Lagenachführung von 10.45 Uhr MEZ

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Der Dnjepr separiert das Land in West und Ost, nicht nur geografisch.

Siehe auch > Die 3. Schlacht um Kiew hat begonnen

Von der einsetzenden Schlacht um Kiew kommen die Nachrichten naturgemäss dichter als von den anderen Brennpunkten, die sich von Lemberg im äussersten Westen bis zu den abtrünnigen “Republiken” Donezk und Luhansk im Donbass erstrecken.

Über die Gefechte an der Nord-, der Ost- und der Südfront senkt sich der Nebel des Kriegs. Und die scharfe Propaganda beider Parteien tut das ihre. Bismarck wusste: “Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, im Krieg und nach der Jagd.”

Was steht fest?

  • Präsident Putin führt einen umfassenden Krieg zu Lande, zur See und in der Luft. Russland greift an, konventionell, mit Cyber, Spionage und offenbar auch Sabotage (Speznaz).
  • Ein strategisches Hauptziel ist Kiew – mit der Absicht, die prowestlichen Kräfte um Präsident Selensky zu entmachten und in der Hauptstadt ein Vasallenregime einzusetzen.

Die Russen haben die Grenze an allen Fronten überschritten. Das 152-mm-Standardgeschütz 2S19 MSTA.

  • Die russische Armee hat mit ihren Offensivstössen die ukrainische Grenze an allen Fronten überschritten und steht am Morgen des zweiten Kampftages in unterschiedlicher Tiefe auf gegnerischem Territorium. Die Tiefe des Vorstosses lässt sich an den Brennpunkten ablesen, aus denen von schweren Kämpfen berichtet wird.
  • Die ukrainischen Streitkräfte verloren früh die Kontrolle über ihren Luftraum. Terrestrisch leisten sie jedoch erheblichen Widerstand.
  • Wie erwartet nimmt die russische Führung – in langer Tradition, die tief in die Zaren- und Sowjetzeit zurückreicht – Verluste in Kauf, auch in Bezug auf Gefallene. Gleiches gilt für die Ukrainer: Sie verteidigen ihr Land, ihren Boden, ihre Städte und Dörfer, ihre Familien.

Ukrainische Gegenwehr an der Front zwischen Tschernobyl und Kiew.

Brennpunkte

  • An der Spitze, wie gesagt, Kiew (2’528’000 Einwoner).
  • Im Westen Lemberg (Lwiw), Iwano-Frankiwsk, Luzk
  • Im Norden Tschernobyl (von Russen unter ABC-Schutz besetzt), Sumi (24 km von der Grenze entfernt).
  • Im Osten Charkow (zweitgrösste Stadt des Landes, 1’609’000 Einwohner, russischsprachiger Anteil 75%, Zentrum 46 Kilometer von der Grenze entfernt, Zwischenziel desvon Belgorod ausgehenden Stosses), “Republiken” Donezk und Luhansk, gemäss russischen Angaben Vorstoss von 15 Kilometern, Zwischenziel Kramatorsk nicht erreicht).
  • Im Süden Mariupol am Asowschen Meer (schwer beschossen, Flugplatz zerstört, offenbar in ukrainischer Hand), Landenge von Perekop (russischer Durchbruch von der Krim her, Ausgangspunkt  der Angriffe nach Osten und Westen, eventuell auch nach Norden in Richtung des Knotens Dnipro), Cherson (heftige Kämpfe), Odessa (drittgrösste Stadt, 1’029’000 Einwohner, strategisches Ziel, in ukrainischer Hand)
  • Im Zentrum am Dnjepr die Stadt Dnipro (strategischer Knoten in alle Richtungen, Ziel andauernder Beschiessung mit weitreichenden Waffen, Zerstörung militärischer Infrastruktur, Waffenplatz der ukrainischen Armee, Friedensstandort mehrerer grosser Verbände).

Für Geschichtsfreunde

Charkow war von 1941–1943 Ort mehrerer schwerer Schlachten. Die Grossstadt wechselte mehrmals die Hand. Mansteins Rückeroberung vom 14./15. März 1943 galt als “letzter grosser Sieg der Wehrmacht”. Hernach aber erlangte die Rote Armee die Oberhand.

Die 2. Schlacht um Charkow.