Nichts gelernt?

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Gempenplateau – Gegenstand von Absprachen (tour).

In einer Hochglanzbroschüre von Pro Militia fordern die Autoren von der Schweiz rechtzeitige militärische Absprachen mit der NATO. Das ist überrissen, ja gefährlich.

Gemäss der jährlichen MILAK-Umfrage halten stets 95% der Schweizer an der bewaffneten Neutralität fest. Neutralität ist nicht beliebig, ist nicht zufällig, ist kein Wegwerfartikel. Die immerwährende Neutralität gehört zu den Säulen der Eidgenossenschaft.

Vor allem spricht die Erfahrung aus dem Zweiten Weltkrieg hart gegen den Vorschlag.

  • General Guisan, gewiss einer der grössten, wenn nicht der grösste Schweizer des 20. Jahrhunderts, ging mit Frankreich geheime Absprachen zum Gempenplateau im Solothurner Jura ein.
  • Als die Wehrmacht Frankreich im Mai/Juni 1940 überrannte, fielen ihr die entsprechenden Dokumente in die Hand.
  • Die deutsche Führung erkannte die Brisanz des Fundes und hatte fortan gegen Guisan ein tückisches Druckmittel in der Hand.
  • Der General unternahm mehrere Anläufe, um die bedrohliche Situation zu entschärfen. Er traf sich in Biglen mit dubiosen SS-Emissären und kompromittierte sich so zusätzlich.

Wer diese Erfahrung einfach ausblendet, hat aus der Zeitgeschichte nichts gelernt.

 

Artilleriesektoren vom Gempenplateu gegen Nord (gs).