Liubov Tsybulska – Kiews schärfste Propagandawaffe

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Liubov Tsybulska ist die ukrainische Waffe im Propagandakrieg gegen die Russen.

Podium: Tsybulska (sitzend, 1. von links).

 

Siehe auch > Wie Kiew Freund und Feind propagiert

Propagandakrieg gegen Russland

Neben dem drohenden Krieg mit Waffengewalt tobt um die Ukraine auch eine Propagandaschlacht. Das deutsche Magazin “Loyal” stellt Liubov Tsybulska vor. Die Ukrainerin leitet in Kiew das staatliche Zentrum für strategische Kommunikation. Die ehemalige Zeitungs- und Fernsehjournalistin analysiert mit sieben Mitarbeitern die russische Propaganda und versucht, mit eigenen Narrativen dagegenzuhalten.

Tsybulska arbeitet auf drei Ebenen:

  • Es geht zum einen um die operative russische Propaganda entlang der Front,
  • zum anderen um die Propaganda Russlands in der Ukraine
  • und schliesslich um strategische Propaganda aus Moskau, um die internationale Meinung zu beeinflussen.

Perfide Methoden

Seit 2017 setzt Russland Propagandaeinheiten ein. Eine besonders perfide Methode schildert Tsybulska: „Entlang der Front werden WLAN-Hotspots aufgebaut, in die sich unsere Soldaten einwählen können, um mit ihren Angehörigen zu kommunizieren.“

Das sei eine Versuchung. „Die Russen eignen sich dann die Kontaktdaten aus den Handys der Soldaten an und verschicken an die Mütter, Freundinnen und Verwandte Nachrichten, in denen sie ankündigen, dass die Söhne, Verlobten und Freunde an der Front sterben werden, wenn sie nicht ihren Dienst aufkündigen. Das soll die Moral unserer Truppe untergraben.“

Die Beeinflussung der ukrainischen Öffentlichkeit läuft nicht selten über das Mittel der Gräuelpropaganda. Zum Beispiel, als die prorussische Seite vor einigen Monaten behauptete, ein kleiner Junge sei im Donbass durch eine ukrainische Drohne getötet worden.

Tsybulska: „Diese unbewiesene Behauptung ging dann viral.“ Schon 2016 haben ukrainische Stellen das russische Fernsehen in der Ukraine abgeschaltet. Entlang der Front gelingt es den prorussischen Propagandisten immer wieder, sich auf die ukrainischen Radio- und Fernsehkanäle aufzuschalten, sie „umzudrehen“ und auf deren Frequenzen ihre eigenen Sendungen auszustrahlen.

Putin beteiligt an Propaganda

Kiew streut weit verbreitet Beweise für den russischenAufmarsch: Neues Lager im strategischen Raum Woronesch.

Auf internationaler Ebene arbeiteten die Russen, so Tsybulska, an einer Diskreditierung der ukrainischen Position, indem sie Schlüsselbegriffe wie „Faschisten“ oder „Srebrenica“ in die Welt setzen. Der russische Präsident Wladimir Putin selbst beteiligt sich an dieser strategischen Propaganda; so schrieb er kürzlich einen weltweit beachteten Artikel, in dem er behauptete, Russen und Ukrainer seien eigentlich ein Volk, und Russland sei der legitime Nachfolger des mittelalterlichen Reichs des Kiewer Rus.

Tsybulska und ihr Team versuchen, die russischen Fake-News zu entlarven und mit Informationen zu kontern. Deutungshoheit ist im modernen Krieg ein Erfolgsfaktor. Tsybulskas Mittel sind indes begrenzt. „Wir sind nicht Russia Today“, sagt sie.