Kauft die Bundeswehr den Helikopter CH-47F Chinook?

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Deutsche Fallschirmjäger verlegen mit dem CH-47F Chinook der US Army    “GREEN GRIFFIN 2021” der Division Schnelle Kräfte auf dem Waffenplatz Altengrabow.

Seit der Jahrtausendwende treibt die Anschaffung eines neuen Schweren Transporthelikopters die deutsche Bundeswehr um. Lange war das Geschäft blockiert.

Am 25. Februar 2022 verkündete Bundeskanzler Olaf Scholz, die deutsche Armee werde mit 100 Milliarden Euro aufgerüstet. Und siehe da! Sofort drangen Gerüchte durch, Boeing habe den CH-47F Chinook angeboten. Der Chinook hat den Vorzug, dass er sofort lieferbar ist. Das kommt der Regierung entgegen.

Allerdings waren und sind Stimmen zu hören, beim CH-47 handle es sich um einen mittleren, nicht einen schweren Helikopter. T. Wiegold, Herausgeber von “Augen geradeaus!”, schreibt zurückhaltend, wie immer:

Entscheidung für Chinook als neuer Schwerer Transporthubschrauber?

Nach jahrelangem Gezerre soll die Entscheidung über den künftigen Schweren Transporthubschrauber der Bundeswehr gefallen sein, und angeblich (und wenig überraschend) soll es der CH-47F Chinook von Boeing werden.   

Nach Angaben von Bild am Sonntag soll die Entscheidung für den CH-47 gefallen sein – aus Kostengründen, weil das Konkurrenzmodell CH53-K von Sikorsky, einer Tochterfirma von Lockheed Martin, deutlich teurer wäre.

Dass die Entscheidung über den neuen Transporthubschrauber jetzt ansteht, war schon länger klar – und die jetzt genannten Details sind doch ein wenig verwirrend. So wird laut Spiegel der SPD-Haushälter Andreas Schwarz mit der Aussage zitiert, der neue Hubschrauber müsse für Einsätze hinter feindlichen Linien in der Luft betankt werden können, und Boeing habe eine entsprechende Entwicklung zugesagt.

Die wird schnell gehen: Wie auf zahlreichen Videos zu sehen ist, hat der Chinook diese Möglichkeit zur Luftbetankung schon seit Jahren. Auch die Forderung, die deutsche Industrie müsse die Wartung übernehmen, haben die Herstellerfirma Boeing und Airbus Helicopters in Deutschland schon mal vorbeugend geklärt.

Boeing CH-47F Chinook der US Army.

Entscheidend ist nun, dass das Verteidigungsministerium die bereits seit Monaten angekündigte Absicht umsetzt, die Lieferung dieser Hubschrauber bei der US-Regierung anzufragen – denn nach dem Chaos des bisherigen Beschaffungsprozesses ist ein so genannter Foreign Military Sale (FMS) geplant, bei dem formal die Regierung in Washington Vertragspartner ist. Ähnlich ging die Bundesregierung bereits bei der Beschaffung der Seefernaufklärer vom Typ P-8 (ebenfalls von Boeing) im vergangenen Jahr vor.

Bereits seit mehr als 20 Jahren wird zwar immer wieder betont, dass die noch aus den 1970-er Jahren stammenden Transporthubschrauber der Bundeswehr vom Typ Sikorski CH-53 in – wenn auch modernisierten – Varianten dringend durch neues Gerät ersetzt werden müssen.

Die jüngsten Anläufe waren allerdings unter anderem deswegen gescheitert, weil die Forderungen nach deutscher Industriebeteiligung und der Ruf nach dem Erwerb des geistigen Eigentums für Anpassungen die Kosten von gut fünf auf rund zehn Milliarden Euro in die Höhe getrieben hatten. Das Verteidigungsministerium hatte daraufhin 2020 das Vergabeverfahren abgebrochen.

Die Entscheidung trifft letztendlich übrigens weder der Bundeskanzler (auch wenn das in manchen Meldungen so behauptet wird) noch die Verteidigungsministerin, sondern der Bundestag. Und dessen Haushaltsausschuss muss dann übrigens auch seine eigenen weitreichenden, 2020 in einem so genannten Massgabebeschluss festgehaltenen Forderungen an diese Beschaffung erst mal zurücknehmen.