Gripen für Wien? Saab greift an

Standard

 

Die Flugrevue schreibt:

Saab will’s nochmal wissen.

Gripen für Österreich? 

Als Österreich 2002 für den Eurofighter Typhoon votierte, hatte Saab mit der JAS 39 Gripen das Nachsehen. 20 Jahre später könnte sich das Blatt doch noch einmal wenden: Österreich hadert beharrlich mit dem Eurofighter – und Saab bringt sich für die Ablöse in Stellung.

Flugzeuge von Saab haben beim österreichischen Bundesheer eine lange Tradition. Von der Propeller-Einmot Saab Safir über die unförmige J-29 Tunnan und den Strahltrainer Saab 105 bis hin zum Überschall-Fighter J-35 Draken agierte der schwedische Rüstungskonzern jahrzehntelang als Haus-und-Hof-Lieferant für die Luftwaffe der Alpenrepublik.

Umso verwunderter rieb man sich vor zwei Jahrzehnten nicht nur in Schweden die Augen, als Österreich sich auf der Suche nach einem Draken-Nachfolger gegen die Saab JAS-39 Gripen entschied – und stattdessen den Eurofighter wählte.

18 Exemplare des multinationalen Kampfjets orderten die Österreicher, reduzierten die Zahl später auf 15 – und die Schweden reagierten nachhaltig verschnupft, haftete dem Deal doch von Beginn an der Verdacht an, dass nicht allein technische und finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben hatten.

Die J-35 Draken war der letzte Saab-Kampfjet in Österreichs Diensten. Tritt die Gripen nun doch noch ihr Erbe an?  

Ungeliebter Eurofighter

Denn eigentlich schien die Gripen für die Ansprüche des Bundesheers ideal. Der Schweden-Jet ist kampfstark und agil, zuverlässig und kostengünstig. Nicht nur Saab hatte das Muster deshalb als natürlichen Erben der Draken betrachtet. Stattdessen trafen im Jahr 2007 die ersten Eurofighter der Tranche 1 auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser in der Steiermark ein – doch so richtig anfreunden konnte man sich bei unseren Nachbarn mit dem Flugzeug nie. Das liegt zum einen daran, dass die Flugzeuge nur rudimentär für die Zwecke geeignet sind, für die man sie eigentlich einst bestellt hat.

Denn den alten Tranche 1-Jets, von denen sechs aus Gebrauchtbeständen der deutschen Luftwaffe stammen, fehlen zentrale Ausstattungselemente, wie etwa das Selbstschutz-System Praetorian oder das Infrarot-Zielsystem Pirate. Um sie vollumfänglich nutzen zu können, wäre ein breit angelegtes Upgrade erforderlich.

Zum anderen erwiesen sich die Eurofighter im Betrieb als ausgesprochen teuer. Eine Flugstunde soll derzeit rund 65’000 Euro kosten. Dazu kommen Engpässe bei der Ersatzteilversorgung, weshalb zeitweise gar gemunkelt wurde, manche der österreichischen Eurofighter seien bereits kannibalisiert und zu Teilespendern degradiert worden.

Von Beginn an haderte man in Österreich mit der Entscheidung für den Eurofighter. Die Tranche 1-Jets erfüllen wesentliche Anforderungen nicht.

Inmitten dieser recht toxischen Gemengelage wittert nun Saab doch noch einmal eine Chance für seine Gripen. So berichtet unter anderem die Tageszeitung “Der Standard”, die Schweden hätten mit der Saab Aeronautics Austria GmbH jüngst eine Österreich-Tochter gegründet und versuchten nun, “für den Gripen Stimmung zu machen.” Saab habe dem Bundesheer ein informelles Angebot unterbreitet, das den Kauf von zwölf einsitzigen Gripen C und zwei Doppelsitzern Gripen D umfasst – inklusive “Ersatzteilpaket, Ground-Crew-Training sowie Simulatoren als Draufgabe”, wie der Standard schreibt. Die Lieferung könne laut Saab binnen zwei Jahren erfolgen.