Iran: “Vater der Bombe” ermordet

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Siehe auch > Wie Irans Geheimdienst versagt

Auf der Landstrasse ausserhalb von ab-Sard, einem Vorort von Teheran.

Am 27. November 2020 fiel zum fünften Mal ein iranischer Atomphysiker einem professionellen Attentat zum Opfer. 

  • Diesmal traf es den 63-jährigen Mohsen Fakhrisadeh, den Israels Premier Netanyahu 2018 als den “Vater der Bombe” gebrandmarkt hatte. Der Mossad hatte in Teheran das gesamte iranische Atomarchiv geraubt und nach Tel Aviv geschafft.
  • Netanyahu identifizierte den prominenten Atomphysiker und Raketenspezialisten Mohsen Fakhrisadeh als die treibende Kraft hinter Irans Nuklearrüstung: “Merkt euch seinen Namen”, verkündete der Ministerpräsident.

Netanyahu 2018 nach dem Raub des iranischen Atomarchivs.

Schüsse und 15 Tonnen Sprengstoff

Wie Irans Militärführung mitteilt, wurde der Atomphysiker ausserhalb von ab-Sard, einem Vorort von Teheran, in seinem Automobil angeschossen und verletzt. Dann sei neben Mohsen Fakhrisadehs Wagen ein schwarzer Nissan explodiert; es seien rund 15 Tonnen Sprengstoff in die Luft geflogen. Fakhrisadeh sei schwersten Verletzungen erlegen.

“Wir geben hiermit den Märtyrertod von Doktor Mohsen Fakhrisadeh bekannt.” Mit diesen Worten beklagte die Revolutionsgarde den Tod ihres Mitglieds Fakhrisadeh. Der Physiker war als Nummer-1-Experte für Atombomben und Atomraketen Offizier der elitären Garde. Er nahm auch im Verteidigungsministerium eine führende Position ein.

Wessen Handschrift trägt das Attentat?

Irans Aussenminister Mohammad Javad Zarif beschuldigte Israel sofort der Täterschaft. Dies ist bei Anschlägen auf iranische Nuklearspezialisten und Atomanlagen üblich – genau so gebräuchlich wie Israels Antwort, man dementiere und bestätige nichts.

Aussenminister Mohammad Javad Zarif.

So kurz nach der kaltblütigen Exekution des al-Qaida-Terroristen Abdullah Ahmad Abdullah deutet der Doppelangriff auf Irans bedeutendsten Atomphysiker auf ein professionell, von gerissenen Agenten durchgezogenes Attentat hin. Abdullah Ahmad Abdullah war im noblen Pasdaran-Viertel von Teheran von einem Motorrad aus “eliminiert” worden. Auf der abseits gelegenen Landstrasse gab es für Fakhrisadeh kein Entrinnen.

Das kann, muss aber nicht die Handschrift des Mossad tragen. Wenn sein Kidon-Team, die Equipe seiner Attentäter, gegen Staatsfeinde zuschlägt, dann bringt sie ihre Opfer gnadenlos um. In Jerusalem tagt jeweils Netanyahus inneres Kabinett mit den Geheimdienstchefs, bevor der Premier den Auftrag zur “Elimination” des Gegners erteilt.

Integration von Bombe und Rakete

Irans Atomrüstung schreitet voran. Es geht dabei auch um die Integration der Bombe in eine Trägerrakete, welche die Agglomeration Tel Aviv treffen kann (Jerusalem entfällt; dort liegen der Felsendom und die al-Aksa-Moschee, heilige Stätten des Islam).

“Doktor Mohsen Fakhrisadeh”, wie ihn die Garde nannte, war der Fachmann exakt für diese Phase der Operation Atombombe. Als ihn Netanyahu als den “Vater der Bombe” anklagte, wusste der Premier, wen er da vor aller Welt hervorhob. Überhaupt keine Zweifel gibt es, dass der Mossad in Teheran und an den iranischen Atomstandorten gut vernetzt ist.