Israel baut sein Heer radikal um

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General Gantz, der neue Verteidigungsminister.

In Israel bauen der neue Verteidigungsminister, General Benny Gantz, und Generalstabschef Aviv Kochavi die Armee im Zug des Projektes “MOMENTUM” radikal um. “MOMENTUM” beruht auf der Lagebeurteilung, dass es in künftigen Kriegen nicht mehr so sehr darauf ankommt, jenseits der israelischen Grenze Territorium zu erobern; es gehe vielmehr darum, die Waffen des Gegners vollständig zu zerschlagen.

Die Reform soll das Heer noch besser auf einen Krieg gemäss “MOMENTUM” vorbereiten:

  • Nach der Erfahrung des 33-tägigen Zweiten Libanonkriegs vom Sommer 2006 gegen die Hisbollah, die derzeit in Syrien noch mehr Kriegserfahrung sammelt und im südlichen Libanon Raketen in grosser Zahl bereit hält.

Aviv Kochavi, Generalstabschef – “MOMENTUM”. Er trägt die Ribbons dreier Kriege. Israel vergibt nur für Kriege Ribbons.

  • Nach den Kriegen von 2008/2009, 2023 und 2014 gegen die Hamas im Gazastreifen, die wie die Hisbollah den Staat Israel zerstören will. Weil Israel Gaza mit seinen fast zwei Millionen Einwohnern nicht will, zog sich Armee 3 x aus dem Streifen zurück, nachdem sie die militärische Hamas-Führung enthauptet, die Tunnels gesprengt und die Raketenstellungen zerstört hatte – “MOMENTUM” vorweggenommen.

Programm «OFEK»

Das Programm für das Heer heisst «OFEK». Ofek ist hebräisch und wird mit Horizont oder Weite übersetzt. Der Grundzug der Reform zielt auf den vertieften Kampf der verbundenen Waffen ab.
Die Brigaden bilden Kampfgruppen, die Panzer, Infanterie, Artillerie und Genie noch gründlicher integrieren als bisher. Die Reform greift tief in die alten Strukturen ein.

Sie reicht bis auf Stufe Bataillon. Die neuen Bataillone heben die herkömmliche Trennung von Panzer-und Infanterietruppen auf und verschmelzen die Kampfverbände schon in der Ausbildung.

Brigaden: Drei Kategorien

  • Für altgediente israelische Panzer- und Infanterie-Einheiten mit ihrem ausgeprägten Waffenstolz ist das mehr als eine Reform, es ist eine kleine Revolution. Die Brigaden kommen neu in drei Kategorien daher, die alle geschichtliche Namen tragen:
    Gideon-Brigaden sind Verbände von höchster Kampfkraft, mit langer Ausbildung und besten Waffen. Sie beruhen auf der Qualität der Komponenten Panzer und Infanterie. Sie sind fähig, das Territorium des Staates Israel zu verteidigen. Ebenso tragen sie den Kampf in einer Tiefe von 40–60 km in Feindesland hinein, wo die Waffen der Gegner radikal zerstört werden. Gideon besiegte im Alten Testament die Midianiter.

Der Merkava (Kampfwagen), Israels Hauptpanzer.

  • Yeshuron ist ein biblischer Name für Israel. Yeshuron-Brigaden vereinen Fallschirm- und Spezialkräfte. Schlagkräftige Bataillone treffen den Gegner überall, wo er zu zerschlagen und sein Material zu zerstören ist.
  • Yiftah-Reservebrigaden schützen kritische Anlagen. Sie verteidigen ihre Abschnitte. Im Gegensatz zu Gideon-Brigaden operieren Yiftah-Bataillone an der langen Negev-Sinai-Grenze. Yiftah hiess Israels erste Operation im Krieg von 1948/1949 in Ost-Galiläa.

Training und Einsatz

Umgestülpt werden Ausbildung, Training und Einsatz der offensiven Brigadetypen Gideon und Yeshuron. Der Grunddienst bindet die Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren 32 Monate lang. Das Programm «OFEK» gliedert die Verwendung der Bataillone in Phasen von 17 Wochen:

  • In Phase 1 trainieren die Truppen 17 Wochen lang.
  • In Phase 2 stehen sie im Einsatz, wieder 17 Wochen lang.
  • Im 17-Wochen-Rhythmus alternieren Training und Einsatz.

Bat Kdt auf dem Prüfstand

Im regulären Heer der 18- bis 21-jährigen Soldaten führt der Kommandant eines Bataillons, ein Berufsoffizier, seine Truppe grundsätzlich zwei volle Jahre. Dies hat nichts mit den miluim, den vierwöchigen Wiederholungskursen der Reservisten, zu tun. Der etwa 30-jährige Bat Kdt befehligt den Verband 104 Wochen lang, ohne Unterbruch. Das reguläre Heer müsste gegen einen Überfall nicht erst mobilisiert werden. Aus erfolgreichen Bat Kdt der Kampftruppen geht das spätere Spitzenpersonal der Armee hervor. Viele Topgenerale stammen von den Sonder-, den Fallschirm-, den Panzer-, den Golani-Infanterie-, den Artillerie- und Fliegerabwehrverbänden.

Der 17-Wochen-Ablauf gibt ihm die Chance, je drei Mal vier Monate sein Bataillon intensiv auszubilden, zu trainieren und in Manöverübungen zu testen.

2006: Artilleriebataillon rollt zur Front.