Lesestoff – Kampfpanzer unter der Lupe

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Beschäftigt westliche Experten: T-14 Armata (dod).

Zum vertieftet Lektüre folgen drei Expertenbeiträge zu Kampfpanzern:

  • Interview mit dem Briten Nicholas Drummond: Vergleich zwischen dem russischen T-14 Armata und der westlichen Planung, vom deutschen Autor Gernot Kramper (Stern).
  • Ein Text von Gernot Kramper zur geplanten 130-mm-Panzer-Kanone von Rheinmetall für den Leopard-3 (Stern).
  • Robert Beckhusen: Can a Russian T-90 Tank Survive an Attack from a U.S. TOW Missile? (National Interest)

Kampfpanzer T-90 auf dem Roten Platz (dod).

 

Lesestoff 1 > Interview von Gernot Kramper (Stern) mit dem Briten Nicholas Drummond: “Wenn die Deutschen mit dem Leopard-3 loslegen …”

Der T-14 Armata ist der derzeit modernste Kampfpanzer. Was haben die Russen richtig gemacht? Was kann der Westen vom T-14 lernen?

Der T-14 Armata besitzt vier herausragende Eigenschaften:

  • 1. Er hat eine zentrale Kapsel für die Besatzung mit zusätzlicher Panzerung. Sie bietet einen sehr hohen Schutz für einen kleinen Raum.
  • 2. Die Hauptwaffe befindet sich in einem unbemannten Turm, der ferngesteuert wird. Die Besatzung ist vollständig vom Munitionslager getrennt.
  • 3. Diese Konfiguration mit einem unbemannten Turm erhöht nicht nur die Überlebensfähigkeit der Besatzung, sondern ermöglicht auch eine deutliche Gewichtsreduzierung auf ca. 48-50 Tonnen. Das führt zu einem erstaunlichen Leistungsgewicht und zu mehr Mobilität.
  • 4. Eine neue 152-mm-Kanone soll die jetzige 125-mm-Kanone des T-14 ersetzen. Wenn dies geschieht, wird der T-14 in der Lage sein, alle NATO-Panzer, einschließlich Leopard 2, zu bekämpfen, ohne in deren Reichweite zu geraten. Wenn das geschieht, sind unsere Panzer hoffnungslos unterlegen.

Spekulation: Sieht dereinst so der Leopard-3 aus? (kmw)

Oder so? (mt)

Mit diesem Turm? (mt)

Welche Fähigkeit braucht der Tank der Zukunft?

Es gibt sechs wesentliche Faktoren bei der Entwicklung eines Panzers:

  • Firepower: Wie tödlich ist er?
  • Schutz: Wie überlebensfähig ist er?
  • Mobilität: die Beweglichkeit auf der Straße und im Gelände.
  • Connectivity: die Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen Fahrzeugen
  • Nachhaltigkeit: seine Zuverlässigkeit, Effizienz und der logistische Fußabdruck
  • Flexibilität: das meint die Anpassungsfähigkeit der Plattform

Wie verhält es sich mit der Panzerbesatzung – drei oder vier Mann?

  • Die Voraussetzung für jedes zukünftige Tankdesign ist die Reduzierung von Grösse und Gewicht, ohne die Überlebensfähigkeit zu beeinträchtigen. Dies wird zu Panzern mit einem kleineren, geschützten Rauminhalt führen. Um dies zu erreichen, wird die Besatzung verkleinert, möglicherweise auf nur noch drei Mann.
  • Eine weitere Anforderung an den zukünftigen Schutz der Besatzung ist die Trennung vom Munitionslager. Das ist möglich – wenn die Kanonen in einen ferngesteuerten Turm mit einem automatischen Lader montiert werden.
  • Angesichts der Kosten für die Entwicklung gepanzerter Fahrzeuge und der kleinen Serienstückzahlen, muss der nächste Kampfpanzer auch als Plattform für Schützenpanzer und selbstfahrende Artillerie verwendet werden.
  • Eine der größten zukünftigen Entwicklungen im Design von Kampffahrzeugen kann die Umstellung von Ketten auf Rädern sein.

Leopard-2 – derzeit Deutschlands Standardpanzer (bw).

In der Zukunft soll es Panzer mit Elektromotoren geben. Anstatt Stahl soll die Panzerung aus Carbon bestehen – was sagen Sie zu solchen Konzepten?

Das sind Visionen. Mit dem Einbau von elektrischen Nabenmotoren in jedes Rad, wird ein Radpanzer mobiler sein als ein gleichwertiges Kettenfahrzeug. Da ein elektrischer Antrieb sehr viel kleiner als Dieselmotoren ist, hätte das viele Vorzüge. Aber da wir wahrscheinlich ein Jahrzehnt von einer entsprechenden Batterietechnologie entfernt sind, wird die nächste Tankgeneration sicher noch einen Dieselmotor besitzen.

Aber die Panzer werden leichter werden. Neue, besonders leichte Verbundpanzerungen sind in der Entwicklung. Graphen und andere Kohlenstoff-Allotrope wiegen nur einen Bruchteil des Gewichts von Stahl, können aber um ein Vielfaches stärker sein. Wir erwarten aber auch innovative Entwicklungen bei den auf Panzern montierten Waffen. Hochgeschwindigkeitsraketen mit Hyperschall könnten den aktiven Schutz moderner Panzer überwinden. Auch elektromagnetische Impulswaffen (EMP) könnten die Panzerkriegsführung revolutionieren. Sie könnten alle elektrischen Systeme zerstören und einen Panzer stilllegen, ohne die Besatzung zu töten.

Immer wieder hört man von Roboter-Panzern. Auch wenn der Begriff etwas übertreibt, denn es handelt sich bislang um ferngesteuerte kleine Drohnen-Panzer.

Eine Entwicklung der nahen Zukunft sind unbemannte Landfahrzeuge (UGV). Ferngesteuerte Panzer benötigen weniger Schutz, können bei hoher Kampfkraft also kleiner und leichter werden. Sie sind mobiler, einfacher zu implementieren und kostengünstiger.
Ein Zukunftskonzept, das derzeit erprobt wird, sind Panzer-Paare. Wobei nur noch ein Panzer eine Besatzung hat und der andere unbemannt ist. Der zweite Tank dient als “Wingman”, der ein effizientes gemeinsames Feuer ermöglicht.

Amerikas Hauptpanzer Abrams (aus).

Wird der Nachfolger des Leopard-2 oder des amerikanischen M1A2-Abrams einem radikalen Design folgen? Eines, das diese Elemente aufnimmt?

Möglicherweise. Doch was man auch machen möchte, der Panzer muss vor allem effektiv und zuverlässig im Kampf sein. Ich denke, dass wir eher eine evolutionäre als revolutionäre Entwicklung erleben werden.
Natürlich ist Russlands Erfolgsbilanz in der Panzerentwicklung sehr beeindruckend. Doch kein Land hat mehr Erfahrung und Kompetenz als Deutschland. Ich gehe davon aus, wenn die Deutschen mit dem Leopard-3 loslegen, kann es mit dem Vorsprung des T-14 vorbei sein.

 

Lesestoff 2 > Gernot Kramper: 130-mm-Kanone soll Putins Panzer knacken

In Paris hat die Rüstungsschmiede Rheinmetall eine neu entwickelte Glattrohr-Panzerkanone gezeigt. Mit einem mächtigen Geschoss und dem 130-Millimeter-Kaliber soll sie es mit Putins Armata-Panzer aufnehmen.

130-mm-Panzerkanone von Rheinmetall mit zwei Munitionstypen (rm).

Als Einsatzzweck hat Rheinmetall einen neuen Panzertyp genannt. “130mm-Waffenanlage L/51 ist ein in Eigenentwicklung entstandener Demonstrator für eine Hauptbewaffnung einer künftigen Kampfpanzergeneration.” Gemeint ist der Nachfolger des Leopard-2 mit der Bezeichnung “Main Ground Combat System” (MGCS), der gemeinsam von Frankreich und Deutschland entwickelt wird, in Deutschland aber Leopard-3 genannt wird.

Es wird angenommen, dass sich die Kanone auch dazu eignet, bestehende Panzertypen zu modernisieren. Das wäre nötig, weil der MGCS kaum vor 2030 einsatzbereit sein wird. Die neue Kanone könnte ein wichtiger Baustein sein, um Panzer wie den Leopard 2 so auszurüsten, dass er russischen Panzern wie dem T-90 und dem neu entwickelten T-14 Armata entgegentreten kann.

Die russische Armee hat 350 T-90 im Dienst. Die derzeitige Hauptwaffe des Leopard-2 soll schon die verbesserte Panzerung des T-90 nicht durchschlagen können. Neuartige aktive Verteidigungssysteme zerstören Anti-Panzer-Raketen wie die TOW im Anflug. Tatsächlich könnte sich so die Situation ergeben, dass die Bundeswehr über kein geeignetes Kampfmittel verfügt, das die modernen russischen Panzer aufhalten könnte.

 Die bisherigen Panzerkanonen von Rheinmetall nutzen das Kaliber 120 Millimeter. Die Entwicklung einer Kanone von 140 Millimetern wurde gestoppt, weil sie sich nicht in die bestehenden Türme integrieren ließ. Die Lauflänge der neuen Waffe dürfte das 51-fache des Kalibers betragen. Das ganze System mit dem Verschluss soll drei Tonnen wiegen, das Rohr allein 1400 Kilogramm. Insgesamt soll die Leistungsfähigkeit 50% über der 120-mm-Kanone liegen.

Parallel wurde ein neues panzerbrechendes Geschoss entwickelt. Wie schon bisher soll auch das neue Wuchtgeschoss vom Typ APFSDS einen Kern aus Wolfram besitzen. Die Bundeswehr wird also auch in Zukunft auf abgereichertes Uran für panzerbrechende Munition verzichten. Erste Erprobungen finden bereits im Sommer statt. Mit einer Serienproduktion wird allerdings erst ab 2025 gerechnet. Russland baut mit dem T-14 Armata den modernsten Kampfpanzer der Welt. Deutschland braucht noch Jahre für ein Gegenstück. So lange muss der Leopard-2 in einer neuen Version durchhalten.

 

Lesestoff 3 > Robert Beckhusen: Can a Russian T-90 Tank Survive an Attack from a U.S. TOW Missile? (National Interest)

Russischer T-90-Kampfpanzer (dod).

The Shtora is an electro-optical jammer designed to disrupt guided missiles. It’s not clear if the jammers were switched on, or didn’t work, when the Hawks Mountain Brigade opened fire. Russian media has also reported that the particular tank was an earlier version of the T-90, so more recent upgrades, such as the T-90A which boasts a modified turret, should fare better.

For all the videos coming out of the Syrian civil war, a one minute, 31-second clip of a U.S.-made TOW missile slamming into a T-90 tank got more attention than most. In the video uploaded in February, Russia’s most advanced operational battle tank met one of the United States’ main tank killers on the battlefield.

The T-90 was Russian made, but likely crewed by Syrian troops. The missile was supplied by the United States — most likely via Saudi Arabia or the CIA — to the Hawks Mountain Brigade fighting near Aleppo.

For the participants, the whole experience might have been terrifying. For most of the rest of the world, it was a chance to see what happens when state-of-the-art hardware from two major world powers violently collide in the Middle East.

The only good news is that nobody appeared to get killed. What happened to the tank … well, no one who watched the video was exactly sure.

We saw the wire-guided missile bob toward the T-90, which was parked on a crest between two low-slung buildings. Then the missile hit the tank’s turret with a tremendous flash which sent up a cloud of smoke. One of the crew members bailed and the video ended.

There was no fire and the tank didn’t “brew up,” meaning the fuel tank didn’t ignite and burn the crew to death. (The Syrian army has lost thousands of tanks since the war began in 2011.) This one, it seemed, survived.

A recent photograph circulated on Russian military forums shows what the tank looked like after impact. Sure enough, the T-90’s Kontakt-5 reactive armor appeared to save it. Reactive armor explodes outwards and stops incoming missiles from penetrating into the tank and killing the crew.

The Research Institute of Steel, a Russian company which makes reactive armor plates for the T-90, was pleased. The crew lived, according to Russian press reports, and the only visible damage was on one of the T-90’s two Shtora transmitters, which hanged limp in the photograph. However, the angle of the photograph only shows a glimpse of the side of the turret which was hit.

The Shtora is an electro-optical jammer designed to disrupt guided missiles. It’s not clear if the jammers were switched on, or didn’t work, when the Hawks Mountain Brigade opened fire. Russian media has also reported that the particular tank was an earlier version of the T-90, so more recent upgrades, such as the T-90A which boasts a modified turret, should fare better.

The photograph doesn’t tell us much more than add more evidence to what everyone already expected — that the missile disabled the tank, but didn’t destroy it. The T-90 was knocked out of the fight, and the Syrian army soon withdrew it to a repair plant, according to the Russian trade journal Military-Industrial Courier.

The main thing is that the armor appeared to accomplish its job. Losing a tank from the front line is one thing — it can always be replaced or repaired. The Syrian army was likely relieved to have saved the crew from being killed.