Jordanien: Manöver gegen Israel?

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Jordaniens gerüstete Armee: Special Forces (DoD).

Der folgende Beitrag erschien am 4. Dezember 2019 im arabischen Blog MEMO. 

Military training exercise conducted by the Jordanian Armed Forces, named “SWORDS OF KARAMA”, received wide attention from Israel. The training was held near the Western border region.

1968 Karama (hier Karameh). Israels Sicht (blaue Pfeile > Israels Armee). Beide Parteien beanspruchten den Sieg (idf).

The training that King Abdullah II and senior Jordanian officials attended was named after the Battle of Karama that took place in 1968 and ended with Jordan’s victory against the Israeli army. The King of Jordan has described relations with Israel as “going through its worst stage ever,” while expressing outrage at Israeli Prime Minister, Benjamin Netanyahu, since the latter announced his intention to annex the Jordan Valley and the northern basin of the Dead Sea to Israel.

Orange Netanyahus Plan, die Jordansenke zu annektieren (ausgespart die Oase Jericho) (gov).

The training involved carrying out a defensive battle of artillery, fighter jets and helicopters, aiming to destroy enemy premises and bridges that could be used as crossing points, in addition to holding archery exercises using various weapons.

 During the training that several military attachés to Jordan attended, the Jordanian monarch sat in front of a model representing the Jordanian-Israeli border and areas supposed to be emulated by the military exercise, most notably the Dead Sea region.

Abdallahs II. Armee – britisch geprägt (DoD).

According to Major General Jalal Al-Abadi, a Jordanian military and strategic expert, the Jordanian armed forces should always be on standby despite the existence of treaties with Israel. He stressed that Jordan should not trust Israel, as the Israeli army can launch a military operation that serves its interests at any time.

Al-Abadi asserted that “the armed forces should not interfere with the political talks,” noting that “this training is designated to mimic the Jordanian army’s strategy to counter any possible Israeli aggression coming from the western border at any given time.” He also pointed out that “the Israeli government has not yet been formed, which entails that any decisions or actions can be taken to serve the competing political parties’ interests.”

Al-Abadi highlighted “the need to intensify exercises near the front lines, to show the Israeli side that Jordan is ready to face any situation and any emergency.”

 

Kritische Einordnung

Auf den ersten Blick lässt der Text selbst militärisch eine Verschlechterung des guten Verhältnisses von Jordanien und Israel vermuten. Dass Premier Natanyahus Ankündigung, er werde die Jordansenke und das Nordbecken des Toten Meeres annektieren, politisch in Amman keine Begeisterung auslöst, liegt auf der Hand. Dennoch ist anzumerken:

  • Israel und Jordanien hatten bis zum Arava-Frieden von 1994 militärisch spannende, wechselvolle Beziehungen.

Arava-Frieden 1994: Rabin und Hussein am Toten Meer (idf).

  • Als Israel 1948/49 den Unabhängigkeitskrieg gewann, leistete König Abdallahs I. britisch geführte Arabische Legion als einzige arabische Armee den Israeli ernsthaften Widerstand, namentlich in der Altstadt von Jerusalem, die sie im Westjordanland beinahe vom Nachschub abschnitten.
  • Am 5. Juni 1967 liess sich König Hussein von Nasser mit faustdicken Lügen in den Sechs-Tage-Krieg contre coeur hineinschwatzen > obwohl seine Panzerbrigaden erneut tapfer kämpften, verlor er Cisjordanien, den ganzen Westsektor seines Haschemitenreichs.

1967: Israelische Fallschirmjäger an der Klagemauer (idf).

  • Dennoch blieben die geheimen Kontakte zwischen Hussein und Israels Armee bestehen. Im schwarzen September 1970 rettete die israelische Armee in Transjordanien den König vor der Machtübernahme durch die PLO und Yassir Arafat, der Amman verlassen musste.
  • Am 23. September 1973 flog der König mit seinem Heli nach Herzlija, um Golda Meïr vor dem arabischen Überfall zu warnen – vergeblich.
  • Unten am Jordan blieb die Allenby-Brücke meist offen > nicht nur Güter für den jordanischen König, auch Nachrichten passierten den Grenzfluss.

Überragendes Interesse am Frieden

Israel: Schwere Waffen an der Jordan-Grenze (idf).

Ungeachtet des Säbelrasselns im MEMO-Text ist zu beachten, dass Jordanien und Israel am Frieden von 1994 auch strategisch ein überragendes Interesse haben. Israel ist mit der Regierungsbildung, eventuell einem 3. Wahlgang, mit Irans Atomrüstung, der Hamas in Gaza und der Hisbollah im Südlibanon derart beschäftigt, dass ein Jordanienkrieg nicht im israelischen Interesse liegt.

Auch der kluge König Abdallah II., Husseins fähigster Sohn, weiss, wie sehr sein Land und seine Dynastie von korrekten Beziehungen zu Israel profitieren.

Operativ-taktisch ist die Jordansenke relativ schmal. Westlich und östlich steigen teils steile Berge von 400 Metern unter Meer auf je 1000 Meter über Meer an – mit wenigen offenen Achsen. Gerade der Zugang nach Jerusalem ist einfach zu verteidigen, weil eng und beschwerlich.

Auch wenn Israel den Gegner vertikal umfassen könnte, lädt das Gelände so wenig zum Krieg ein wie die politisch-strategische Vernunft – so denn im aufgewühlten Nahen Osten Vernunft noch herrscht.

Peter Forster