Lagenachführung 13.15 Uhr MEZ

Standard

 

Über die Mittagsstunde beginnt sich Clausewitzens “Nebel des Krieges” etwas zu lichten.

Sensationelle Bilder aus Mariupol (so sie echt sind)

Wahrhaft sensationelle Bilder kamen gegen 12 Uhr MEZ aus dem Vorland der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. Identische Bilder strahlten der russische Propagandasender Russia Today RT und die arabisch-katarische Station al-Jazeera aus. Letztere sendet ihr englischsprachiges Programm aus London, wo eine durchaus professionelle britische Redaktion am Werk ist.

Die Bilder zeigen eine lange, trockene, zweispurige Landstrasse am Asowschen Meer, gesäumt von Bäumen. Offenbar in Richtung Osten rollt unbehelligt eine endlose Kolonne russischer Raupenfahrzeuge: Kampfpanzer, Schützenpanzer, Flabpanzer, Kommandopanzer, Radarwagen, Lastwagen, alles modernes Kriegsgerät. Sie verschieben nicht etwa im Fliegermarsch: gegliedert in Pakete, die so weit auseinander fahren, dass sich ein Erdkampf-Angriff nicht lohnt. Nein, sie fahren dichtauf: das sichere Zeichen, dass Russland an dieser Stelle die Luftüberlegenheit früh errungen hat.

Weder RT noch al-Jazeera berichten, woher die Kolonne kommt. Es wird nur angegeben, dass sie sich ganz in der Nähe von Mariupol befindet und damit nahe am ukrainischen Hafen, der am Morgen von russischer Schiffsartillerie beschossen wurde.

Alles nur Bluff?

Hätte allein RT die Sequenz ausgestrahlt, wäre diese leicht mit einem plumpen Propagandatrick zu erklären gewesen. Aber al-Jazeera, ein Sender, dem keine Nähe zum russischen Regime nachgesagt wird, war dabei, mit seinem Reporter, der akzentfrei Oxford-Englisch redet.

Machen wir uns nichts vor. Die Zeiten, in denen Korrespondenten die Fronten wie Schlachtenbummler frei aufsuchten, sind vorbei. Seit den Israel-Kriegen 1967 und 1973 bestimmen die Generalstäbe, wem sie was wo wann und wie zeigen wollen – gewiss auch hier am Asowschen Meer. Dass Moskau RT auswählte, liegt auf der Hand. Und al-Jazeera soll helfen, die Authentizität der Sequenz zu bestätigen.

In jedem Fall: Offenbar gibt es Achsen, auf denen die russische Landarmee ungehindert in die Ukraine hineinrollt.