Kritische Stimme zu russ. Gewehr

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Major Patrick Nyfeler, Armeemeister 2010 mit dem Sturmgewehr und exzellenter Waffenkenner, nimmt zum Beitrag über das neue Kalaschnikow-Gewehr AK-12/15 wie folgt Stellung:

Inhaltlich sehr gut und grundsätzlich alles richtig.

Was mit Vorsicht zu geniessen ist, ist lediglich die „Überlegenheit“ gegenüber dem Westen. Russische Waffen sind zwar robust und zuverlässig – aber weder ergonomisch „mustergültig“, noch präzise oder „high tech“.

Das kleine Kaliber ist +/-analog dem westlichen 5.56×45. Das grosse Kaliber hat denselben Durchmesser wie GP11 oder 7.62×51, jedoch nur eine Patronenlänge von 39 Millimetern und entsprechend weniger Pulvermenge und geringere Mündungsgeschwindigkeit, was zu einer schlechteren Aussenballistik auf mittlere und weite Distanzen führt.

Moderne Waffen sind heute ergonomisch so gestaltet, dass sie sowohl von Links- und Rechtshändern bedient werden können und verfügen über zahlreiches Zubehör (Lampen, Laser, Schalldämpfer etc.). Auch Verfügbarkeit und Qualität russischer Geräte sind Fragezeichen …

Weiter habe ich bei älteren russischen Waffen gemerkt, dass sie etwas unpräzise gefertigt sind und so nicht „fein laufen” und die Abzüge (und teilweise auch Läufe) nicht so funktionieren, wie sie sollten – wie dies bei neueren Waffen aussieht, kann ich nicht beurteilen. Das spielt jedoch keine Rolle hinsichtlich Zuverlässigkeit und Robustheit, aber bei Präzision und Feuergeschwindigkeit.

Es hat mir zu denken gegeben, dass bei der letzten IPSC-Rifle WM in Russland  sogar das russische Nationalteam (und die Kalaschnikow-Werksschützen) mit amerikanischen AR-15-Klonen am Start waren.

Patrick Nyfeler