Kiew: Russen in Volltarnung > Moskau dementiert

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Kiew: Der Sprecher des Generalstabs.

  • Am Abend des 155. Kriegstages, am 28. Juli 2022, gab in Kiew der Sprecher des Generalstabs bekannt, die russische Armee habe in der Schlacht um Bakhmut (russisch Artyomovsk) Truppen in Volltarnung eingesetzt.
  • Dennoch hätten die Ukrainer den Angriff zurückgeschlagen. Die Russen hätten ukrainische Uniformen getragen und weisse Bandagen an Armen und Beinen benutzt. Die Verteidiger sollen die völkerrechtswidrige Täuschung durchschaut und rechtzeitig reagiert haben.
  • In Moskau stellte Generalleutnant Igor Konaschenkow, der Armeesprecher, die ukrainische Darstellung umgehend in Abrede. Die gegnerische Beschuldigung sei frei erfunden, Russland halte sich ans Kriegsvölkerrecht. Im Übrigen habe das russische Heer im Donbass erneut Gelände gewonnen.

Igor Konaschenkow dementiert.

Aussage gegen Aussage

  • Es ist, nach mehr als fünf Monaten Krieg, das alte Lied: Aussage gegen Aussage.
  • Was mittlerweile auffällt: Gemäss “Lehrbuch” werfen sich die Parteien Woche für Woche vor, die jeweils andere Armee verletze das humanitäre Völkerrecht. Es beginnt mit der Misshandlung Gefangener bis zum Einsatz menschlicher Schutzschilder. Am häufigsten indes unterstellen Kiew und Moskau dem Feind, er suche in Volltarnung zu täuschen.
  • Gegen den Propagandakrieg sind wir machtlos. Den wahren Sachverhalt könnten nur neutrale Beobachter melden. Aber beide, Russland und die Ukraine, halten unabhängige Quellen eisern von der Front fern. Die “Spaziergänge”, die Kiew mit der BBC unternimmt, haben mit Frontberichterstattung nichts zu tun.
  • Im Vietnamkrieg liessen die USA ihre TV-Reporter viel zu frei im Dschungel promenieren. 1991 zog dann General Schwarzkopf die Schraube wieder an: Zur Front durfte nur, wer embedded war, wer sich in eine amerikanische Einheit “einbetten” liess und die entsprechende Brille aufsetzte.
  • Doch die Abschottung, die wir jetzt registrieren, übertrifft seit 1945 alles an Zensur und Geheimhaltung. Das “Halt, keinen Schritt weiter” belegt nur: Das hier ist generell ein erbitterter, mit allen Mitteln ausgetragener Kampf auf Leben und Tod, wie wir ihn seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben.
  • Da urteilen zu wollen, ob und wer wann wo wie den Gegner täuschte, das ist verlorene Liebesmüh.