“Hast du Zahnpasta erst einmal aus der Tube gedrückt …”

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  • Wieder geht in der Schweiz ein langwieriges rechtliches Verfahren gegen einen Unbescholtenen mit der Eintellung zu Ende. Die Zürcher Staatsanwaltschaft schliesst nach vier Jahren die “Abklärung” gegen einen Neurochirurgen ab: Sie leitet keine Strafuntersuchung ein.
  • Und erneut hat die Justiz im Verbund mit Presseorganen die Laufbahn und Existenz eines Unschuldigen zerstört. Der Arzt D. war ein angesehener Neurochirurg, als zuerst eine Wochenzeitschrift und dann der Staatsanwalt auf ihn losgingen. Jetzt steht er vor dem Nichts.

Wie im “Fall” Holenweger

Der Vorgang gemahnt bitter an den sogenannten “Fall” des Zürcher Bankiers Oskar Holenweger:

  • Holenweger stieg in den Bank Vontobel steil auf und gründete dann selber seine Tempus-Bank, die er erfolgreich führte – bis er unschuldig ins Visier des Bundesanwaltes und mehrerer Medien geriet.
  • Die Bundesanwaltschaft liess ihn mit – gelinde gesagt – äusserst fragwürdigen Methoden bespitzeln. Sie hetzte sogar einen einschlägig bekannten Vorbestraften auf ihn und seine Bank, deren Reputation Schaden nahm, ohne dass Straftatbestände vorlagen. In einer Branche, in der Vertrauen und Diskretion schwer wiegen, war das für Oskar Holenweger die berufliche Guillotine.
  • Auch dieses Verfahren endete nach Jahren ohne Ergebnis. Der Bundesanwalt konnte der Tempus-Bank nichts rechtlich Relevantes nachweisen und gab klein bei. Doch auch in diesem “Fall” war das Lebenswerk eines Unbescholtenen zerstört; zudem eines Mannes, der unserem Land als Patriot, als Grenadier, als Kommandant auf fast allen Stufen und als Generalstabsoffizier gedient hatte. Eigentlich ein Fall Bundesanwalt, nicht Holenweger.

Die Tube und die Zahnpasta

  • Immer wieder stellen Presse, Radio und Television Unbescholtene an den Pranger. Wenn es sich erweist, dass der Gejagte unschuldig ist, “treiben die Journalisten längst eine andere Sau durchs Dorf.”
  • Es mutet trivial an; aber die Erfahrung lehrt: “Hast du die Zahnpasta erst einmal aus der Tube gedrückt und auf die Zahnbürste geschmiert, bringst du sie nicht mehr zurück.” Leider entspricht dieser gewiss simple Spruch der helvetischen Wahrheit – stets von neuem.