Impfen: Israel führt – und warnt

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Das Impfzentrum von Givatim, einer 1922 gegründeten Gemeinde östlich von Tel Aviv. Die Impfboxen werden in einem Supermarkt betrieben. 38% der Einwohner Givatims sind geimpft. Die hebräische Schrift auf den blaiuen Tafeln markieren die Nummern der Impfzellen.

  • Am Sonntag, 7. Februar 2021, im Orient ein Werktag, gibt Israels Regierung bekannt: Von den rund 9 Millionen Einwohnern sind jetzt 33% gegen Corona einmal geimpft. Das entspricht 3 Millionen Menschen.
  • Für die zweite Impfung innert drei bis vier Wochen stehen genügend Vakzine der Firmen Moderna und Biontech-Pfizer bereit. Beide sollen auch gegen Mutationen wirken.

Unberechenbare Mutationen

Dennoch warnen Israels führende Virologen und Epidemiologen vor allzu hoch geschraubten Erwartungen:

  • Das Sheba Spital in Tel HaShomer bei Tel Aviv bittet die Geimpften eindringlich, vorsichtig zu bleiben; niemand kenne den Verlauf und die Gefahren der neuen Mutationen, die sich noch vermehren könnten.
  • Die Hadassah in Ein Karem bei Jerusalem, das angesehenste Spital der ganzen Regionm, in dem sich auch viele Araber heilen lassen, ermahnt die Behörden um Vorsicht und Zurückhaltung. Auch wenn Israels Impfaktion weltweit führend sei, noch vor Grossbritannien und den USA, sei die Pandemie noch nicht besiegt.

Armeelogistik funktioniert

Israel schnitt namentlich während der zweiten Welle schlecht ab. Die Regierung hatte die Restriktionen zu früh gelockert. Besonders in der lebenslustigen Strandregion Tel Aviv flammte die Seuche jäh wieder auf.

Jetzt profitieren die zivilen Behörden von Israels kriegserprobter Armeelogistik. Besonders beim reichlich vorhandenen, jedoch heiklen Vakzin von Biontech-Pfizer stützen sie sich auf die enorme Erfahrung der Militärlogistiker und -Organisatoren, welche die Impfaktion vorantreiben.

Zudem verhält sich die Bevölkerung des Staates Israel, der seit seiner Gründung am 14. Mai 1948 im Kriegszustand lebt, in Krisen und Konflikten stets diszipliniert.