BISS – Moskau: Oligarchen nicken

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Im Katharinensaal des Kremls: Wieder belehrt Putin Vasallen, diesmal sind es 37 Oligarchen.

Wieder liess Präsident Putin im Kreml Vasallen antraben. Diesmal hörten ihm im Halbrund des Katharinensaals 37 Oligarchen zu. Katharina Wagner, FAZ-Korrespondentin in Russland, hält fest:

  • Rund zwölf Stunden nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine, trafen sich Russlands mächtigste Wirtschaftsvertreter mit Präsident Wladimir Putin.
  • 37 Konzernchefs sassen hinter Masken und mit grossem Sicherheitsabstand vor Putin im prächtigen Katharinensaal des Kremls – dort, wo Putin drei Tage zuvor in Vorbereitung des Einmarschs die Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete beschlossen hatte.
  • Nun sassen 37 Männer im Saal, von denen viele am selben Tag Milliarden Dollar verloren hatten, weil die Börsenkurse ihrer Unternehmen am Vormittag ins Bodenlose gestürzt waren. Trotzdem hörten sie regungslos zu, wie Putin von dem Angriff als „notwendige Massnahme“ sprach: Es habe keine andere Wahl gegeben, da die Risiken für die nationale Sicherheit so hoch gewesen seien, dass unklar gewesen sei, wie Russland sonst „weiter hätte existieren können“.
  • Er bat die Konzernchefs um „Verständnis“ für den Einsatz und die „Restriktionen“, die es geben werde, und sagte, Russland werde trotz allem ein „Teil der Weltwirtschaft“ bleiben.
  • Von den Zuhörern meldet sich nur einer zu Wort, der Chef der Industriellen- und Unternehmervereinigung Alexandr Schochin. Er versicherte dem Präsidenten Solidarität: Das russische „Business“ habe seit 2014 gelernt, sich an Krisen anzupassen, und sich unter diesen Bedingungen sogar weiterzuentwickeln. Mit Unterstützung der Regierung und indem die Unternehmen „noch energischer, effektiver“ arbeiteten, seien die neuen Schwierigkeiten zu meistern.
  • Keiner im Katharinensaal merkte an, dass Russlands Wirtschaft durch den Krieg und seine Folgen um Jahre zurückgeworfen werden dürfte.