Bild: Wie die “Moskwa” ausbrennt

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Der mysteriöse Untergang des Lenkwaffenkreuzers “Moskwa” ist nach allen Regeln der Kunst ein Grossereignis. Wie erwartet, überläuft das Internet vor Spekulationen, Weisheiten, Unsinn auch. Wir haben versucht, ein wenig Gewissheit herauszudestillieren. Aufgefallen sind uns auf dem Dienst Reddit ein Bild, eine Grafik und eine Flugkarte.

  • Zu dieser Fotografie schreibt Reddit: “Das Bild, auf das wir alle gewartet haben: Das brennende Schiff.” Nehmen wir an, die Szene sei nicht im Fotoshop entstanden. Dann würde sich bestätigen: Das verheerende Feuer, das zum Untergang führte, brach auf backbordseits unter der Brücke aus.
  • Für die Aussage, dass sich die Explosion unter der Brücke ereignete, sprechen die russischen Berichte, wonach der Kommandant der “Moskwa”, Kapitan 1. Grades Kuprin, beimBrand umgekommen sei.
  • Die Foto muss von der Reling eines anderen Schiffes aufgenommen worden sein. Das deutet der Vordergrund an, so er denn nicht vom Fotoshop hineinkopiert wurde. In der Tat eilten andere Schiffe der “Moskwa” zu Hilfe, auch ein türkisches, das 54 Russen barg. Reddit verschweigt, von welchem Schiff aus das Bild entstand.
  • Seltsam ruhig ist die See – vom “schweren Sturm”, den Russland für den Untergang verantwortlich macht, ist nichts zu sehen. Es ist nicht auszuschliessen, dass das Unwetter später aufkam. Allerdings zweifeln Meteorologen den amtlichen Sturm-Bericht an. Zum fraglichen Zeitpunkt habe die Windgeschwindigkeit nur 7–14 km/h betragen.

  • Die Grafik nimmt rechts klein das Bild von der brennenden “Moskwa” auf. Die beiden Schiffsskizzen gehen von der zweiten R-360-Neptun-Rakete aus, die rotschwarz markiert deutlich hinter der Brücke eingeschlagen hätte. In der Tat zeigt das Bild oben zwei Treffer, den einen unter der Brücke, den zweiten mehrere Dutzend Meter dahinter.
  • Gesamthaft bestätigen die Fotografie und die Grafiken die ukrainisch-amerikanische Darstellung, wonach feindliches Feuer das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte auf den Meeresgrund versenkte.

  • Diese Karte soll rot den Flugweg eines NATO-Aufklärers zeigen, der die “Moskwa” über dem Schwarzen Meer beobachtet habe. Links grau die rumänische Küste, rechts oben die Krim mit dem Haupthafen Sewastopol und der Krim-Hauptstadt Simferopol.
  • Die gelben Flugzeuge markieren den Luftverkehr und entsprechen auch gebräuchlichen Aufklärungsrouten der NATO. Auch wenn der NATO-Aufklärer mit seinen starken Kameras und Sensoren die “Moskwa” seitwärts erfasste, mutet der Flugweg recht weit südlich an. Es ist nicht einzusehen, dass sich der Kreuzer so weit südwärts befunden haben soll.
  • Sofern die ukrainische Darstellung stimmt, wonach zwei R-360-Neptun-Seezielraketen die “Moskwa” trafen, liegt der Ort, an dem die Geschosse einschlugen, in der Mitte über dem oberen Kartenrand. Der einigermassen direkte “Rettungsweg” nach Sewastopol führt auf einer nördlicheren Route durch den Golf von Odessa.