“Halt, Du Schtier!”

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Sie hatten gut lachen, schliesslich wurden ihre Villen vom Inf Rgt 31 bewacht. Von links: Premier Nikolai Bulganin, Präsident Dwight Eisenhower, Premier Edgar Faure, Premier Anthony Eden.

 

Der Titel stimmt schon. Er ist halt Mundart, mit “Schtier”, nicht “Stier”. Das “Sch” ist für den Erfolg des Spruches dringend nötig.

Vom 26. April bis zum 15. Juni 1955 regelten in Genf die “Grossen Vier” Indochinas Schicksal – mindestens bis zum 30. April 1975, als Nordvietnams T-55-Panzer um 11.30 Uhr in Saigon den Präsidentenpalast besetzten. Die Genfer Vier waren Präsident Dwight Eisenhower (USA), Premier Anthony Eden (GB), Regierungschef Nikolai Bulganin (UdSSR) und Premier Edgar Faure (Frankreich). Sie hatten alle ihre Aussenminister dabei, Bulganin den unverwüstlichen Wjatscheslaw Molotow.

Die Gäste schliefen in Villen. Weil die Konferenz lange dauerte, forderte Genf Bundeshilfe an. Thurgauer Soldaten vom Inf Rgt 31 bewachten die Unterkünfte. Dölf Eymann, ein Salensteiner Bauer, stand mit Helm, Karabiner und Patronentasche Tag und Nacht im Garten der Molotow-Villa. Daher stammt der Ausdruck: “Als wir den Molotow bewachten.”

Eymann erinnerte sich auch an den Befehl, sie müssten Eindringlinge nicht gleich erschiessen. Sie sollten den Unbekannten zuerst laut zurufen: “Halt, du Schtier!”

Denn die wenigsten Thurgauer beherrschten damals die französische Sprache. Der korrekte Warnruf lautete: “Halte – ou je tire!”, halt, oder ich schiesse. So erfüllten Molotows Bewacher ihren Dienst zur vollen Zufriedenheit der Behörden. Stets warnten sie Eindringlinge rechtzeitig. Und schiessen mussten sie kein einziges Mal.

Der kommende Putin-Biden-Gipfel vom 16. Juni 2021 soll ersten Meldungen gemäss “nur Stunden dauern”. Es würde überraschen, müssten die Genfer Behörden für diese kurze Zeit wieder auf Ostschweizer Truppen zurückgreifen …

 

MInister Molotow: Ankunft in Genf-Cointrin.

Als wir den Molotow bewachten …