Hat Erdogan Geheimplan?

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Offiziell strebt Präsident Erdogan in Syrien euphemistisch eine 480 Kilometer lange, 20—30 Kilometer breite Schutzzone für zwei Millionen Flüchtlinge an. Das ist auch die Lesart seines Armeeministers Akar.

Vorstoss in den Süden?

Durchaus denkbar ist jedoch ein türkischer Vorstoss tief nach Süden — je nach militärischem Verlauf der Grenzgefechte. Sollten die Angreifer bei Ras-al-Ain und/oder Tal-Abyad durchbrechen, wäre der Weg in den Süden frei.

Allerdings stehen bei der ehem. ISIS-Hauptstadt Raqqa und im Raum Deir-Ezzor am Euphrat Asad-Truppen zum Eingreifen bereit, deren Kampfkraft — zumindest ohne iranische Verstärkung am Boden und ohne die Suchoi-25 und  -34 der russischen Luftwaffe — fraglich ist.

Die ominöse Linie Raqqa—Deir-Ezzon

Ungeachtet des Kriegsverlaufs spricht Erdogans Berater Altun vom Vorstoss auf die Südlinie Raqqa—Deir-Ezzon. Laut Altun könnten dann drei Millionen Flüchtlinge von Anatolien nach Syrien zurückkehren. Nur noch eine halbe Million müsste so, immer gemäss Altun, in den türkischen Lagern ausharren.

Operativ gesprochen hiesse dies, dass die Türkei zu ihrer grössten Armeekampagne seit der erfolgreichen Zypern-Landung „ATTILA 1“ und der nachfolgenden Operation „ATTILA 2“ im Juli/August 1974 ansetzen müsste. Damals nahm das türkische Heer, unterstützt von der Marine und der Luftwaffe, 38% von Zypern in Besitz — mit geringen Verlusten, gegen schwach kämpfende Griechen.

Ob das 2019 so leicht ginge wie damals? Kaum.