Inszeniert Putin Donbass-Operation unter falscher Flagge?

Standard

 

Am 21. Februar 2022 rief Präsident Putin im Kreml Russlands mächtigstes Gremium zusammen: den Nationalen Sicherheitsrat. Im Prunksaal dirigierte er wie von einem Thron aus die perfekt choreografierte Konferenz – mit Charakterköpfen in ansehnlichen “Nebenrollen”.

  • Aussenminister Lawrow hielt die Option offen, dass sich die Präsidenten Putin und Biden erneut zu einem Gipfel auf höchster Stufe treffen. Gleichzeitig legte er dem Treffen Steine in den Weg – wie Bidens Forderung, Russland müsse auf die militärische Intervention gegen die Ukraine verzichten – imMomentoffenbar unannehmbar für Putin und seine Getreuen.
  • Verteidigungsminister Shoigu und General Patrushev, der ex-Geheimdienstchef und amtierende Sekretär des Sicherheitsrates, heizten die Stimmung zur angespannten Lage an der Donbass-Front derart an, dass unwillkürlich die Frage im Raum stand: Bereitet Putin unter falscher Flagge eine Donbass-Operation vor, um dann auf breiter Front die Ukraine angreifen zu können?
  • Dmitry Medvevev, vom Regierungschef zum stellvertretenden Vorsitzendenden des Rates degradiert, liess sich des langen und breiten über das Minsk-Abkommen von 2015 aus, das Russland im Donbass massiv begünstigst. Kiew denke nicht daran, das Abkommen zu implementieren.
  • Im weiten Halbkreis sass Valery Gerassimow, der Generalstabschef, mit einem zweiten Offizier direkt hinter Shoigu. Der schweigsame Panzergeneral schwieg auch im Kreml. Shoigu vertrat die Interessen der Streitkräfte gewandt.

59’500 Mann, 345 Panzer, starke Artillerie?

  • Shoigu beschuldigte die Ukraine, an der Donbass-Front eine gefährliche Angriffsformation zusammenzuziehen: derzeit 59’500 Mann mit 345 Panzern und Artilleriegeschützen, Mörsern und Mehrfachraketenwerfern.
  • Bereits hätten Saboteure die Grenzen in die Provinz Luhansk und in russisches Territorium überschritten.
  • Im Raum Rostow habe die russische Abwehr fünf Eindringlinge erschossen. Andere seien gefangen genommen worden. Im Oblast Luhansk hätten Saboteure zonenweise 90% der Wasser- und Gasversorgung unterbrochen. An einer Busstation habe eine ukrainische Granate einen Minderjährigen getötet.
  • Überhaupt könne nirgends von spontanen Feuerüberfällen geredet werden. Die Ukrainer schössen nicht auf Gelegenheitsziele, sondern folgten einem genauen Zerstörungsplan gegen Bushaltestellen, Bahnverbindungen und kritische Infrastruktur in der Gas-, Strom- und Wasserversorgung.
  • Schon seien 68’500 Personen aus dem Donbass nach Russland evakuiert werden. Die Evakuation habe Familien von den Vätern getrennt, die Donezk und Luhansk an der Front verteidigten. Für die Evakuierten werde gut gesorgt. Russland verstärke seine militärische Präsenz.

Gesuche aus Donezk und Luhansk gut prüfen

Wladimir Putin, Ratspräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, fasste den Stand de Dinge zusammen:

  • Russland suche den friedlichen Weg. Die Ziele lauteten unverändert: Kein NATO-Beitritt der Ukraine, keine weitere Ost-Ausdehnung der NATO, der Nordatlantikpakt nimmt keine neuen Mitglieder auf. Rückzug westlicher Waffen weg von der Grenze, Wiederherstellung des militärischen Zustandes von 1997.
  • Im Gespräch sei ein Moratorium, das aber in einen sicheren Vertrag gegossen werden müsste. Ein NATO-Beitritt der Ukraine würde die Gefahren für Russland “vervielfachen”.
  • Er, Putin, werde nun die Gesuche aus den Gebieten Donezk und Luhansk gut prüfen. Er habe die Stimmen aus dem Rat vernommen, Russland solle die beiden Kampfzonen zu eigenständigen Republiken aufwerten. Die Schaffung von Republiken wie im Georgien-Konflikt Südossetien und Abchasien sei eine Option, inklusive deren diplomatische Anerkennung.
  • Die Ukraine denke nicht daran, das Minsk-Abkommen umzusetzen.