Minsk – Russlands Waffen beherrschen Parade

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Was den Russen der 9. Mai 1945 ist, das ist den Weissrussen der 3. Juli 1944. Damals befreite die Rote Armee die Stadt Minks von der Wehrmacht. Jedes Jahr feiert Belarus die Befreiung mit einer aufschlussreichen Parade. 2019 fiel diese zum 75. Jahrestag prachtvoll aus.

Innenpolitisch geriet die Feier zur Machtdemonstration des Präsidenten Alexander Lukaschenko, der im Staatswagen vorfuhr und in seiner Rede uniformiert zur Einheit aufrief. Befehligt wurde die Parade vom Verteidigungsminister, Generalleutnant Andrej Ravkov, und dem Generalstabschef, Generalmajor Oleg Belokonev.

Militärisch beherrschten russische Waffen die Parade zu 99%. Eine Ausnahme bildete der Mehrfachraketenwerfer Polonez, den Belarus mit China zusammen baute. Zahlreiche Fahrzeuge trugen das russische Georgsband – in Moskau seit dem 9. Mai 2015 die Auszeichnung für Verbände, die auf dem Roten Platz paradieren. Überhaupt wirkte der weissrussische Vorbeimarsch wie eine Kopie der alljährlichen Parade in Moskau.

China entsandte eine 96 Mann starke Ehrengarde aus Heer, Marine und Luftwaffe. Kasachstan, Armenien, Aserbeidschan, Tadschikistan und Usbekistan stellten Fahnendelegationen.

Die russische Armee demonstrierte ihre Kampfkraft am Boden mit einem massiven Marschblock ihrer 4. Gardepanzerdivision aus Naro-Forminsk, einer Abordnung auf BTR-82 und einer Batterie Iskander-Raketen, deren Stationierung in Kaliningrad Spannungen mit der NATO ausgelöst hatte.

In der Luft warteten die Russen mit ihren Langstreckenbombern Tu-160, Tu-95 und Tu-22 auf. Diese drei Typen bilden das Rückgrat der Luftkomponente der russischen Atomtriade. Im Zeichen des auslaufenden INF-Vertrags ist der Überflug der weitreichenden Bomber als politisches Signal zu verstehen.

Suchoi-30- und -34-Jagdbomber und der gefürchtete Kampfheli Kamov-52 komplettierten die Abordnung der russischen Luftwaffe.

Der weissrussische Block kam einheitlich im charakteristischen schwarz-grün-gelben Tarnanstrich daher. Erstmals paradierte ein Frauenbataillon in Marschformationen von jeweils zwölf Reihen zu 15 Frauen; gefolgt von Heerestruppen in derselben Konfiguration, an der Spitze Fallschirmjäger in deren typischen Kampfuniform mit runden Helmen und vorgehängter Waffe.

Vor der Parade waren rund 4000 Soldaten in riesigen Blöcken angetreten. Während Lukaschenkas Rede fiel keiner um. Einzig beim Vorbeimarsch verlor eine Frau den Schuh; aber sie marschierte tapfer weiter. Bei den gezeigten Waffen trat die Abhängigkeit von der russischen Rüstung hervor:

Bei den Panzern dominierten T-72, BRM-1 und BMP-2. Panzerabwehrwaffen: Konkurs, Shturm, Fagot, Metis.

Die Artilleriebataillone zeugten von der starken russischen Tradition mit Panzerhaubitzen 2S3 Akatsiya, 2S19 Msta-B (je 152 mm) und 2S1 Gvozdika, gezogenen Kanonen 2A65 Msta-B (152 mm) und Mehrfachraktenwerfern 9A52 Smerch, Polonez (je 300 mm), 9P140 Uragan (220 mm) und BM-21 Grad (122 mm).

Bei der Fliegerabwehr stachen Batterien aus den Brigaden S-300, 9K37 Buk und 9K33 Osa hervor.

Pionier- und Fernmelde-Verbände vervollständigten den Aufmarsch. Partisanen in Kleidern und mit Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg erinnerten an den hervorragenden Beitrag, den weissrussische Untergrundkämpfer im Kampf gegen Nazi-Deutschland geleistet hatten. Und der obligate Jahrhundertpanzer T-34 führte die Parade an.

Weissrussland hat 9’550’000 Einwohner und misst 207’600 Quadratkilometer. Die aktive Armee umfasst 45’350 Mann, gegliedert in das Heer mit 10’700 Mann, die Luftwaffe mit 11’750 Mann, die Spezialkräfte mit 5’900 Mann und Joint-Verbänden von 17’000 Mann. Die Reserve zählt 289’500 Mann. Dem Innenminister unterstehen 110’000 Mann, gegliedert in 12’000 Mann Grenztruppen, 11’000 Mann Staatspolizei und 87’000 Mann Miliz.