Noch so eine Räubergeschichte — Stasi-Agent war Hochstapler

Standard


Mit unglaubwürdigen Texten aus dem Dunstkreis ausländischer Geheimdienste macht die Schweiz seit dem Auffliegen der Crypto-„Hintertüren“ so ihre Erfahrungen. Auch Deutschland wird von einer Räubergeschichte aus dem Kalten Krieg heimgesucht.

  • Einer der vermeintlich „tüchtigsten“ Stasi-Agenten in der Bundesrepublik, Karl-Heinz Kaerner, betrog den gefürchteten DDR-Geheimdienst nach Strich und Faden. Das belegt der Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs in einer Untersuchung, die er in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft veröffentlichen wird.
  • Kaerners angebliches Meisterstück war ein Geheimdokument, das er im Panzerschrank von General Hans Speidel entdeckt haben wollte. Speidel war von 1957 an NATO-Befehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Mitteleuropa.
  • Kaerners „Fund“ trug den verheissungsvollen Titel: „Befreiung der Sowjetischen Besatzungszone und Wiedervereinigung Deutschlands durch militärische Besetzung des Mitteldeutschen Raums bis zur Oder-Neisse-Linie“.

Gegen die sowjetischen Garde-Armeen?

  • Im Klartext: Die NATO sollte die DDR bis zur polnischen Grenze militärisch in Besitz nehmen — zwecks deutscher Wiedervereinigung mitten im Kalten Krieg. Und das gegen die sowjetische 1. Garde-Panzerarmee und die 8. Garde-Armee mit der 20. Garde-Panzerdivision (T-54 und T-10).
  • Als der DDR-Diktator Ulbricht am 13. August 1961 den Bau der Berliner Mauer befahl, um die Massenflucht aus der DDR zu unterbinden, zog er das Dokument aus der Schublade, dem Kaerner den Code „DECO II“ gegeben hatte: Die DDR müsse sich gegen den Angriff der Bundeswehr und der NATO verteidigen.
  • Aber Kaerners Papier war eine raffinierte Fälschung.
  • Eigentlich hätte die Stasi ihren „faulen“ Agenten durchschauen können. Bevor ihm der DDR-Dienst auf den Leim ging, hatte Kaerner dem britischen M6 das Märchen aufgetischt, er habe Hitlers Stellvertreter Bormann in Afrika getroffen —Bormann war 1945 in den Ruinen von Berlin umgekommen.
  • In den Stasi-Akten lautet Kaerners Deckname „Kohle“.