Stand – ohne sichtbaren Mobilisierung – durchführen. Sie werden von Satelliten und Drohnen zur Aufklärung und Cyberoperationen unterstützt 

Putin könnte die Salamitaktik aus der Sowjetzeit fahren. Länder werden tranchiert und dann «geschluckt». Beispiele dafür sind: Ossetien, Abchasien in Georgien, die Krim samt Region Donbass, Transnistrien in der Moldau. Moskau unterstützt geschickt gegen Brüssel gerichtete Akteure oder schmeichelt Serbien für dessen nationalistischen Leidenschaften. Das Ziel des Kremls dürfte sein, Osteuropa fein säuberlich zu zerlegen, um sich für die Kränkung von 1989 Glasnost und Perestroika zu revanchieren. Vor allem aber seinen «Vorhof» – auf Kosten von souveränen Staaten zurück-zu- gewinnen. 

Möglicher Russischer Invasionsplan 

Sollten russische Truppen die Ukraine überfallen, so würde Europa eher nicht direkt intervenieren. Die UKR ist nicht NATO Mitglied ist. Hingegen wird die UKR von der EU und den USA substanziell mit Rüstungsgütern und Beratung unterstützt. Moskau wird mit einschneidenden Sanktionen rechnen müssen 

Der russische Aufmarsch an der Grenze. Bedrohung von Norden Osten und Süden gleichzeitig – die Batle Group. Dezember 2021 

PSYOPS die Umdrehung der Tatsachen durch den Kreml 

Die Sprachrohre des Kremls. Freie und kritische Presse gibt es in Russland kaum mehr.

«Ante bellum silent veritas». Vor dem Krieg schweigt die Wahrheit. 

«…..die Nordatlantische Allianz verstärkt ihre Präsenz in der Nähe der russischen Grenzen». Kommentar: Der eigene Truppenaufmarsch mit über 100’000. Soldaten samt schwerem Gerät an der Grenze zur UKR wird weggeschwiegen. 

Insgeamnt 93 taktische Battalonskampfgruppen – in ca. 9 Battle-Group stehen teilweise 20 km von der ukrainischne Grenze entfernt zur Ukraine im Bereitschaftsraum. Stand Februar 2022 

Neue Truppen im Februar 2022 

Möglicher Einmarsch von Norden. Osten und Süden. Die Abriegelung des Gefechtsfeldes gegen Westen mit Luftlandetruppen. 

Was tut Europa? 

Die USA bewies in der Übung «Defender Europe 21», dass sie rasch Truppen aus den USA nach Europa verlegen und einsetzen kann. Das weiss der Kreml genau. Wegen der Bedrohung der Ukraine durch Russland hat die NATO die Einsatzbereitschaft ihrer schnellen Eingreiftruppe VJTF und Seestreitkräfte deutlich erhöht. 

Das Baltikum, Schweden und Finnland fühlen sich von Russland bedroht 

Schweden hat seine Insel Gotland militärisch besetzt. Würde Russland die Insel «präventiv» besetzten, dann könnte der Kreml mit S-400 Raketen das Baltikum und das Nordeuropa im Luftraum bedrohen. Die neutralen Finnland und Schweden pflegen einen intensiven Austausch mit der NATO. Ein Betritt der beiden Neuralen wäre über Nacht machbar – so NATO Generalsekretär Stoltenberg.

Moskau hat von der Schweiz eine Stellungnahme zu den Forderungen des Kremls an die NATO eingefordert, Der langjährige Diplomat Tim Goldmann hat Bern geraten, die Anfrage nicht zu beantworten. 

Streitkräftevergleich RUS vs UKR 

Note: Helicopters includes all such aircraft, including attack helicopters. Published on January 21, 2022 Data as of January 2022 

Somit stehen drei mögliche Szenarien- ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit- im Vordergrund. 

In allen Fällen hat das auseinanderdividieren der NATO und der EU wichtigste Priorität für Moskau. Vor allem möchte der Kreml einen Keil zwischen Europa und die USA treiben. Obendrein ist damit zu rechnen, dass Moskau in absehbarer Zeit ein Manöver seiner Nuklearstreitkräfte abhält. 

Im Falle einer Besetzung der Ukraine durch RUS ist gleichzeitig – oder leicht versetzt – die Einnahme von Taiwan durch China denkbar. Die Staatschefs haben sich in Peking de facto den Blankoscheck dazu ausgestellt. 

Erstens Szenario: Die Ukraine wird als Gesamt 

es von Russland einverleibt. 

Je grösser – und glaubwürdiger – der Kreml den Druck des Westens sprich USA und NATO –spürt, desto weniger wahrscheinlich ist das Annektieren der Ukraine. 

Falls Putin den Schritt wagt, dann wird sofort eine pro russische Regierung etabliert. Fundamentalopposition ist dem Kreml sicher. Zaren – und UdSSR – unterdrückten Sprache und Kultur der Ukrainer. Das kann mittel- und langfristig ein hoher Preis für Moskau sein. 

Demonstrationen in Kiew gegen Russland 

In hohem Tempo baut die Ukraine eine Landwehr aus Freiwilligen auf, die im Kriegsfall ihre Städte verteidigen soll.

Zweitens Szenario: Teile der Ukraine im Osten und am Schwarzen Meer werden von Moskau annektiert. Hier sind auch amphibische Operationen aus dem Schwarzen Meer denkbar.

Die Russischen Truppenlager nahe Kursk 

Somit wird die Ukraine vom Schwarzen Meer getrennt und seine Navy Port und Air Bases verlieren. Das NATO-Land Rumänien wird russischer Nachbar. 

Gleichzeitig – oder als zweiter Schritt – in Szenario 2 ist die Besetzung der Ostukraine 

Im Osten der Ukraine liegen die wichtigen Industriegebiete. Vor allem die Forschung, Entwicklung und Produktion im Bereich Space, Flugzeugtechnik haben grosses know-how. 

Das HQ der RUS Schwarzmeerflotte: Sewastopol 

Ost und Küstenbedrohung als Zange. Die Vollbesetzung der ganzen Ukraine kann auch innert 1-2 Jahren verzögert erfolgen. Kiew kommt grosse Bedeutung zu. Russische und Belarussische Zange. 

RUS rechnet mit Verwundeten. Feld-Lazarett-Städte. Satellitenbilder sind statisch und zeigen einen Ist-Zustand.

Die Bewertung der Dynamik der Hintergründe hat Grenzen und Interpretationsspielraum. 

Die Rüstungsindustrie 

Ein signifikanter Teil der Bevölkerung an der Schwarzmeerküste und der Ost-Ukraine ist russisch stämmig. Stalin siedelte – insbesondere 1940 – im Baltikum und der Ukraine Russen an 

um damit die Kontrolle für den Kreml auf- und auszubauen. 

RUS, GB und US Firmen buhlen um die «Beute» 

Die Erdölindustrie 

Die Ukraine ist reich an Bodenschätzen Erdöl, Erdgas, Eisen-, Manganerz, Stein-, Kalisalze, Schwefel, Quecksilber, Graphit, Magnesium, Kaolin, Nickel, Salze, Titan. 

Vor der Küste der Krim liegen große, noch nicht erschlossene Öl- und Gasvorkommen 

Russland hätte so wichtige strategische Ziele erreicht. Es erhält die erstklassige Industrie im Osten und entzieht der Ukraine die Marinefähigkeit im Schwarzen Meer Die Wirtschaftslage der Ukraine wird schlechter. Ohne Friedensvertrag ist ein NATO Beitritt der UKR ausgeschossen. 

Drittens Szenario: Deeskalation mit unterschiedlichen Grautönen 

Die Ost-Ukraine und das Küstengebiet ist eher pro russisch., Das Zentrum und der Westen sind tendenziell westlich orientiert. 

a) Die Parteien (RUS, USA, NATO und UKR) einigen sich – ohne Krieg – auf eine territoriale Abtretung ukrainischer Gebiete – auf der Linie der Russischen Interessen. Ein NATO- Beitritt der Rest-Ukraine wäre im Deal möglich aber wenig wahrscheinlich. 

b) Die Ukraine wird als Ganzes oder wie in Szenario 2 abgebildet zur Rest-Ukraine. Sie wird – wie Finnland nach dem finnisch-russischen Krieg – zum neutralen Puffer. Denkbar sind hier aber parallele Handelsabkommen mit der russisch dominierten Eurasischem Union im Osten und der EU im Westen 

Russland profitiert von der Neutralisierung. Offen wäre die territoriale Teilung der Ukraine. 

c) Deeskalation durch Rüstungskontrolle und entmilitarisierten Korridor Ost-West Beschränkungen für Mittelstrecken-Atomwaffen, Luftwaffen-Stützpunkte und schwere Mittel. Die neuen Mittelstreckenwaffen im Hinterhof der USA in Venezuela könnte Putin im Gegenzug abziehen? Dies bedingt Abrüstungsvertrag – samt OSZE Kontrollen. Kurz die Rückkehr zu Rüstungsbeschränkungen und Rüstungskontrolle. 

Interessen und Interessensphären des Kremls 

Moskaus Interessensphäre beinhaltet fast jede grössere sicherheitspolitische Herausforderung der Gegenwart. Im Osten wächst China zur globalen Supermacht. Östlich liegt die Nuklearmacht Nordkorea. Im Süden ist die Atommacht Pakistan, verflechtet mit den Konfliktherden Afghanistan und Indien. Ein anderer Nachbar Russlands ist Iran – das intensiv nach nuklearer Bewaffnung strebt. Russland und China betreiben die grössten Waffenexporte an Teheran. Die aktuellen Unruhen in Kasachstan wecken Erinnerungen an die «Farbenrevolutionen» in Georgien 2003, der Ukraine 2004 und Kirgistan 2005. 

Moskau weiss sehr wohl um Pekings territoriale Begehrlichkeiten im Kaukasus. Darum dürfte Moskau im inneren Kreis die alten Sowjetrepliken in einer neuen zentralistischen Russischen Union einbinden wollen. Es sichert sich den Zugriff auf rohstoffreiche Gebiete und Kornkammern. Der äussere Kreis umfasst Osteuropa, Nordeuropa, Arktis und das Baltikum als «Vorhof» – und Venezuela, Honduras und Cuba als mögliche Standorte mit neuen Mittelstreckenraketen als «Hinterhof» gegen die USA? 

Ost und West buhlen um die Gunst der Ukraine 

Die Ukraine schwankte nach dem Fall der «Mauer» zwischen der EU und Russland. Die Zerrissenheit des Landes spiegelt sich auch in der Außenhandelsstatistik aber auch unter den Etnien. 

Zu guter Letzt 

Der Westen tut gut daran im Kreml keine Begehrlichkeiten durch Schwäche zu wecken. Das Münchner Abkommen zwischen DEU, GB, FRA und ITA von 1938 lässt tief blicken. Die Tschechoslowakei musste auf «Hitlers letzte Forderung» das Sudetenland an das Dritte Reich abtreten. Die Tschechoslowaken sassen nicht am Münchner Tisch. Das Dritte Reich war ermutigt -. der Anfang des zweiten Weltkrieges. Die Appeasement Politik hatte einen hohen Preis. 

Russlands Wirtschaft entspricht Italien. Sie schwächelt zurzeit. Moskau hat zwei starke Hebel: Die unermesslichen Rohstoffe und die Streitkräfte. Das Militärbudget liegt deutlich höher als öffentlich kommuniziert. An einem inneren Zerfall Russlands hat der Westen kein Interesse. Das hätte ungewisse Folgen. 

Moskau soll hingegen nicht zur Allianz mit Peking ermutigt werden. Das liegt nicht im Interesse des Westens. Gefragt ist die Deeskalation mit Gewinnern auf beiden Seiten. Der Auf- und Ausbau von tragfähigeren Handelsbeziehungen zwischen Europa, USA und RUS ist eine Chance. Dies jedoch keinesfalls mit territorialen Zugeständnissen.an Russland. Der Westen und RUS sind aus Fernost herausgefordert. Das ist wohl die grosse strategische Linie. Darum müssen die Interessen sortiert und gebündelt werden. 

Was hat Putin im Visier? Der russische Präsident verfolgt konsequent seine Ziele.