Helikopter – ein schwieriges Pflaster

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NH-90 der Bundeswehr.

 

Siehe auch > BISS – Schwerer Heli für die Schweiz?

 

Mehrere Aviatik-Zeitschriften bringen für die Schweizer Luftwaffe die eventuelle Beschaffung eines neuen mittleren oder gar schweren Transporthelis ins Gespräch. In der deutschen Bundeswehr gehören Helikopter zu den heiklen Sorgenkindern.

Die Flugrevue, in Deutschland das Pendant zu unseren SkyNews, berichtet gnadenlos über die Probleme, die derzeit NH90 und KH Tiger bereiten. Sie stützt sich dabei auf den neuen Bericht zur Einsatzbereitschaft der wichtigsten Waffensysteme. Schlecht kommen dabei die Helikopter weg.

 

Hubschrauber bleiben Problemfälle

Die Bundeswehr preist in ihrem neuen Bericht zur Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme Verbesserungen an, doch teils sieht es weiter düster aus.

Ein Drittel der Systeme ist nach wie vor durch sprunghafte Verläufe, hohe Streuung und vor allem durch einen zu geringen verfügbaren Bestand gekennzeichnet. “Das betrifft sowohl die alten zukünftig auszusondernden Systeme Sea King und Sea Lynx als auch die neuen Waffensysteme wie A400M, NH90 NTH Sea Lion”, heisst es weiter.

Zur Problematik der Hubschrauber führt der Bericht aus: “Auch bei der materiellen Einsatzbereitschaft der Hubschrauber der Bundeswehr sind vereinzelt positive Tendenzen zu erkennen. Die Verbesserung der Ersatzteillage, die Optimierung der Wartungsintervalle und Vereinheitlichung der Bauzustände sind Maßnahmen, die sich positiv auswirken.

Bei den alten Hubschraubern gelingt nur noch unter großen Anstrengungen ein operativer Flugbetrieb. Eine Neubeschaffung der Folgemuster ist zwingend erforderlich.

Der Kampfhelikpter Tiger.

Mit dem Standardisierten Instandhaltungsleistungsvertrag (SILV) für den NH90 TTH zeigt sich die positive Wirkung dieser Bonus-Malus-Regelung durch gestiegene Verfügbarkeit. Beim KH TIGER führen unverändert fehlende Dockkapazitäten dagegen zu einem Inspektionsstau. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung des Inspektionssystems, der Erhöhung der militärischen Wartungskapazitäten und der stärkere Rückgriff auf den bedarfsorientierten “Onsite-Support” der Industrie in der Truppe, wurden daher um eine zusätzliche Zielvereinbarung mit der Industrie erweitert.

Auch wenn sich der NH90 NTH Sea Lion derzeit in zahlreichen taktischen Einsatzprüfungen bewährt, so ist die materielle Einsatzbereitschaft des Hubschraubers noch sehr stark eingeschränkt (sprich bei 20%). So wirken sich hier beispielsweise die unzureichende Verfügbarkeit von waffensystem- bzw. missionsspezifischem Material und die noch nicht eingespielten Verfahren und Prozesse negativ aus.

Bei den Hubschraubern des Heeres konnte die Einsatzbereitschaft des NH90 TTH leicht gesteigert werden. Beim NH90 TTH sind die Häufung von zeitintensiven Störbehebungen sowie Lieferverzögerungen der Industrie von bis zu sechs Monaten unverändert die zentrale Herausforderung. Die Nachwirkungen des “Lockdowns” im Rahmen der COVID19-Pandemie aus dem Jahr 2020 erhöhen die Verzögerungen zusätzlich.

Aufgrund der Harmonisierung der unterschiedlichen Bauzustände der Flotte über umfangreiche Umrüstmaßnahmen (sogenannte Retrofit-Programme) sind weiterhin bis mindestens 2023 Einschränkungen bei der Anzahl operationell einsetzbarer Systeme festzustellen. Bei den im April 2020 im Rahmen des “Standardisierten Instandhaltungsleistungsvertrags” (SILV) angelaufenen Inspektionen NH90 konnten drei von sechs fertiggestellte Systeme innerhalb der vereinbarten Durchlaufzeiten abgeschlossen und damit eine deutliche Verbesserung der Leistungserbringung der Industrie festgestellt werden.

Mit dem 3. Quartal 2020 stellten sich Verzögerungen von 2 bis 14 Wochen ein, die vor allem auf fehlende Ersatzteile zurückzuführen sind. Zur Verbesserung der Situation wird derzeit mit der Industrie an einem neuen, leistungsbasierten Ersatz- und Austauschteilliefervertrag gearbeitet, der sich ab 2023 auswirken soll.

Ob alt oder neu: Die deutsche Marine Probleme: hier Sea-Lion (links) und Sea-King.

Die Einsatzbereitschaft des KH Tiger bewegte sich im Berichtszeitraum weiterhin auf einem unbefriedigenden Niveau. Der Stau an Hauptinspektionen bei einer großen Anzahl an Luftfahrzeugen aufgrund fehlender Dockkapazitäten beeinträchtigt unverändert die Einsatzbereitschaft bei diesem System. Die eingeleiteten Maßnahmen zum Abbau des Inspektionsstaus beginnen frühestens 2022 zu wirken. Mit der Beseitigung des Staus ist aber nicht vor Ende 2024 zu rechnen.

Beim Klarstand des Alt-Waffensystems CH-53 ist keine deutliche Trendwende zu erwarten. Das steht einer spürbaren Steigerung der Flugstunden aber nicht entgegen. Nach vielen Jahren hoher Einsatzbelastung müssen wir insbesondere wieder in die Ausbildung der jüngeren Besatzungen investieren. Eine erhöhte industrielle Unterstützung und eine verbesserte Ersatzteillage sind dafür zentral. Der Aufbau zusätzlicher industrieller Kapazitäten in Diepholz ist ein wesentlicher Baustein, der die hochbelasteten militärischen Kapazitäten verstärkt.

 

Einordnung

  • Die Flugrevue spricht, basierend auf dem amtlichen Bericht, zu den Helikoptern Klartext. Sowohl beim NH90 als auch beim KH Tiger entsteht der Eindruck, dass die Projekte problematisch verlaufen.
  • Was die Schweiz betrifft, ist festzuhalten: Die einschlägigen Aviatik-Redaktoren sprechen ausdrücklich von amerikanischen Helikoptern, nicht von deutschen. Zudem ist der Tiger ein Kampf-, kein Transportheli.