Israel/Saudiarabien – F-35 für die Saudis?

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Zwei F-35I Adir über den judäischen Bergen – mit Aussenlasten, die die Stealth-Silhouette schwächen.

In Riad verspricht der amerikanische Aussenminister und enge Trump-Vertraute Pompeo den Saudis ein weiteres “gigantisches Rüstungspaket”. Mehr politischen Zündstoff kann eine amtliche Ankündigung nicht bergen:

  • Erstens leistete in Washington der Senat schon dem ersten “grossartigen Waffenpaket”, das Präsident Trump im Mai 2019 geschnürt hatte, energisch Widerstand. Senatoren aus beiden Parteien beanstandeten die Ermordung des Regime-Kritikers Kashoggi in Istanbul und den langwierigen saudischen Krieg im Yemen.
  • Zweitens fiel dieser Widerstand dem Kronprinzen MBS, König Salmans Sohn Mohammed bin Salman, und der amerikanischen Rüstungsindustrie gewaltig auf den Wecker. Der machtgewohnte MBS reagiert auf Kritik empfindlich, besonders, wenn sie ihm persönlich gilt (er wurde in wird mit dem Kashoggi-Mord in Verbindung gebracht). Und die Industrie der USA exportiert gerne ins reiche Saudiarabien.
  • Drittens tobt in Israel trotz Corona hinter den Kulissen die Debatte über den Lockheed Martin (LM) F-35 Lightning II. Wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die VAE, wollen die Saudis den Stealth-Jet, in dessen Entwicklung Israel von Anfang an investiert hatte. Das israelische Militär widersetzt sich dem Verkauf von F-35 an arabische Luftwaffen; denn dadurch ging der technisch-operative Vorsprung, den der Jet der 5. Generation biete, wieder verloren.

Fauler Kompromiss?

  • Anderseits wäre es für Premier Netanyahu der grosse Preis, zöge die israelische Politik und Diplomatie nach Ägypten, Jordanien, den VAE und Bahrain als fünften Friedensstaat auch noch das mächtige Saudiarabien an Land, das zudem im Norden bis auf 20 Kilometer an Israel grenzt.
  • Auch wenn Israel nicht der 51. Staat der USA ist, nimmt Netanyahu Rücksicht auf seinen engen Verbündeten Trump.
  • Im Gespräch ist ein fauler F-35-Kompromiss, der niemandem etwas bringt: LM soll den Saudis den F-35 liefern, aber in der Avionik und Bewaffnung nicht auf dem neuesten Stand, den Israels beide jetzt schon operationellen F-35I-Adir-Staffeln besitzen.
  • Auch wenn die Araber gegen den Erzfeind Iran Israel als “natürlichen” Verbündeten empfinden, bringt ihren Luftwaffen und Piloten der Kuhhandel wenig. Sie wären dann F-35-Kunden zweiter Klasse. Das widerspricht ihrem Stolz und jeglicher militärischer Logik, auch gegen Iran.
  • In Israel wenden sich Piloten und Luftwaffenchefs gegen den Kompromiss. Sie wehren sich grundsätzlich gegen F-35 in arabischen Staaten.